Reibungsloser Impfstart

Diese Hoffnungen verbinden die Mitarbeiter im Seniorenzentrum mit der Corona-Schutzimpfung

Impfstart im Seniorenzentrum: Die Mitarbeiter und die mobilen Bewohner wurden im Bistro geimpft. Bettlägrige Senioren erhielten die Impfung in ihren Zimmern.
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Impfstart im Seniorenzentrum: Die Mitarbeiter und die mobilen Bewohner wurden im Bistro geimpft. Bettlägrige Senioren erhielten die Impfung in ihren Zimmern.

Während am Mittwoch bekannt wurde, dass die Lieferung des Corona-Impfstoffs stockt und Impfzentren in NRW später an den Start gehen, hat das Herscheider Seniorenzentrum seine Impfdosen für Bewohnern und Mitarbeiter gerade noch rechtzeitig bekommen. So konnten die Impfungen nun starten.

Herscheid - „Bislang hat alles gut funktioniert“, stellte Einrichtungsleiterin Anke Dahlhaus erleichtert fest. Fast alle Bewohner und etwa die Hälfte der Mitarbeiter haben das freiwillige Angebot angenommen. Auffällige Nebenwirkungen seien nicht aufgetreten, sagte Dahlhaus.

Insbesondere jüngere Mitarbeiter seien sich oftmals unsicher gewesen, ob sie sich impfen lassen wollten. Im Verlauf der organisatorischen Vorbereitung habe es manch eine Umentscheidung gegeben. Insgesamt hatte das Seniorenzentrum letztlich 94 Impfungen bestellt.

Die Ampullen mit dem Impfstoff des Herstellers Biontech/Pfizer hatte Anke Dahlhaus drei Tage vor dem vereinbarten Termin bei der Kassenärztlichen Vereinigung bestellt. Geliefert wurden sie am Dienstagmorgen in einem Kühlwagen: Mit dem Beginn dieser Auslieferung verblieben 120 Stunden, in denen die Impfdosen verabreicht werden mussten.

Eine schwierige Entscheidung

Dies gelang wie beschrieben reibungslos: Die Mitarbeiter des mobilen Impfteams Jacques richteten ihre Arbeitsplätze im Bistro ein; in einem Nebenraum mischten sie den Impfstoff aus den Ampullen wie vorgeschrieben mit einer Kochsalzlösung. Aus einer Ampulle entstehen sechs Impfdosen, die innerhalb von zwei Stunden injiziert sein müssen.

Kleine Fläschchen, in die große Hoffnungen gesteckt werden: Einrichtungsleiterin Anke Dahlhaus zeigt eine Ampulle, aus der nach vorschriftsmäßiger Verdünnung mit Kochsalzlösung sechs Impfdosen gewonnen werden können.

Vor dem entscheidenden Piks klärten die Mitarbeiter des Impfteams die Bewohner und die Mitarbeiter erneut über die Risiken einer solchen Impfung auf. Auf diese waren sie bereits in schriftlicher Form hingewiesen worden. Nur wer eine entsprechende Zustimmung unterschrieben hatte, der wurde auch tatsächlich geimpft.

Dennoch war im Bistro eine angespannte Stimmung zu spüren, die zwischen Hoffnung und Nachdenklichkeit schwankte. „Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich mich wirklich impfen lassen möchte“, gestand etwa Eileen Auras, die für das Seniorenzentrum Essen ausliefert. Ob eine solche Impfung Langzeitfolgen haben kann, war einer ihrer Gedanken. „Das ist wie Impfen ins Blaue“, meinte sie noch vor Ort. Letztlich habe sie sich aber dazu durchgerungen, diese Impfung im Seniorenzentrum zu erhalten, um sich selbst zu schützen und nicht in ein größeres Impfzentrum gehen zu müssen.

Pflegekraft Christiane Hünseler ließ sich im Bistro impfen: „Ich hoffe, dass durch die Impfung bald wieder mehr Alltag im Seniorenzentrum einkehren kann.“

Pflegekraft Christiane Hünseler verbindet mit ihrer Impfung die Hoffnung, die Zusammenarbeit mit den Bewohnern zu erleichtern. Aus Schutz vor Corona sei diese distanzierter als sonst, was insbesondere im Umgang mit dementen Bewohnern, die oft den Kontakt zu den Mitarbeitern suchen, nicht leicht sei. „Ich hoffe, dass durch die Impfung bald wieder mehr Alltag im Seniorenzentrum einkehren kann“, sagt die Plettenbergerin. Auch für ihr eigenes Privatleben, das sie aus Respekt vor ihrer beruflichen Tätigkeit stark eingeschränkt hat, wünscht sie sich wieder mehr Normalität.

Auch Einrichtungsleiterin Anke Dahlhaus hatte sich impfen lassen: „Darüber musste ich nicht lange nachdenken.“ Das Impfen sei für das Seniorenzentrum ein wichtiger Schritt und könnte für etwas mehr Entspannung beitragen. Die Sorge, einer der Bewohner oder der Mitarbeiter könne an dem Virus erkranken, bleibe zwar bestehen, aber nicht mehr akut. Denn durch die Impfung, so hofft Anke Dahlhaus, könne eine mögliche Erkrankung einen abgeschwächten Verlauf nehmen.

Sorge bleibt bestehen

Die Sicherheitsvorkehrungen im Haus bleiben somit unverändert: Das bedeutet zum Beispiel, dass Besucher – ob geimpft oder nicht – Masken tragen und sich beim Betreten der Einrichtung einem Schnelltest unterziehen müssen. Für diese Besuchertestung konnten Minijobber eingestellt werden, um die eigenen Mitarbeiter zu entlasten, erzählt Anke Dahlhaus.

Die Impfung im Seniorenzentrum ist indes nicht abgeschlossen: In drei Wochen werden Bewohner und Mitarbeiter zum zweiten Mal geimpft. Dann sollen sie vor dem Virus geschützt sein.

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