Verkehrslärm nimmt drastisch zu

Immer mehr Beschwerden über Raser, Motorradlärm und „hochgetunte Autos im Konvoi“

An Sonntagnachmittagen nimmt der Anteil der Motorradfahrer auf der L 561 am Silberg zu. Bedauerlicherweise haben
sich bereits einige Unfälle ereignet. Auch der Lärm durch getunte Sportwagen wird zum Problem.
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An Sonntagnachmittagen nimmt der Anteil der Motorradfahrer auf der L 561 am Silberg zu. Bedauerlicherweise haben sich bereits einige Unfälle ereignet. Auch der Lärm durch getunte Sportwagen wird zum Problem.

Gut ausgebaute Straßen verbessern nicht nur den Verkehrsfluss, sondern verleiten viele Fahrer auch zu einer flotten Fahrweise. Herscheid ist da kein Sonderfall. Auffällig vor Ort und unüberhörbar ist der zunehmende Lärm, erzeugt von aufgemotzten Fahrzeugen.

Herscheid - Als kritische Strecke bekannt ist die Nordhelle. Die kurvenreiche Landstraße 707 lockt besonders viele Motorradfahrer aus nah und fern an. Viele halten sich an die Regeln, genießen die Ausfahrt zur höchsten Erhebung im MärkischenKreis. Doch es gibt auch eine Gruppe von Zweiradfahrern, die nur des Nervenkitzels wegen kommt. Diese Fahrer drehen ihre Maschinen auf, legen sich in die Kurven, lassen sich dabei von ihren Bekannten filmen und per Kamera in Szene setzen.

Das Problem beschäftigt seit Jahren die Behörden, erhitzt die Gemüter der Bürger. Doch eine Lösung ist nicht in Sicht. Sobald das Wetter ins Freie lockt, schallen die Motorengeräusche aus der sogenannten Applauskurve durchs Ebbe.

Mittelschwellen verlängert

„Die Saison hat begonnen“, schilderte Sebastian Jülich (UWG) in der Sitzung des Hauptausschusses von seinen Erfahrungen des vergangenen Wochenendes. Er erkundigte sich, ob es seitens des Märkischen Kreises weitere Bemühungen gebe, die Situation in den Griff zu bekommen. Eine Frage, die Bürgermeister Uwe Schmalenbach verneinte. Die Verlängerung der Mittelschwellen, die nun auch im Bereich der unteren Kurve angebracht sind, sei in diesem Jahr die einzige vollzogene Änderung. Weitere Maßnahmen seien ihm nicht bekannt.

Schmalenbach bezog sich auf die Berichterstattung unserer Zeitung, in der Mitte April zu lesen war, dass der Kreis vorerst keine weiteren gerichtlichen Versuche unternehmen möchte, die Strecke für Motorradfahrer zu sperren. Ein erster Versuch hatte Mitte 2019 nur kurz Bestand, ehe das Oberverwaltungsgericht diese Sperrung wieder kippte. Stattdessen setzt der Kreis nun auf Kontrollen und auf den Dialog.

Zumindest die offiziellen Unfallzahlen für die Nordhelle geben Grund zu Optimismus, die seien zurückgegangen, erzählt der Bürgermeister. Die Situation sei allerdings längst nicht gelöst – im Gegenteil: Der Schwerpunkt verlagere sich von der Nordhelle auch auf die Landstraße 561 in die Silbergkurven. „Auch dort besteht Handlungsbedarf“, mahnte der Bürgermeister.

Die Ausweitung der Mittelschwellen auf der Landstraße 696, Kontrollen und der Dialog mit den Fahrern: Darauf setzt der Märkische Kreis an der Nordhelle.

Nicht nur Zweiräder machen Krach

Aus eigener Erfahrung und durch Erzählungen von Anwohnern wisse er, dass sonntagnachmittags eine Art Rückreiseverkehr einsetze. Nicht nur aus Richtung Nordhelle, sondern auch von Plettenberg oder Rönkhausen aus kommend nehme dann der Anteil der Motorräder sicht- und hörbar zu. Am Silberg sei es in jüngerer Vergangenheit bereits zu Unfällen mit Zweiradfahrern gekommen, zuletzt am Sonntag, als sich ein 31-jähriger Motorradfahrer aus Langenfeld, der in Richtung Herscheid unterwegs war, nach einem Zusammenstoß mit einem Auto leicht verletzte.

Der Bürgermeister sprach sich dafür aus, die Situation auf der Landstraße 561 weiter in den Blick zu nehmen. Dies müsse, darum bat Eberhard Kaufmann (CDU) eindringlich, sich aber nicht nur auf die Wochenenden und Motorräder beschränken. Denn in den Abendstunden und dies nahezu an jedem Wochentag ließen dort auch Autofahrer ihre PS spielen.

Wie Bürgermeister Uwe Schmalenbach ergänzend zu berichten wusste, sei die zweispurig ausgebaute Strecke Richtung Lüdenscheid eine beliebte Strecke für Sportwagen. Er sprach von „hochgetunten Fahrzeugen, die im Konvoi“ anreisen, deren Fahrer so richtig Gas geben. Neben der Verkehrsgefährdung sei auch hier der Faktor Lärm besonders kritisch zu sehen.

Die Gemeinde wolle nicht tatenlos zusehen, doch die Möglichkeiten der Einflussnahme auf den Landstraßen sei gering. Zumindest aber wolle er sich dafür einsetzen, das Thema abermals mit der Polizei zu besprechen. Eine rasche Lösung des zunehmenden Lärms scheint jedoch nicht in Sicht

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