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Hotel mit langer Geschichte: Zwei Brände und drei Hochwasser überlebt

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Von: Birgit Hüttebräucker

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Eine Postkarte aus dem Jahr 1917 zeigt die Herscheider Mühle, bevor sie ein Jahr später ein Raub der Flammen wurde.
Eine Postkarte aus dem Jahr 1917 zeigt die Herscheider Mühle, bevor sie ein Jahr später ein Raub der Flammen wurde. © Hüttebräucker (Repro)

Die Geschichte der Herscheider Mühle lässt sich dank detaillierter Aufzeichnungen bis 1395 zurückverfolgen. Neben einer Kornmühle war dort auch ein Bäckerei ansässig und ab 1834 eine Schankwirtschaft, die von den Vorfahren der heutigen Besitzer eingerichtet wurde.

Herscheid – Dort wo sich der kleine Bach Stubbecke, vom Stuberg / Berghagen kommend, mit der Schwarzen Ahe, die zwischen Nieder-Holte und Stöpplin entspringt, vereinigt, steht die älteste der ehemaligen drei Kornmühlen, die es in der Gemeinde Herscheid gab: die Herscheider Mühle.

Wenn dieses historische Gebäude reden könnte, es hätte so viel zu erzählen. Glücklicherweise wurde die Geschichte des Hauses schon früh aufgezeichnet und immer wieder mit Fakten ergänzt, sodass es mittlerweile eine umfangreiche Chronik über das Gebäude und seine Bewohner gibt, die im Jahr 1395 beginnt.

In besagtem Jahr wird die Herscheider Mühle, zu der einst eine Kornmühle und ein Osemundhammer gehörten, erstmals erwähnt. Und zwar in dem „Register der Hafer Zetteln, so jährlich an einen zeitlichen Pastor zu Herschede bezahlt wird“ – eine Art Steuerliste, die sich im Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Herscheid befindet.

Auch in den nachfolgenden Jahren wird über das Mühlengut immer wieder berichtet. Im Jahr 1440 wird Hennecke tor Möllen als Besitzer genannt und im Jahr 1506 Tigges to der Möllen als Kirchmeister. Im Jahr 1635 konnte das Mühlengut seinen steuerlichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen und die Osemundschmitte hatte, bedingt durch den 30-jährigen Krieg, ihren Betrieb eingestellt.

Gustav Adolf und Ursula Alberts können voller Stolz auf eine fast 200-jährige Geschichte der Herscheider Mühle zurückblicken.
Gustav Adolf und Ursula Alberts können voller Stolz auf eine fast 200-jährige Geschichte der Herscheider Mühle zurückblicken. © Hüttebräucker

Ohne Betrug und Arglist

Ein Schuldbrief aus dem Jahr 1676 belegt, dass sich an der schlechten finanziellen Situation nichts geändert hatte. Der damalige Besitzer Eberhard Brüninghaus versichert, dass das Darlehen „ohne bedrug un arglist“ erbeten worden ist und er wird es „an gutem gelde redlich wiedergeben“.

Doch das Darlehen hatte anscheinend auch nicht geholfen, denn im Jahr 1714 ging das Mühlengut bei einer öffentlichen Versteigerung in den Besitz des Lüdenscheider Hografs und Herscheider Richters Dr. Arnold Richard Hymmen, und später dann in den Besitz seiner Erben. Durch Heirat gelang es in den Besitz der Familie von Holtzbrinck und damit zum Haus Habbel in Hüinghausen.

Der 1803 geborene Hermann Diederich Alberts ist der Stammvater der heute zur Herscheider Mühle ansässigen Familie Alberts. Er wurde zum Habbel geboren als Sohn des Johann Christoph Alberts und der Anna Gertrud Köster. Im Jahr 1824 übernahm er als Pächter die Herscheider Mühle von der Familie Holtzbrinck.

Konzession für eine Schenkwirtschaft

Im selben Jahr heiratete er Catharina Margaretha Alfringhaus von Obern Alfrin, die im Alter von nur 25 Jahren bei der Geburt ihres vierten Kindes starb. Im Jahr 1830 heiratete Hermann Diedrich die 1808 zum Warbollen geborene Catharina Elisabeth Köster.

Im Jahr 1834 richtete der Müller Hermann Diedrich Alberts in der Herscheider Mühle eine Schenkwirtschaft ein, für die er am 11. April des Jahres die Konzession erhielt.

Ein heftiges Feuer vernichtete am 10. September 1852 die Mühle und einen Teil des Wohnhauses. Wegen Uneinigkeiten, die beim Wiederaufbau herrschten, konnte die Familie erst am 11. Dezember in eine kalte und unfertige Wohnung ziehen. Die Mühle war erst am 2. März 1853 wieder hergestellt. Hermann Diedrich starb im Alter von 51 Jahren am 28. Juli 1854 an Auszehrung und hinterließ elf Kinder und die Ehefrau. Diese heiratete im Jahr 1861 den Landwirt Diedrich Wilhelm Schulte zur Verse. Sie starb im Jahr 1877 zur Herscheider Mühle.

Der Stammvater der nächsten Generation ist der am 27. November 1834 geborene Carl Friedrich Alberts, der die Herscheider Mühle pachtet. Von Beruf Bäcker und Müller, betrieb er nicht nur die Kornmühle und eine Bäckerei, sondern auch die Schankwirtschaft und eine Spezereihandlung (Gemischtwarenhandlung).

Carl Friedrich Alberts mit seiner Ehefrau Emma Herzhoff. Von den ursprünglich sieben Kindern der Familie erreichten nur die beiden Jungen und eines der Mädchen das Erwachsenenalter.
Carl Friedrich Alberts mit seiner Ehefrau Emma Herzhoff. Von den ursprünglich sieben Kindern der Familie erreichten nur die beiden Jungen und eines der Mädchen das Erwachsenenalter. © Hüttebräucker (Repro)

Carl Friedrich heiratete 1876 in Herscheid die aus Wenninghausen stammende Emma Herzhoff. Aus dieser Ehe gingen sieben Kinder hervor, von denen vier aber schon im Kindesalter verstarben. Friedrich richtete 1876 in der ersten Etage des alten Hauses ein Gesellschaftszimmer ein, das später auch als Schlafzimmer diente. Carl Friedrich starb 1898 im Alter von 63 Jahren. Seine Ehefrau starb 1917 im Alter von 72 Jahren.

Ein Jahr nach dem Tod des Vaters übernahm der 1879 geborene Sohn Hermann Diedrich die Geschäfte. Eigentlich hatte er eine Kaufmannslehre in Lüdenscheid gemacht und war auch in dem Beruf tätig. Aus familiären Gründen wechselte er in den elterlichen Betrieb und legte im Jahr 1910 die Meisterprüfung im Bäckerhandwerk ab.

Mit einem Brotwagen, von Pferden gezogen, belieferte er wöchentlich seine weitverzweigte Kundschaft. Zusätzlich versorgte er die Wirtschaft an der Mühle, das Kolonialwarengeschäft und die Landwirtschaft. Im Jahr 1907 übertrug ihm seine Mutter die gesamten Geschäfte an der Herscheider Mühle. Hermann Diedrich heiratete im Jahr 1909 die Pauline Elise Däumer vom Dürhölten. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und zwei Töchter hervor.

Am 9. Juli 1918 ereignete sich zum zweiten Mal ein großes Feuer an der Herscheider Mühle, bei dem das Dachgeschoss abbrannte und der Neubau aus dem Jahr 1889 unbewohnbar wurde. Ein Notdach sorgte dafür, dass die Wohnung weiter benutzt werden konnte.

Nach mehreren Kaufverhandlungen mit den Erben der Familie Holtzbrinck wurde der Gastwirt und Bäckermeister Hermann Diedrich Alberts im November 1921 im Grundbuch als Besitzer der Herscheider Mühle eingetragen. Von 1921 bis 1925 befand sich in einem Teil des Gebäudes eine Jugendherberge. Im Jahr 1927 wurde dort, wo das Feuer im Jahr 1918 das alte Haus zerstört hat, ein prächtiger Neubau errichtet.

Der älteste Sohn des Paares Alberts / Däumer, der wie sein Vater die Vornamen Hermann Diedrich erhielt, trat beruflich in die Fußstapfen seines Vaters. Er absolvierte in Wetter an der Ruhr eine Ausbildung zum Bäcker und legte 1937 die Meisterprüfung ab. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1944 übernahm er die Herscheider Mühle und baute im Dachgeschoss drei Fremdenzimmer aus. Er heiratete 1942 Else Schäfer aus Bottrop. Die Familie gab 1964 die Bäckerei auf, um sich ganz auf den Hotelbetrieb zu konzentrieren.

Im Jahr 1969 wurden die kompletten Innenräume modernisiert. Hermann Diedrich Alberts starb 1978. Seine Frau Else folgte ihm zehn Jahre später.

Probleme mit dem Element Wasser

Seit 1988 führt der Sohn Gustav Adolf Alberts gemeinsam mit seiner Ehefrau Ursula das Landhotel Herscheider Mühle. Beide können auf eine bewegte Geschichte des Hauses und der Bewohner zurückblicken.

Während bei den Vorfahren die Herscheider Mühle 1852 und 1918 durch Feuer beschädigt wurde, hatten Gustav und Ursula Alberts mit dem Element Wasser zu kämpfen. In den Jahren 1979, 2021 und 2022 sorgte Hochwasser dafür, dass sich die Ahe einen Weg durch die Garage und die Wohnung bahnte und dabei Schäden hinterließen.

Ob Feuer, Wasser oder andere Hindernisse wie langwierige Baustellen: Das Landhotel Herscheider Mühle ist nach wie vor ein Ort der Gastlichkeit. Das nächste große Ereignis, dem Gustav Adolf und Ursula Alberts entgegensehen, ist das 200-jährige Jubiläum im Jahr 2024.

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