Direktvermarktung statt Weltmarkt

Hohe Investitionen und die "beste Anlage" Herscheids auf dem Hof Bühner

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Die letzte Großinvestition: Mit der großen Siloanlage ist die Landwirte-Familie technisch auf dem neuesten Stand.

Herscheid – Nur wenige Meter liegen zwischen Stall und Hofladen: Damit kann die Lieferkette von der Tierzucht bis zum Warenverkauf kaum kürzer sein. „Der Weltmarkt ist uns zu unsicher. Wir setzen auf Direktvermarktung“, erklärt Lasse Bühner.

Der Junglandwirt betreibt den Bauernhof auf der Gasmert zusammen mit seinen Eltern und Großeltern. Tiefe Einblicke in ihre Arbeit gab die Familie bei einem Treffen mit der Herscheider CDU, die sich den landwirtschaftlichen Betrieb aus nächster Nähe anschauen konnte. 

Dabei trafen die Parteimitglieder auch auf zahlreiche Kühe: „150 haben wir aktuell. Dazu stehen uns 100 Hektar Grünland mit Weide und ein wenig Acker zur Verfügung“, nannte Lasse Bühner die wichtigsten Fakten zum eigenen Milchviehbetrieb. 

Dieser wurde vor sieben Jahren umgebaut und mit einem neuen Stall deutlich vergrößert. Einen 35-prozentigen finanziellen Zuschuss durch öffentliche Gelder gab es nur mit der Auflage, dass jede Kuh jeweils einen Liege- und Fressplatz bekommt. Das werde von den Tieren „sehr gut angenommen“, freuen sich die Bühners über den erfolgreichen Umbau. 

In den warmen Monaten gehe es für alle Kühe jeden Tag auf die Weide. Morgens und abends wird gemolken. Dabei sorgt eine Kuh täglich für rund 30 Liter Milch. Alle zwei Tage kommt somit eine Gesamtmenge von etwa 7 200 Litern zusammen, die in eine Molkerei bei Gießen gebracht werden. Frische Rohmilch ist jedoch auch direkt auf dem Hof zu kaufen. Dort kostet der Liter übrigens 70 Cent. 

Junglandwirt Lasse Bühner (Mitte) führte die Gäste der CDU über den familiär geführten Hof auf der Gasmert.

Neu eingestiegen ist die Familie Bühner vor einem Jahr in die Käseproduktion: Die ersten Schritte der Herstellung werden auf dem Hof durchgeführt. Dafür kommt eine mobile Käserei aus Kreuztal, die mit Herscheider Milch versorgt wird und die notwendige Technik liefert. Pfeffer, Kräuter und Waldnuss – bis zu zehn Sorten produzieren die Bühners für die Direktvermarktung in ihrem Hofladen. 

Auch dank dieses Angebots gehörte man übrigens zu den Gewinnern der Coronazeit: „Während des Lockdowns war die Nachfrage sehr hoch“, bestätigt die Familie. Viel Geld in die Hand nehmen musste man zuletzt für den Bau einer 260 000 Euro teuren Fahrsiloanlage, mit der die Trennung von sauberem Abwasser und Silagenwasser (kontaminiert) möglich ist. Letzteres kann in einem Behälter aufgefangen werden, sodass anschließend eine Vermischung mit Gülle folgt. 

Hintergrund ist, dass die Nitrat-Konzentration laut Verordnung an keiner Stelle über dem Grenzwert von 50 Milligramm je Liter im Trinkwasser liegen darf. CDU-Mitglied und Kreislandwirt Dirk Voss lobte den Neubau auf der Gasmert als „die beste Anlage Herscheids“, betonte aber auch: „So viel Geld wollen viele nicht investieren.“ Zumal die heimische Region eine „grüne Insel“ sei, wo nirgendwo ein kritischer Nitrat-Grenzwert erreicht werde. 

Die Bundes- und Landespolitik mache es den Landwirten mit dem neuen Abwassergesetz unnötig schwer. So bestehe die Gefahr, dass die Zahl der Betriebe weiter sinkt. Zum Vergleich: Vor 40 Jahren hatte allein Herscheid noch 130 Bauernhöfe.

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