Kein Ansturm auf besondere Daten

So heiraten die Herscheider: Nackte Torten liegen im Trend

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Trauung in ungewöhnlichem Ambiente: Der Plettenberger Air-Brush-Künstler Rico Pahlig gab seiner Petra das Ja-Wort auf dem Gelände der Hüinghauser Kleinbahn – inklusive einer Fahrt mit dem Museumszug, gezogen von der Dampflok Bieberlies.

Herscheid – Der schönste Tag des Lebens verlangt verliebten Paaren im Vorfeld einiges ab. Die Planung einer Hochzeit wirft heutzutage viele Fragen auf. Die Heimatzeitung hat sich anlässlich des Valentinstages mit drei Themen befasst – und dazu Ratgeber aus Herscheid befragt.

1. Mit Dampf in die Ehe: Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Das gilt auch für die standesamtliche Zeremonie in der Ebbegemeinde. Denn dabei haben Paare die Wahl zwischen drei Örtlichkeiten. Als jüngste Variante steht dabei der Kleinbahnhof in Hüinghausen auf dem Plan: Die Mitglieder der Museumseisenbahn stellen für die Vermählung nicht nur ihr Bahnhofscafé zur Verfügung. 

Gegen einen Aufpreis kann dort auch das Rundum-Bahn-Programm gebucht werden: Dieses beinhaltet unter anderem die Fahrt mit der von der Dampflok gezogenen Museumsbahn sowie die Feier im rustikalen Lokschuppen. 

Ganz klassisch kann hingegen auch im Trauzimmer des Rathauses geheiratet werden. Besonders hoch steht bei Festgesellschaften der Spieker im Kurs: Das besondere Ambiente und die Möglichkeit, eigene Musik in die Zeremonie mit einfließen zu lassen, sind nur einige Vorzüge dieses Standortes. 

Ohnehin sind die Herscheider Standesbeamten (derer gibt es drei) stets offen für individuelle Anregungen. Auch ungewöhnliche Ideen werden umgesetzt. Frank Holthaus erinnert sich an Bräute, die per Pferd zur Zeremonie angeritten kamen, oder den Besuch von Emma, dem Maskottchen des Fußballvereins Borussia Dortmund. 

Markante Daten wie zuletzt der 9.9.2019 seien hingegen in Herscheid weniger gefragt. Auch ein spürbarer Anstieg im runden Jahr 2020 sei noch nicht zu spüren. „Unser Traubuch ist zwar bereits gut gefüllt, aber ein Ansturm ist nicht absehbar“, schildert Holthaus. Ihm liegen zum jetzigen Zeitpunkt 24 Anmeldungen vor. Im Vergleich zu den letzten Jahren (54 Trauungen in 2019, 60 in 2018) deute sich ein durchschnittliches Hochzeitsjahr an. 

2. Durch die Blume: Ganz gleich in welcher Ausprägung – Hochzeiten sind in erster Linie stets mit Emotionen verbunden. Und diese werden durch die Wahl des richtigen Blumenschmucks zum Ausdruck gebracht. In die Rolle der Typberaterin schlüpft Bettina Winkelmeyer – und dabei hat sie im Laufe der Jahre eine rasante Entwicklung festgestellt. 

Das Kleid für ihre Hochzeit im Frühjahr hat die Herscheiderin Katharina Sadowski bereits ausgesucht. In der Hochzeitsausstellung der Gärtnerei Dahlmann schaute sich die baldige Braut gemeinsam mit ihrem Sohnemann Danilo um.

„Früher gab es Nelken und Rosen in überschaubarer Farbenauswahl. Heute gibt es so viele Möglichkeiten, dass man sich nur schwer entscheiden kann“, sagt die Hüinghauserin. Sie geht nicht nur auf die jeweiligen Wünsche – insbesondere der Damen – ein, sondern bringt auch persönliche Ideen mit an. Ein üppiger Brautstrauß für eine zierliche Frau? Das passt nicht! Viel Wert legen die Brautpaare auf eine farbliche Abstimmung: Dabei spielen Haarfarbe und Brautkleid zentrale Rollen. 

Um Paaren die verschiedensten Möglichkeiten aufzuzeigen, lud die Gärtnerei Dahlmeier erstmals zu einer Hochzeitsausstellung in die eigenen Räume ein, die eigens dazu umgestaltet wurden. Die Aktion sei laut Bettina Winkelmeyer von den Kunden gut angenommen worden. Tischdeko, Autoschmuck, Wurfstrauß – auch Besucher, die keine Hochzeit planen, schlenderten durch die Ausstellung und bestaunten Klassisches und Modernes. 

Während bei den Beratungsgesprächen stets die Kunden das entscheidende Wort haben, verrät Bettina Winkelmeyer ihre persönliche Einstellung: Für sie genießen, wenig überraschend, die Blumen bei der Planung einer Hochzeit den höchsten Stellenwert: „Ich würde lieber in Jeans heiraten und auf ein Kleid verzichten, aber niemals auf Blumen.“ 

3. Süße Momente: Weil Liebe bekanntlich durch den Magen geht, darf für viele Brautpaare eines nicht fehlen: eine Hochzeitstorte. Dabei sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, betont Sandra Wadulla. 

Aktuell seien im Café Sirringhaus die „Naked cakes“ gefragt. Dabei handele es sich um nackte Torten, die nicht mit Marzipan oder Fondant überzogen sind; Böden und Creme sind sichtbar und können beliebig dekoriert und auch mehrstöckig gestapelt werden. 

Den Stand des Herscheider Traditionscafés Sirringhaus auf der Lüdenscheider Hochzeitsmesse nutzte Konditoren-Tochter Joanna Wadulla, um ihre erste eigene Hochzeitstorte zu präsentieren.

Die „Saison“ beginne klassischerweise im Mai, erzählt die Konditorin. Pro Jahr werden in der Backstube an der Lüdenscheider Straße etwa 100 Hochzeitstorten kreiert. Zuvor werden die Paare zu Tortengesprächen eingeladen, wo Geschmäcker und Wünsche thematisiert, aber auch Kostproben gereicht werden. 

Viele Kontakte konnte die Konditor-Familie Wadulla auf der Lüdenscheider Hochzeitsmesse knüpfen. Die Anfragen kommen hauptsächlich aus dem südlichen Märkischen Kreis, aber auch darüber hinaus. Die weiteste Lieferung einer Hochzeitstorte ging von Herscheid nach Düsseldorf. 

In bester Erinnerung ist der Konditorin eine besonders aufwendige Anfertigung geblieben: Dabei entstand auf einem eigens zugeschnittenen Brett eine Tortenlandschaft. In Anspielung auf den ungewöhnlichen Antrag wünschte sich das Paar einen nachmodellierten Hubschrauber, Palmen aus Baumkuchen sowie – bezogen auf die Reiseliebe – exotische Früchte. Mehrere Arbeitsschritte und Tage waren vonnöten, um diese Landschaft zu gestalten. 

„Das ist die schönste Seite an meinem Beruf, dass ich bei diesen Aufträgen so richtig kreativ werden kann“, freut sich Sandra Wadulla, den schönsten Tag vieler Paare auf eine besondere, süße Weise bereichern und mitgestalten zu können.

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