Hegeringleiter äußert sich

Nach Wolfsriss im MK: „Langfristig ist hier mit Wölfen zu rechnen“ - Experte ist sich sicher

Der Leiter des Herscheider Hegerings, Dr. Matthias Dunkel befürchtet ohne eine eingeschränkte Jagderlaubnis für Wölfe erhebliche Folgen für den Wildbestand in Deutschland.
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Der Leiter des Herscheider Hegerings, Dr. Matthias Dunkel befürchtet ohne eine eingeschränkte Jagderlaubnis für Wölfe erhebliche Folgen für den Wildbestand in Deutschland.

Im MK hat es einen Wolfsriss gegeben. Seitdem wurde wieder ein Wolf gesichtet. Wie geht es jetzt weiter? Ein Experte äußert sich.

Herscheid - Nach dem ersten bestätigten Wolfsriss im Märkischen Kreis stellt sich die Frage, ob ein solcher Vorfall auch die Ebbegemeinde treffen könnte? „Langfristig ist hier mit Wölfen zu rechnen“, sagt Herscheids Hegeringleiter Dr. Matthias Dunkel. Es sei nur eine Frage der Zeit. Einen allein umherziehenden Wolf habe es in den vergangenen Jahren „mit Sicherheit auch schon in Herscheid gegeben“, ist er überzeugt. Bisher ist ein bestätigter Fall bekannt.

Nachdem in Balve mehrere Schafe von einem Wolf gerissen wurden, konnte im Märkischen Kreis erneut ein Wolf gesichtet werden. Und zwar ganz in der Nähe des vorausgegangenen Vorfalls.

Gefährlich werde es, sobald sich ein Rudel niederlasse. Der heimische Hegeringleiter weist in diesem Zusammenhang auf eine entscheidende Zahl hin: Pro Jahr vergrößere sich die Wolfspopulation in Deutschland um 30 Prozent. Kein anderes Wildtier verbreite sich stärker. „All diese Wölfe müssen ja irgendwo hin.“

Weidetiere sind leichtere Beute als Wild im Wald

Ein Wolfsrudel lebe „territorial“, es wird also ein bestimmtes Gebiet besetzt. Dort sorgen die Tiere für Nachwuchs. Doch wenn ein Jungwolf groß genug ist, sucht er sich meist sein eigenes Territorium. Daher werde natürlich immer mehr Platz gebraucht, betont Dr. Matthias Dunkel.

In seiner Rolle als Jäger mache er sich noch nicht so viele Sorgen, für Landwirte und Tierbesitzer sei diese Entwicklung allerdings „vernichtend“. „Die schlimmste Vorstellung ist, dass man morgens auf die Weide kommt und auf einmal seine Tiere tot da liegen sieht.“ Wie beim Wolfsriss in Balve würden vor allem Schafe zunehmend zum Opfer der sich ausbreitenden Wolfspopulation. Weidetiere seien eine leichtere Beute als das Wild im Wald.

„Wer soll das denn alles bezahlen?“, fragt der Herscheider Hegeringleiter mit Blick auf die diskutierten Schutzmaßnahmen. Hinzu kommt: „Ich glaube auch nicht, dass uns die angebotenen 1,20 Meter hohen Zäune reichen würden.“ Schutzhunde kämen nur für größere Schafsherden in Frage. „Dann lohnt es sich.“ Ein, zwei Hunde wären jedoch zu wenig. Sie würden von einem Wolfsrudel getötet werden.

„Die schlimmste Vorstellung ist, dass man morgens auf die Weide kommt und auf einmal seine Tiere tot da liegen sieht“, sagt Dr. Matthias Dunkel, Leiter des Hegerings Herscheid.

Dr. Matthias Dunkel fürchtet, dass immer mehr Weidetierbesitzer ihr Geschäft aus Angst vor Wolfsrissen aufgeben. Auch wegen dieser Gefahr wünscht er sich Wölfe nur an bestimmten Stellen: „In menschenleeren Regionen können die ja leben, aber nicht flächendeckend in ganz Deutschland.“

Ein mögliches Vorbild sei aus seiner Sicht Skandinavien, wo der Wolf unter strengen Regeln gejagt werden darf. Ohne eine Jagderlaubnis gebe es hier „erhebliche Folgen für den Wildbestand“. In Deutschland gehört der Wolf laut Bundesnaturschutzgesetz zu den streng geschützten Arten. Demnach ist es verboten, ihn zu fangen, zu verletzen oder gar zu töten. Bei dem vorsätzlichen Abschuss des Tieres handelt es sich um eine Straftat. Ausnahmen bestehen nur, wenn ein Wolf dem Menschen zu nahe kommt – oder wiederholt gesicherte Zäune überwunden hat, um Nutztiere zu töten.

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