1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Herscheid

Gerätehaus-Bau: Ukraine-Krieg treibt Kosten in die Höhe

Erstellt:

Von: Johannes Opfermann

Kommentare

Der Rohbau wurde zügig hochgezogen, auch die Arbeiten im Innenbereich sind schon weit vorangeschritten. Allerdings ist der Neubau teurer geworden als ursprünglich veranschlagt.
Der Rohbau wurde zügig hochgezogen, auch die Arbeiten im Innenbereich sind schon weit vorangeschritten. Allerdings ist der Neubau teurer geworden als ursprünglich veranschlagt. © Opfermann, Johannes

Weil das alte Feuerwehrgerätehaus in Rärin nicht mehr modernen Anforderungen entsprach – auch in Sachen Arbeitsschutz – , wurde vor gut einem Jahr mit einem Neubau begonnen. Die Arbeiten liegen recht gut im Zeitplan, sodass Lothar Weber von der Gemeinde Herscheid mit einer Fertigstellung und offiziellen Einweihung im Herbst rechnet.

Herscheid – Gut ein Jahr nach dem ersten Spatenstich nimmt das neue Feuerwehrgerätehaus in Rärin immer mehr Gestalt an. Bis zum Herbst hofft die Gemeinde die Arbeiten im neuen Quartier der Löschgruppe Rärin und rundherum abzuschließen, damit dann auch die offizielle Einweihung gefeiert werden kann.

„Wir liegen eigentlich ganz gut im Zeitplan“, sagt Lothar Weber. Der ehemalige Bauamtsleiter ist eigentlich Rentner, hat im Rathaus aber noch einmal ein Jahr drangehängt, um einige Projekte zu Ende zu führen. Das Feuerwehrgerätehaus in Rärin gehört dazu. Der Nachfolgebau für das alte Gerätehaus aus dem Jahr 1965 wird dringend benötigt, da dieses nicht mehr zeitgemäß ist und nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht. Der Zeitplan sieht vor, im zweiten Halbjahr 2022 fertig zu werden. Weber ist zuversichtlich, dass das auch gelingt.

Rüttelklinker für die Fahrzeughalle

„Den Rohbau haben wir relativ schnell hochgezogen, die Wände verkleidet und das Dach aufgesetzt“, sagt Weber. Die Gerüste rund um das Gebäude sind schon seit Längerem abgebaut, gearbeitet wird seitdem im Gebäudeinneren. Die Malerarbeiten seien weitgehend abgeschlossen, ein zweiter Anstrich fehlt noch an einigen Stellen. Die Arbeiten der Trockenbauer sind ebenfalls weit vorangeschritten, wobei teilweise noch unter der Deckenverkleidung noch etwas zu tun ist. Elektroleitungen und auch die Leitungen im Sanitärbereich sind ebenfalls zu einem großen Teil installiert. Als nächstes stehen Fliesenarbeiten an: In der Fahrzeughalle wird sogenannter Rüttelklinker, der eine besondere Druckfestigkeit aufweist; nötig bei dem Gewicht der schweren Feuerwehrfahrzeuge. Auch die Küche muss noch eingebaut werden, wobei die Möblierung laut Weber noch offen sei.

„Ansonsten laufen im Moment Vorbereitungen für die Außenanlage“, erklärt er. Die Gestaltung des Außenbereichs beinhaltet das Anlegen von Stellplätzen für das Gerätehaus sowie einen öffentlichen Stellplatzbereich. Ein Feuerlöschtank mit einem Volumen von 100 Kubikmetern – das sind 100.000 Liter Wasser – wird noch in der Umlage in die Erde eingelassen, um die Löschwasserversorgung für die Löschgruppe Rärin sicherzustellen. „Der Abbruch des alten Feuerwehrgerätehauses ist auch noch im Rahmen der Außengestaltung vorgesehen, das neue muss aber erst funktionsfähig sein, bevor wir das alte abbrechen“, erklärt Weber.

Die Arbeiten für den Außenbereich werden aktuell ausgeschrieben, sodass sie im Herbst, voraussichtlich im September, beginnen können. Die entsprechenden Fachfirmen zu finden, die mitten im Jahr noch Aufträge übernehmen könnten, sei bei der derzeitigen Marktlage nicht so einfach, gibt Weber zu, ist aber zuversichtlich, was den weiteren Fortgang der Arbeiten angeht: „Es ist jetzt Endspurt.“ Bis September sollen die Arbeiten im Innenbereich weitgehend erledigt sein. Auch die Außenanlage soll im September oder Oktober fertiggestellt werden, sodass dann auch die offizielle Einweihung stattfinden kann.

Der Abriss des alten Feuerwehrgerätehauses (links) steht noch aus.
Der Abriss des alten Feuerwehrgerätehauses (links) steht noch aus. © Opfermann, Johannes

Endkosten von mehr als 2 Millionen Euro

Der Bau wird mit 250.000 Euro aus dem Sonderaufruf Feuerwehrgerätehäuser in Dörfern, einem NRW-Förderprogramm, bezuschusst; es ist der maximale Fördersatz. Die ursprünglich kalkulierten Baukosten haben sich allerdings erhöht. Ursprünglich war man von Gesamtkosten von 1,6 Millionen Euro ausgegangen, schon bei der Erstellung des Leistungsverzeichnisses zeichnete sich bereits eine Kostensteigerung auf 1,8 Millionen Euro ab, erklärt Lothar Weber. Diese Kalkulationen wurden noch vor dem Ukraine-Krieg gemacht, der Preise – etwa für Stahl – noch einmal hat in die Höhe gehen lassen. Vermutlich werden sich die Endkosten bei 2,039 Millionen Euro liegen.

Eine Sanierung des alten Gebäudes hätte sich nicht gerechnet, zudem sind die Mängel zu groß. Es verfügt weder über Duschmöglichkeiten noch geschlechterspezifische Umkleiden. Auch die Stellplätze sind zu klein. 1965 verfügte die Löschgruppe nur über ein Fahrzeug, heute sind es zwei Großfahrzeuge und ein Einsatzleitwagen. Auch in puncto Unfall- und Arbeitsschutz entsprach das alte Gebäude nicht mehr den Erfordernissen.

Wegen der Enge war bei der Ausfahrt höchste Vorsicht geboten, erklärt Löschgruppenführer Thomas Felski. Das wird in dem neuen Gerätehaus nicht so sein, über dessen Bau er „hochzufrieden“ ist. „Wir sind heilfroh, dass die Gemeinde für uns solche Voraussetzungen schafft und wir so eine moderne Anlage bekommen. Denn zu einer leistungsfähigen Feuerwehr gehört auch eine gute Ausstattung“, sagt Felske.

Wenig Verständnis für Kritik am Zweckbau

Er findet es schade, dass teilweise in den Sozialen Medien über das moderne Gebäude gemeckert werde, dass nicht ins Ortsbild passe, oder dass angebliche Mängel an der Ausführung kritisiert werden. „Erstens ist das Gerätehaus noch nicht fertig und zweitens lässt sich über Geschmack Gott sei dank nicht streiten“, sagt Felske und ergänzt: „Die Leute sollten sich lieber bei uns engagieren, denn wir können jede weitere helfende Hand in der Löschgruppe gebrauchen.“

Auch Lothar Weber ist sich bewusst, dass nicht jeder mit dem Bau zufrieden ist. Das sei bei solchen Bauprojekten aber immer der Fall. Direkt sei aber keine Kritik an die Gemeinde herangetragen worden.

Es gebe sicherlich architektonisch schönere Bauten, aber es handle sich eben um einen Zweckbau. Bei diesem müssen auch bestimmte Vorgaben eingehalten werden. Zwar sei das neue Gebäude wegen seiner Größe wuchtig, „man sollte aber erst abwarten, bis das Außengelände fertig und es auch eingegrünt ist“, sagt er. Dann falle es im Ortsbild gar nicht mehr so auf.

Er verweist wie auch Thomas Felske darauf, dass die Pläne für das neue Gerätehaus öffentlich ausgelegt wurden, sodass die Bevölkerung die Möglichkeit hatte, Kritik anzubringen.

„Jeder, dem es nicht gefällt, hätte sich dazu äußern können“, sagt auch Gerd Holthaus, der früher selbst in der Löschgruppe aktiv war und die Kritik am Neubau nicht nachvollziehen kann. „Ich gucke mir das mit Begeisterung an“, sagt er zu den Bauarbeiten. Sicherlich müsse man sich an den Zweckbau erst noch gewöhnen. „Es ist halt modern, aber ich bin froh, dass die Feuerwehr so ein schönes und praktikables Gerätehaus erhält, wovon wir früher nur geträumt haben.“

Auch interessant

Kommentare