Neues Leben in Herscheids Bächen

Fischereigenossenschaft hofft auf viel Regen – aus diesem Grund

Die ausgesetzten Bachforellen sollen in den heimischen Bächen prächtig gedeihen – so zumindest die Hoffnung der Herscheider Fischereigenossenschaft.
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Die ausgesetzten Bachforellen sollen in den heimischen Bächen prächtig gedeihen – so zumindest die Hoffnung der Herscheider Fischereigenossenschaft. (Symbolbild)

Die zweite Woche der Sommerferien begann so, wie die erste endete: mit viel Regen. Freibadbesuche, Spaziergänge im Wald, Grillen mit Freunden – all das fällt zurzeit oft ins Wasser. Doch es gibt auch Profiteure der ergiebigen Niederschläge: Zu ihnen zählen 800 junge Bachforellen.

Herscheid – Die Tiere leben seit einigen Wochen in den heimischen Bächen, in der Hoffnung, dass sie dort prächtig gedeihen. Genau das war nach den extrem trockenen Sommermonaten der letzten Jahre zuletzt kaum noch möglich. Aufgrund der ausgebliebenen Niederschläge floss in den heimischen Bächen zum Teil nur noch ein kleines Rinnsal. „Einige Abschnitte waren sogar völlig trocken gefallen“, erzählt Lothar Speier, Geschäftsführer der Herscheider Fischereigenossenschaft.

„Tierquälerei“

Ein Fischbesatz sei daher in den niederschlagsarmen Vorjahren nicht erfolgt. Das wäre Tierquälerei gewesen, verdeutlicht Speier. Die wasserarmen Bäche wären für die Forellen ein sicheres Todesurteil gewesen.

Dieses Problem sei nicht neu und beschäftigt die Fischereigenossenschaft bereits seit einigen Jahren. „Das Wasser wird weniger“, bedauert Lothar Speier, der auf den gesunkenen Grundwasserspiegel verweist. Der Klimawandel sei nicht wegzudiskutieren, sondern sei auch in der heimischen Region längst spürbar. Die Probleme betreffen in erster Linie Land- und Forstwirte und seien unübersehbar (Stichwort Borkenkäfer).

18 Zentimeter lang

Umso mehr freut sich Lothar Speier über den bisherigen Jahresverlauf. Die anhaltenden Regenperioden seien für die Bäche wichtig. „Die nötige Wasserführung ist gegeben, daher haben wir uns entschieden, einen Teilbesatz wieder vorzunehmen“, schildert Speier. Gemeinsam mit Hans-Eugen Müller holte er bei der Forellenzucht Versetal bei Brüninghausen mehr als 800 Bachforellensetzlinge ab. Die kleinen Tiere waren im Durchschnitt etwa 15 bis 18 Zentimeter lang.

Die Setzlinge wurden in den heimischen Bächen verteilt. Und zwar immer dort, wo es auch sinnvoll sei, insbesondere an den etwas tieferen Stellen, den sogenannten Kolks. „Wir hoffen nun, dass die Wasserführung das ganze Jahr über ausreichend ist und die Setzlinge zu großen Bachforellen heranwachsen können“, sagt Lothar Speier.

Als klassische Anglerregion gilt die Ebbegemeinde zwar nicht. Dennoch gebe es auch vor Ort rund 27.000 Meter Bachläufe, die sich über ganz Herscheid verteilen. Dazu zählen der Brink-/ Versebach, der Ebbebach, der Else-Bach, der Herveler Bach, der Lingenbecker Bach sowie der Schwarze- und der Weiße-Ahe-Bach. Hinzu kommen etwa 1500 Meter Bachlauf, die nicht direkt auf Herscheider Gebiet liegen, schildert Speier. Gemeint sei damit der Auslauf der Fürwigge, der in Neuemühle auf den Herveler Bach treffe und später in die Versetalsperre münde.

Seltene Aale

Der Leitfisch für die heimischen Gewässer sei die Bachforelle. Eher unbeliebt sei hingegen die Regenbogenforelle; diese wachse vergleichsweise schnell und drohe daher, die heimischen Fischarten zu verdrängen. Gelegentlich sehe man auch einen Aal, etwa im Herveler Versebach. „Aber das ist heutzutage eher selten“, sagt der Geschäftsführer, der hervorhebt, dass die Wasserqualität in Herscheids Bächen gut sei.

Damit Qualität und Quantität im Einklang bleiben, würde Speier weitere Niederschläge begrüßen. Diesbezüglich wünsche er sich eine bessere Dosierung, also weniger Starkregenereignisse, und im Idealfall eine zeitliche Begrenzung. „Von mir aus könnte es nachts regnen, dann könnte man am Tage etwas unternehmen.“ Zum Beispiel würde er gerne wieder seinem Hobby, dem Angeln in Herscheid, nachgehen.

Weiße-Ahe-Bach noch frei

Wahrung des Fischereirechtssystems, Unterstützung bei der Erfüllung der Hegepflicht, Schutz und Erhaltung der frei lebenden Tierwelt und ihrer Lebensgrundlagen – dies sind einige der Aufgaben der Fischereigenossenschaften. In Herscheid kümmert sie sich auch um die Verpachtung der Bachabschnitte. Einige Abschnitte seien nicht nur des Angelns wegen vergeben, sondern auch aus privaten Interessen der Pächter. Zurzeit sei auf Herscheider Gebiet noch ein Teilstück des Weiße-Ahe-Baches frei; dieses beginnt ab der Brücke Grünenthal und verläuft bis zum Einlauf in den Else-Bach in Hüinghausen. Die Strecke ist rund 3300 Meter lang und kann insgesamt oder in Teilabschnitten gepachtet werden. Interessenten können sich an den Vorsitzenden Jens Schäfer, Telefon (0 170) 55 48 390, oder an den Geschäftsführer Lothar Speier, Telefon (0 23 57) 26 02, wenden.

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