Spurfahrzeug einsatzbereit

Fehlender Schnee bleibt nicht ohne Folgen: Fällt die Langlaufsaison aus?

+
Winterlich ausgesehen hat es im Januar an der Nordhelle schon. Am Robert-Kolb-Turm ist es rund drei Grad kälter als im nahe- und tiefer gelegenen Herscheid. Deshalb bleibt der Schnee im Ebbegebirge normalerweise gut liegen und schmilzt nicht schnell weg. 2019 konnte die Loipe so vier Wochen lang betrieben werden, obwohl es nur ein Mal richtig geschneit hatte. Das berichten Gerd Gester (links) und Hansjörg Schulte.

Herscheid – Es ist Freitagmorgen, 10 Uhr. Gerade bahnt sich die Sonne ihren Weg durch die Wolken. Das Thermometer zeigt minus drei Grad. Eigentlich ist das Wetter perfekt, um im Ebbegebirge Langlauf zu machen, wäre da nicht ein großes Problem: Der Schnee fehlt.

Deshalb konnte der Förderverein Ebbekammloipe in der laufenden Wintersaison noch nicht ein einziges Mal die 20 Kilometer lange Langlaufrunde präparieren. Eine Schneedecke von mindestens 15 Zentimetern ist dafür Voraussetzung. Hansjörg Schulte, Vorsitzender des Fördervereins, erinnert sich an die vergangene Langlaufsaison: „Wir hatten Glück, dass es da einmal 12 Stunden am Stück geschneit hat. In der Zeit kamen mehr als 20 Zentimeter Neuschnee herunter, von denen wir vier Wochen lang leben konnten.“ 

Auch wenn es im Augenblick zu warm ist, hat Schulte die Hoffnung auf Schnee noch nicht aufgegeben: „Die letzten Jahre haben gezeigt, dass der Schnee immer später kommt und sich dadurch alles verschiebt, teilweise bis in den März hinein.“ 

Das Spurgerät für die Ebbekammloipe parkt aber schon jetzt voll einsatzbereit in einer Garage am Robert-Kolb-Turm und hat in diesem Jahr eine neue Rolle bekommen. Mit ihr wird der Schnee verdichtet, bevor die Spur gezogen wird. Natürlich kommt das gut 40 PS starke Fahrzeug nicht ohne Kraftstoff aus und muss außerdem regelmäßig gewartet werden. Rund 2 000 Euro Unterhalt werden dafür pro Jahr fällig. Diese Summe finanziert der Förderverein Ebbekammloipe aus drei verschiedenen Quellen: Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Sponsorengeldern. 

Insgesamt zählt der Verein rund 150 Mitglieder aus ganz NRW. Für jeden wird eine Gebühr von mindestens 10 Euro pro Jahr fällig. „Zugenommen hat auch die Anzahl der privaten Spender“, sagt Schulte. Einige Langläufer würden bei ihrer Tour durch Schilder auf das Spendenkonto aufmerksam und spendeten, um die Arbeit des Vereins zu unterstützen. Die Finanzierung sei so insgesamt auch in schneelosen Jahren gesichert. 

Ihrer Tätigkeit gehen die Vereinsmitglieder ehrenamtlich nach. Vier Stunden dauert es, die Gesamtstrecke von 20 Kilometern zu spuren. Früh aufstehen müssen die Helfer aber nicht. „Meistens fahren wir so gegen 10 Uhr morgens los“, sagt Gerd Gester, der als Gerätewart für das Spurgerät verantwortlich ist, und ergänzt: „Nach einem guten Frühstück. Oder aber wir fahren noch am Abend des Vortages.“ 

Wenn das kleine Spezialfahrzeug nicht einsatzbereit ist, tun sich einige Helfer zusammen und ziehen die Spur klassisch „von Hand“, in dem sie die Runde selbst auf Langlauf-Skiern laufen. Präpariert wird die Strecke an sieben Tagen in der Woche, sofern genug Schnee liegt und die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sind. „Um zu gucken, ob genug Schnee liegt, müssen wir nicht mehr regelmäßig morgens zur Nordhelle fahren“, erzählt Schulte. „Wir haben uns einen Baum ausgeguckt, den man über die Webcam am Robert-Kolb-Turm sehen kann. An dem können wir abmessen, wie hoch der Schnee liegt.“ 

Besucht wird die Ebbekammloipe von rund 100 Langläufern pro Tag. Das wirkt sich natürlich auch auf die Gastronomie- und Hotelbetriebe in der näheren Umgebung aus. „In der Gaststätte Nordhelle hier oben am Kolb-Turm ist es an Langlauftagen rappelvoll. Da kommt die Bedienung kaum hinterher“, weiß Gester. 

Winter ohne Schnee: Damit haben sich Norbert und Beate Luke als Inhaber des Landgasthofes Roscheid schon lange abgefunden.

Im Landgasthof Roscheid, der bereits zu Attendorn gehört, der bei ausreichend viel Schnee aber mit an die Loipe angebunden ist, ist man inzwischen nicht mehr auf den Saisontourismus angewiesen. In den 1980er Jahren habe es ihn aber tatsächlich gegeben, erinnert sich Beate Luke, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Norbert Inhaberin des Gasthofes ist. 

Norbert Luke hatte sich damals extra einen Motorschlitten gekauft, um die Spur bis vor die Eingangstür ziehen zu können. „Das war immer viel Arbeit“, sagt Beate Luke. „So eine Spur ist ja nicht mal eben gezogen. Mein Mann ist damals um 5 Uhr morgens losgefahren und war gegen 10.30 Uhr wieder zurück. Dann gab es ein kurzes Frühstück und bis 23 Uhr folgte das Alltagsgeschäft als Koch.“ 

Zur Jahrtausendwende habe schließlich das Forstamt den Vertrag nicht mehr verlängert, sodass Lukes keine Spur mehr ziehen durften. Der Gasthof liegt zudem knapp 200 Meter unterhalb der Nordhelle, weshalb sich ausbleibender Schnee schon etwas früher bemerkbar gemacht habe. „Wir mussten uns andere Sachen einfallen lassen und haben zum Beispiel das traditionelle Schlachtessen ins Leben gerufen. Das ist ein Dauerrenner geworden“, sagt Beate Luke. Schon seit längerer Zeit sei man deshalb nicht mehr von den Jahreszeiten abhängig. „Schnee ist für uns zu einer angenehmen Begleiterscheinung geworden.“ 

Auch andere Hotelleriebetriebe in Herscheid, zum Beispiel das Jagdhaus Weber am Fuße der Nordhelle, und das Hotel Zum Adler im Ortskern merken von dem bislang ausbleibenden Betrieb an der Ebbekammloipe nichts. „Die Langläufer kehren vermutlich eher oben am Kolb-Turm ein“, sagt Harald Weber, Inhaber des Jagdhauses. „Wirklich weggeknickt ist Kundschaft bei uns, als der Alpinskibetrieb am Nordhang eingestellt wurde.“ Dort, wo bei warmem Wetter heute Paraglider starten, liefen bis vor rund 20 Jahren drei Skilifte, die viele Fahrer nach Herscheid lockten, insbesondere aus dem Ruhrgebiet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare