„Das ist hier wie eine kleine Familie“

Endlich wieder schwitzen und pumpen: Fitnessstudio ist wieder eröffnet

Mit Musik im Ohr meistert Michelle Wach die ersten Einheiten nach der langen Trainingspause.
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Mit Musik im Ohr meistert Michelle Wach die ersten Einheiten nach der langen Trainingspause.

Sommerliche Temperaturen, Sonne satt: So sehen keine klassischen Bedingungen für den Besuch eines Fitnessstudios aus. Im Herscheider Feelgood herrschte am Freitag, dem ersten Öffnungstag nach achtmonatiger Corona-Schließung, dennoch ausgiebige Wiedersehensfreude.

Herscheid - „Willkommen zuhause“, begrüßt ein gelöster Markus Gärtner die Besucher am Eingang. Hinter dem Inhaber und seinem Mitarbeiter-Team liegen lange Wochen des Bangens und des Wartens. Durch das Erreichen der Inzidenzstufe 2 im Märkischen Kreis wurde die Wiedereröffnung möglich. „Das Erste, das ich jeden Morgen gemacht habe, war das Checken der Inzidenzwerte“, erzählt Gärtner. Dass jetzt wieder Leben einziehen könne in das Studio am Mühlengraben, fühle sich super an.

„Endlich wieder der Arbeit nachgehen“ 

Waren die Schutzmaßnahmen richtig? Hätte eine Öffnung unter Einhaltung des Hygienekonzeptes nicht schon früher erfolgen können? Fragen, mit denen sich der Betreiber nicht länger beschäftigen will. Sein Blick geht nach vorne. Ehefrau Adriane, ebenfalls Fitnesstrainerin, ergänzt: „Endlich können wir wieder unserer Arbeit nachgehen.“

Diese Freude über die Wiedervereinigung ist am Freitag deutlich spürbar. Zwar seien auch die Online-Angebote des Feelgood gut angenommen worden. Doch das gewisse Etwas, das Plaudern, der Austausch, all das sei auf der Strecke geblieben, meint Trainer Sebastian Rudat: „Für Herscheid ist das Fitnessstudio ein Treffpunkt; der Alltag hier hat uns allen gefehlt.“

„Jetzt muss ich einiges nachholen“

Eine Meinung, die auch die Sportler bestätigen. Eckhard Monka etwa habe die regelmäßigen Trainingseinheiten „dramatisch vermisst“. Nicht nur des Sports, sondern in erster Linie der sozialen Kontakte wegen. Das „MännerGeschwätz“ über Autos oder Werkzeug, die Tipps von den Trainern, das Plaudern über dies und das – ein Besuch im Fitnessstudio sei ein Besuch bei vielen Freunden. Ohne sie, sei er gealtert: „Jetzt muss ich einiges nachholen“, sagt Monka und bedient das nächste Gerät.

„Siehst Du, so geht das“, zeigt Ortrud Schulte, Mitglied im Herscheider Fitnessstudio von der ersten Stunde an, Betreiber Markus Gärtner ihre Greifübungen.

Dem Tag der Wiedereröffnung hat auch Michelle Wach entgegengefiebert: „Das ist hier wie eine kleine Familie“, beschreibt sie die Atmosphäre, die sie immer wieder anlockt. Nach Wochen der Pause sei ihr der Einstieg ins Training leichter gefallen, als gedacht: „Das klappt schon ganz gut“, meint sie und packt noch eine Gewichtscheibe mehr an die dafür vorgesehene Stange ihrer Fitnessstation.

Auf dem Fahrrad liefern sich derweil Hartmut Michel und Ronja Müntefering ein Kopf-an-Kopf-Rennen, dabei haben beide unterschiedliche Startvoraussetzungen. Michel konnte sich in den letzten Monaten auf dem Rad oder beim Wandern fit halten. „Jetzt kann ich weiter an der Kondition arbeiten und Bekannte wiedertreffen“, freut er sich.

„Steuerung durch das Team ist ideal für mich“ 

Ronja Müntefering hingegen muss nach einem Schienund Wadenbeinbruch zu Beginn des Jahres vorsichtig starten. Zu Hause habe sie bereits einige Übungen gemacht, doch wie intensiv und regelmäßig sollte dieses Training ausfallen? „Die Steuerung durch das Team hier ist ideal für mich“, freut sie sich auf fachmännische Beratung.

Ronja Müntefering und Hartmut Michel lieferten sich ein munteres Kopf-an-Kopf-Radrennen im Herscheider Feelgood.

Als Mitglied der ersten Stunde schaut natürlich auch Ortrud Schulte am Freitag in „ihrem“ Feelgood vorbei. Hinter der 83-Jährigen liegen strapaziöse Monate; damit meint sie weniger ihren Krankenhausaufenthalt samt operativem Eingriff. Viel mehr habe sie die sportfreie Zeit belastet. Umso größer sei die Freude gewesen, als Markus Gärtner eines Sonntags an ihrer Tür klingelte, um ein Stück Kuchen vorbeizubringen. Noch mehr, als über den Kuchen, habe sie sich über die Nachricht gefreut, dass das Feelgood wieder öffnet: „Jetzt kann es endlich wieder losgehen“, sagt sie.

„Keinen Bock mehr auf Spaziergänge“

Eine besondere Beziehung zum Feelgood hat auch Bastian Fricke, immerhin hat er hier seine Ehefrau Christina kennengelernt. Nach einer Papa- und Häuslebau-Pause spüre er nun wieder die notwendige Motivation, um regelmäßig zu trainieren.

Ganz ehrlich gesteht er: In den letzten Wochen habe er sich zwar auch auf dem Rad oder im Wald fit gehalten. „Aber mittlerweile habe ich einfach keinen Bock mehr auf Spazierengehen.“ Daher will er Bäume und Büsche jetzt wieder regelmäßig gegen Gewichte und Fitnessgeräte tauschen.

Das sind die Regeln für den Besuch des Fitnessstudios

Auf allen Trainingsflächen sind Lüftungsgeräte eingebaut, die Getränkeanlage wurde digitalisiert und die Mitarbeiter lassen sich regelmäßig testen: Das Schutzkonzept im Herscheider Feelgood ist zusätzlich verschärft worden. Auf die Einhaltung von Abständen wird bereits seit der Wiedereröffnung nach dem erste Lockdown geachtet. Auch das regelmäßige Desinfizieren von Händen und Oberflächen sowie die Maskenpflicht beim Betreten des Gebäudes (abgelegt werden kann diese nach dem Umziehen) sind Pflicht. Eine weitere Voraussetzung: Die Sportler müssen beim Betreten nachweisen können, dass sie einer der drei G-Gruppen angehören – also vollständig Geimpfte, aktuell Getestete oder Genesene. Die Registrierung im Fitnessstudio erfolgt wahlweise über die Luca-App oder klassisch auf Papierlisten. In der ersten Woche wird zunächst reines Gerätetraining angeboten; ab dem 21.Juni sollen dann auch die Reha-Kurse und weitere Kursangebote starten. Einzig hochintensives Ausdauertraining wie das Spinning ist vorerst nicht erlaubt; dafür müsste der Märkische Kreis die Inzidenzstufe 1 (Inzidenzwert unter 35) erreichen. So weit möchte Betreiber Markus Gärtner noch nicht denken: „Wir sind erstmal glücklich, öffnen zu können, und hoffen, dass die Coronazahlen niedrig bleiben.“ Denn liegt der Inzidenzwert drei Tage in Folge über der 50erMarke, dann müsste das Fitnessstudio wieder schließen. „Hoffentlich bleiben wir davon verschont“, sagen Gärtner und sein Team.

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