Vereinsvorstand „fährt auf Sicht“

Ein Stück Sportverein für zuhause: TV Grünenthal verteilt „Bewegung in der Tüte“

Mit viel Abstand und kontaktlos erfolgte die Übergabe der „Bewegungstüten“. Das dabei angewandte Drive-In-System funktionierte gut.
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Mit viel Abstand und kontaktlos erfolgte die Übergabe der „Bewegungstüten“. Das dabei angewandte Drive-In-System funktionierte gut.

Während des Lockdowns kommt die Bewegung bei vielen Menschen und insbesondere bei Kindern zu kurz. Herscheids größter Sportverein, der TV Grünenthal, hat sich darum etwas einfallen lassen: Mit Unterstützung der Sportjugend NRW konnten sogenannte „Bewegungstüten“ mit allerlei Sportideen und passenden Materialien bestückt werden. Am Wochenende wurden sie an der Turnhalle Grünenthal verteilt.

Herscheid - „Es lief nicht ganz wie erhofft, aber immerhin konnten wir knapp 40 von 100 Tüten loswerden“, berichtete Mitorganisator Jan Zilinski kurz vor dem Ende der Verteilaktion. Dafür wurde im Vorfeld eigens ein Konzept mit dem Herscheider Ordnungsamt abgestimmt. Die Grünenthaler entschieden sich für ein Drive-In-System: In vorgegebenen Zeitfenstern konnten Familien mit ihrem Auto zum Klemmeparkplatz kommen, wo sie sich zunächst an einem Check-In-Schalter anmelden mussten. Anschließend ging es weiter zur Tütenübergabe, die mit viel Abstand durch das offene Autofenster erfolgte. Kinder und Eltern blieben die ganze Zeit im Fahrzeug sitzen.

Nur ein paar wenige Mitglieder des Vereinsvorstandes standen mit Maske und Handschuhen auf dem Parkplatz, um für eine reibungslose Verteilung zu sorgen. „Auch wenn keiner aussteigen durfte, hat jeder, der hier durchgefahren ist, gegrinst und sich gefreut“, betonte der Vereinsvorsitzende Jan Jarnuczak, dass die Aktion bei allen Beteiligten gut ankam. Schnell machten Fotos die Runde und zeigten, wie der Inhalt der Bewegungstüten zuhause direkt ausprobiert wurde.

Ball, Springseil, Frisbeescheibe – für jeden Geschmack war wohl etwas Passendes dabei. Und als kleiner Lohn für die sportliche Betätigung durfte natürlich auch die eine oder andere süße Leckerei nicht fehlen. Für den TV Grünenthal handelte es sich um die erste Vereinsaktivität seit langer Zeit: „Im Sommer lief unser Sportbetrieb teilweise. Es gab Außensport und in der Halle ging es langsam wieder los, was im Herbst aber ziemlich schnell abgewürgt wurde“, erklärte Jan Zilinski im Rückblick auf die letzten Aktivitäten des TVG. Seitdem ruht der Vereinsbetrieb.

Daumen hoch: Die Kinder des TV Grünenthal waren begeistert von der tollen Aktion.

Schon im ersten Lockdown habe man über Online-Angebote nachgedacht, die Idee jedoch wieder verworfen. Kinder seien auf diesem Weg sowieso nur schwer zu erreichen. „Unsere einzelnen Sportgruppen sind untereinander aber im Kontakt“, weiß Jan Jarnuczak von einem regen Austausch über die digitalen Kanäle. Coronabedingte Mitgliederverluste gab es bisher übrigens nicht, lediglich die „normale Fluktuation“ sei zu verzeichnen. „Wir hoffen, dass es irgendwann wieder mit dem Sport losgeht.“ Schließlich könne der Verein aktuell nicht das anbieten, wofür er eigentlich da sei.

Trotzdem ist man sich im Vorstand einig: Die oberste Prämisse sei es, vorsichtig zu bleiben. Das erkenne man zum Beispiel daran, dass die Grünenthaler ihre Skifreizeiten für dieses Jahr bereits abgesagt haben. Sobald man wieder Sport anbieten könne, liege es auch an jedem Übungsleiter, ob sein Kurs überhaupt stattfinden solle. „Wir wissen nicht, ob im Sommer Mannschaftssport möglich ist“, weist der TVG-Vorsitzende darauf hin, dass man derzeit „auf Sicht fahren“ müsse. Von der Politik wünscht man sich vor allem einheitliche Vorgaben für den Vereinssport. Keiner solle bevorzugt behandelt werden. 

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