Trotz Vogelgrippe erhalten die Hühner auf der Gasmert Auslauf – auf überdachter Wiese

Ein Partyzelt für 240 scharrende und gackernde „Mädels“ 

Das einstige Partyzelt des BC Herscheid ist direkt an das Hühner-Mobil angebaut. Auf diese Weise erhalten die Tiere Auslauf und sind trotzdem geschützt.
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Das einstige Partyzelt des BC Herscheid ist direkt an das Hühner-Mobil angebaut. Auf diese Weise erhalten die Tiere Auslauf und sind trotzdem geschützt.

Zum Feiern ist Lasse Bühner zwar nicht zumute. Dennoch setzt der Junglandwirt von der Gasmert große Hoffnungen in ein Partyzelt. Dieses hat er direkt vor seinem modernen HühnerMobil aufgestellt, damit seine Tiere trotz der Vogelgrippe ausreichend Auslauf haben.

Herscheid - Während die Corona-Pandemie die weltweiten Schlagzeilen dominiert, hat sich vor Ort nahezu klammheimlich eine gefährliche Geflügelkrankheit ausgebreitet, die bereits auf zwei Bauernhöfen im nördlichen Märkischen Kreis nachgewiesen wurde. Dort mussten hunderte Tiere sterben – um eine weitere Ausweitung zu verhindern, gilt seit dem 1. April für den Regierungsbezirks Arnsberg eine Landesverordnung, die die Aufstallung von Geflügel vorsieht.

„Seither dürfen auch wir unsere Hühner nicht mehr rauslassen“, erklärt Lasse Bühner. Vor gut vier Monaten hatte der Herscheider sein Hühner-Mobil in Empfang genommen: In den vollautomatischen Stall sind 240 Junghühner eingezogen, die diesen tagsüber verlassen können und somit der Kategorie Freilandhühner angehören. Dies gilt auch für die Zeit der Vogelgrippe: Zwar können die Tiere zurzeit nicht unter freiem Himmel herumlaufen, weil ansonsten die Gefahr bestünde, dass sie sich beispielsweise durch den Kot infizierter Wildvögel anstecken könnten. Aber Lasse Bühner hat eine Alternative für „seine Mädels“, wie er die Hühner liebevoll nennt, gefunden.

Darum muss Geflügel im Märkischen Kreis vorerst im Stall bleiben

Die Geflügelpest ist im Märkischen Kreis angekommen: Ein Betrieb in Menden hatte 100 Legehennen aus der Region Paderborn erhalten. In dem Betrieb dort wurde wenige Tage danach die Geflügelpest nachgewiesen. Bei der amtstierärztlichen Untersuchung Ende März wurden deutliche Krankheitserscheinungen festgestellt, mehrere Hühner waren verendet. Am nächsten Tag bestätigte sich der Verdacht aufgrund der Tests beim Untersuchungsamt, was zur Folge hatte, dass alle auf dem Hof gehaltenen 150 Geflügel getötet werden mussten. Der Märkische Kreis hat mittlerweile eine Allgemeinverfügung erlassen und richtet einen Sperrbezirk sowie ein Beobachtungsgebiet um den betroffenen Betrieb ein. Als Erreger wurde das Influenza A-Virus des Subtyps H5N8 nachgewiesen. Das Virus ist hochansteckendund befällt neben Hühnern auch Puten, Enten und Gänse. Wie das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen mitteilt, sind Bürger aufgerufen, Funde von verendeten wildlebenden Wasservögeln oder Greifvögel dem Veterinäramt des jeweiligen Landkreises zu melden. Verendete oder krank erscheinende Tiere sollen nicht berührt, eingesammelt oder selbst vom Fundort verbracht werden. Für Menschen, die keinen unmittelbaren Kontakt zu infizierten Tieren haben, bedeutet das Geflügelpest-Virus keine Gefahr. Auch können Geflügelfleisch sowie Eier nach Erhitzen gefahrlos verzehrt werden, teil der Märkische Kreis mit.

Er nutzte seine guten Kontakte zum Badminton-Club Herscheid, der damit begonnen hat, seine Terrasse an der Turnhalle Rahlenberg zu einer Art Wintergarten umzubauen. Das große Partyzelt, das dort bislang stand, benötigt die Verein daher nicht mehr: Dieses kaufte der Landwirt, um seinen Hühnern eine Auslaufmöglichkeit bieten zu können. Denn direkt am Stall aufgebaut bestehe für die Tiere im Zelt aufgrund der Überdachung und der geschlossenen Seitenwände keine Ansteckungsgefahr, so Bühner.

Ablenkung gegen den Umstellungsstress: Spielzeug wie dieses Heunetz wird von den Hühnern gern angenommen.

Stress für die Tiere

Dieses Angebot der Bewegung werde gut angenommen. Dennoch hat der Landwirt bei seinen 240 Tieren eine Veränderung bemerkt: Für sie bedeute die permanente Überdachung „Stress, weil sie das nicht gewohnt sind“. Als die ersten Tiere aggressives Verhalten zeigten und begannen, sich gegenseitig zu picken, griff er ein. Durch das mehrmals tägliche Ausstreuen von Weizen gibt er den Tieren weitere Anreize für einen Auslauf im Zelt. Außerdem locken Spielzeuge wie Heunetze und ein Hasentunnel die neugierigen Tiere an. Mit diesen Ablenkungen werde der Umstellungsstress gemindert, sagt der Landwirt.

Er ist erleichtert, dass die Ausbreitung der Vogelgrippe für seinen Betrieb keine weitreichenden Auswirkungen hat und seine Hühner ansonsten weiterhin putzmunter sind. Auch, weil eine Impfung gegen diese Krankheit nicht zugelassen ist, achte er noch mehr als bisher auf seine 240 „Mädels“ und natürlich auf die drei Ziegen, die normalerweise mit auf der Hühnerwiese leben, die aber aus Sicherheitsgründen keinen Zugang zu dem Auslaufzelt haben und daher von draußen zuschauen dürfen.

Erst im Dezember hat Landwirt Lasse Bühner sein HühnerMobil eingerichtet. Die 240 Bewohnerinnen sind gut durch ihren ersten Winter gekommen.

Das Kaufverhalten der Kunden

Keine Auswirkung habe die Vogelgrippe übrigens auf das Kaufverhalten der Kunden, berichtet Lasse Bühner. Während der Osterfeiertage seien die Herscheider Freilandeier stets ausverkauft gewesen. Allgemein sei die Nachfrage groß. „Die Leute sind froh, wenn sie wissen, woher die Eier stammen“, weiß der Landwirt.

Wie lange die Zelt-Übergangslösung Bestand hat, kann Bühner nicht einschätzen. Die Landesverordnung gebe vor, dass die Hühner für mindestens 28 Tage nicht ins Freie dürfen. Ob die Schutzmaßnahme Ende April wieder aufgehoben wird, sei nicht absehbar. „Ich hoffe, dass unsere Mädels schnell wieder raus dürfen“, sagt der Landwirt.

Hier lesen Sie mehr über das Hühner-Mobil auf der Gasmert.

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