1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Herscheid

Ein Leihhuhn, das gerne Spaghetti isst, zu Gast im Familienzentrum

Erstellt:

Von: Dirk Grein

Kommentare

Vollverpflegung im Urlaubsdomizil Herscheider Familienzentrum: Die Leihhühner freuen sich unter anderem über Spaghettinudeln, die ihnen die nötige Energie für die kalte Jahreszeit liefern sollen.
Vollverpflegung im Urlaubsdomizil Herscheider Familienzentrum: Die Leihhühner freuen sich unter anderem über Spaghettinudeln, die ihnen die nötige Energie für die kalte Jahreszeit liefern sollen. © Grein, Dirk

„Guck mal, die essen jetzt Spaghetti“, ruft das Mädchen mit der roten Mütze und zeigt vergnügt auf das pickende Huhn. Dieses lässt sich von der aufgeregten Kindertraube am Zaun nicht stören: Im Garten des Familienzentrums genießt es die Zusatzfütterung im herbstlichen Sonnenschein.

Herscheid – Vier Wochen lang gastieren fünf Leihhühner in der Herscheider Einrichtung. Halter Dominik Voß aus Lennestadt hat einen geschützten Bereich rund um einen Baum abgezäunt. Darin steht ein Stall, dessen batteriebetriebene Tür sich automatisch bei Sonnenaufgang öffnet und nach Sonnenuntergang schließt. Ein Futterautomat sowie eine Wassertränke stellen die Grundversorgung der Tiere sicher.

Für die besonderen Leckereien sorgen die Erzieherinnen und die Kinder; jede der vier Gruppen kümmert sich eine Woche lang um die Hühner. Dabei lernen sie allerhand über die scharrenden Besucher: „Jetzt, da es kälter wird, brauchen sie mehr Energie“, erzählt Erzieherin Eva Porepp, die privat auch einige Hühner besitzt. Daher weiß sie genau, was die Tiere gerne fressen – zum Beispiel die eingangs erwähnten Spaghettinudeln, aber auch gekochten Reis, Salat und zerkleinerte Eierschalen; Letztgenannte liefern den Tieren Kalzium, erklärt Eva Porepp.

Verwandt mit Dinos

Zu den Pflichten der Kinder gehört neben dem Füttern auch das Auffüllen des Futterautomaten und der Tränke sowie das Zählen der Tiere. „Wir wollen ja sicherstellen, dass noch alle da sind“, erklärt die Erzieherin. Nicht nur das: Die Mädchen und Jungen haben sich Namen für die Tiere ausgedacht, die rasch zugeordnet werden: Schneeflocke, Lännie, Flecki, Perle und Goldstern – ja, alle Tiere sind „an Bord“.

Zu den beliebten Pflichten der Kinder gehören das Auffüllen des Futterautomaten und das Zählen der Hühner.
Zu den beliebten Pflichten der Kinder gehören das Auffüllen des Futterautomaten und das Zählen der Hühner. © Grein, Dirk

Keine Frage: Die Hühner sind eine Attraktion im Familienzentrum. Manche Kinder kommen mehrmals täglich an den Zaun und betrachten die tierischen Besucher intensiv. Im Gespräch mit ihren Erzieherinnen haben sie bereits gelernt, dass es sich dabei sozusagen um die Nachfahren von Urzeitriesen handelt. „Die stammen von den Dinos ab“, berichtet ein Junge, der stolz den Gang der Hühner nachmacht, um kurz darauf wie ein Tyrannosaurus Rex zu stampfen und zu fauchen.

Neben diesen spielerischen Aspekten verfolgt das Projekt Leihhuhn ein weiteres Ziel: Die Kinder sollen lernen, Verantwortung für Lebewesen zu übernehmen, deren Verhalten zu respektieren und sich an diesem Zusammenleben zu erfreuen. Die Tiere selbst seien an derlei Ausflüge längst gewohnt. Besitzer Dominik Voß vergleicht das Ausleihen mit einem Urlaub seiner Hühner in immer wieder wechselnden Gärten. „Die Hühner sind sehr menschenfreundlich“, bestätigt Erzieherin Eva Porepp.

Obendrein sind sie auch produktiv: Drei bis fünf Eier können die Kinder täglich aus dem Stall holen. Wahlweise als gekochte Eier, als Spiegeleier oder als Zutat für selbstgebackenen Kuchen fanden sie bereits Verwendung. Auf diese Weise lernten die Kinder, dass die Eier nicht aus dem Supermarkt stammen, sondern von Hühnern gelegt werden. „Und diese Eier schmecken richtig gut“, sagt Eva Porepp.

Förderverein spendiert neue Holzhütte

An den Wochenenden übernimmt Ronja Müntefering die Versorgung der Leihhühner im Familienzentrum Unterm Regenbogen. Die zweite Vorsitzende des Fördervereins für Evangelische Kindergartenarbeit in Herscheid hat sich maßgeblich dafür stark gemacht, dass die Leihhühner von Dominik Voß – der vor einem Jahr mit diesem Projekt bereits im Seniorenzentrum für Freude gesorgt hatte – erneut in die Ebbegemeinde kommen. Die Kosten für den vierwöchigen Aufenthalt der Tiere übernimmt der Förderverein. Dessen Tätigkeiten sind durch die Corona-Pandemie vorübergehend zum Erliegen gekommen. Inzwischen konnte der Verein dem Familienzentrum aber einen lang gehegten Wunsch erfüllen: Ein marodes Gartenhäuschen ist durch einen Neukauf ersetzt, eine zweite bestehende Holzhütte instandgesetzt worden.

Auch interessant

Kommentare