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Ein Abschied für immer: Grundschulen ziehen in Neubau um

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Von: Dirk Grein

Die Kinder nehmen nicht nur die Erinnerungen, sondern auch diese kleinen Bilder der Grundschule Hüinghausen mit auf ihren weiteren Lebensweg.
Die Kinder nehmen nicht nur die Erinnerungen, sondern auch diese kleinen Bilder der Grundschule Hüinghausen mit auf ihren weiteren Lebensweg. © Foto: Grein

Ein jahrzehntelanges Kapitel Herscheider Schulgeschichte ist beendet. Der letzte Unterrichtstag vor den Sommerferien besiegelte das Aus für die beiden heimischen Grundschulen Herscheid und Hüinghausen. Sie werden in sechseinhalb Wochen, vereint unter dem Dach des Bildungszentrums, unter dem Namen Grundschule Rahlenberg einen Neustart wagen.

Herscheid - Für Schüler und Lehrer stand am Freitag ein schwieriger Abschied bevor. Es galt, loszulassen von den bekannten Räumlichkeiten und Strukturen. Während sich die Viertklässler vom heimischen Schulstandort verabschiedeten, wartet auf die Erst- bis Drittklässler sowie die Mitte August aufzunehmenden I-Männchen ein spannender Beginn. Sanierte Unterrichtsräume in der ehemaligen Hauptschule, veränderte Aufteilungen und Wege, gänzliche neue Einrichtungen wie die Aula und die Mensa – gemeinsam mit den Kindern wollen die Lehrer für eine möglichst harmonische Eingewöhnung sorgen.

Nach Corona-Wirren Zeit für einen Neustart

„Die Vorfreude überwiegt“, erzählte Irmtraud Schulte, Klassenlehrerin der Herscheider 1a. Natürlich falle es nicht leicht, eine liebgewonnene Einrichtung wie die Herscheider Grundschule (eröffnet Mitte der 1960er Jahre) aufzugeben. Schließlich haben die Lehrer dort Generationen an Schülern betreuen und begleiten dürfen. Doch gerade jetzt, nach einem Schuljahr, das maßgeblich durch die Corona-Pandemie beeinflusst und durcheinandergewirbelt wurde, sei der richtige Zeitpunkt für einen Neubeginn.

Die ersten Kartons sind gepackt: Lehrerin Irmtraud Schulte bereitet den Umzug der Grundschule Herscheid vor.
Die ersten Kartons sind gepackt: Lehrerin Irmtraud Schulte bereitet den Umzug der Grundschule Herscheid vor. © Foto: Grein

Froh sind die Lehrkräfte, dass aufgrund der gesunkenen Inzidenzwerte zumindest in der letzten Schulwoche noch einige besondere Aktionen wie Schnitzeljagden und Ausflüge möglich waren. Die Erstklässler freuten sich am Freitag zum Abschluss ihres ersten Schuljahres über ein Eis. Somit sollte ihnen der Abschied von der Grundschule Herscheid versüßt werden.

Kurz vor 99. Geburtstag nicht mehr im Dienst

Ein Abschiedsfest im kleinen Rahmen feierte derweil die Hüinghauser Schule. Eröffnet am 14. Oktober 1922 hätte sie in diesem Herbst ihren 99. Geburtstag feiern können. Diesen „besonderen Ort“, wie es Pfarrer Bodo Meier bei seiner kurzen Andacht auf dem Schulhof nannte, werden Lehrerinnen und Schüler stets in ihren Herzen tragen und überall mit hinnehmen. Passend dazu erhielten die Kinder kleine laminierte Schulgebäude als Abschiedsgeschenke.

Die Feier wurde bewusst fröhlich und mit dem Blick nach vorne gestaltet. Lachen, lernen, basteln, singen – all das sei nicht nur in Hüinghausen, sondern natürlich auch am Rahlenberg möglich. Dennoch sprach Heike Zilinski von einer innigen Bindung zu ihrer alten Schule, die seit 1992 ihr Arbeitsfeld darstellte (seit 2000 als Leiterin). Nahezu jeder Jahrgang habe der Schule einen Stempel aufgedrückt: bemalte Wände, gestaltete Steine, gepflanzte Bäume – die Kinder fühlten sich stets zuhause. Daher sei der Abschied emotional aufwühlend. „Da werden bestimmt noch einige Tränen fließen“, war sich Heike Zilinski sicher.

Dennoch: Auch sie verspüre große Freude auf das Kommende. Die lange Planungsphase sei intensiv und produktiv gewesen: Die pädagogischen Ansätze seien abgeglichen und ein gemeinsames Konzept auf den Weg gebracht worden. Dieses nach den Ferien umzusetzen, sei eine Herausforderung. „Wir müssen uns alle neu orientieren, aber gemeinsam werden wir das schaffen“, sagte Zilinski auf dem Schulhof Hüinghausen, richtete sich mit diesen Worten aber an alle Schüler, Lehrer und Betreuer, die ab dem 15. August die vereinte Grundschule Rahlenberg mit Leben füllen werden.

Zusammenlegung der Grundschulen: Gründe und Zukunftsnutzung

Die rückläufigen Schülerzahlen waren der Grund für die Gemeindeverwaltung, die Herscheider Schullandschaft zu verändern. In einem ersten Schritt musste die Hauptschule im Jahr 2014 geschlossen werden. Doch auch für den Betrieb von zwei Grundschulen vor Ort reichten die Zahlen langfristig nicht aus, darauf hatte Bürgermeister Uwe Schmalenbach frühzeitig aufmerksam gemacht. Daher wurde entschieden, das ohnehin leerstehende Hauptschulgebäude zu modernisieren und baulich zu ergänzen. Daraus entstand das Bildungszentrum Rahlenberg, in dem beide Schulen einziehen werden – als Grundschule Rahlenberg. Während in den sanierten Räumen in den kommenden Tagen eine abschließende Grundreinigung ansteht, erfolgt in den Grundschulen das Ausmisten. In den ersten beiden Wochen der Schulferien werden die Lehrer sämtliche Materialien zusammenpacken, die von den Bauhofmitarbeitern zur neuen Schule transportiert werden. Das Auspacken der Kisten erfolgt in den letzten beiden Ferienwochen – die Lehrer haben also nur kurz Zeit zum Abschalten. Und was geschieht mit den nicht mehr genutzten Gebäuden? Während der Rückbau der Herscheider Grundschule bereits beschlossen, aber noch nicht terminiert ist, soll die Nachnutzung des Hüinghauser Schulgebäudes in einem offenen Prozess unter Beteiligung der Bevölkerung noch diskutiert werden.

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