„Ich frage mich, was gefährlicher ist“

Drohender Bewegungsmangel: Feelgood-Betreiber sorgt sich um Mitglieder

Mehr als ein halbes Jahr ist es nun bereits her, dass Studioleiter Markus Gärtner die Sportler im Feelgood betreuen konnte. Ihm fehlt der persönliche Kontakt – genau der mache seinen Traumjob aus.
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Mehr als ein halbes Jahr ist es nun bereits her, dass Studioleiter Markus Gärtner die Sportler im Feelgood betreuen konnte. Ihm fehlt der persönliche Kontakt – genau der mache seinen Traumjob aus.

Die Situation ist heikel: Damit meint Markus Gärtner nicht nur den Betrieb seines Fitnessstudios, das wegen der Corona-Pandemie bereits seit einem halben Jahr geschlossen bleiben muss. Die daraus resultierenden gesundheitlichen Folgen für die Mitglieder verursachen bei dem Herscheider Feelgood-Leiter für ebenso große Sorgenfalten.

Herscheid - Jeden Morgen schlägt Gärtner die Zeitung auf, studiert die Inzidenzwerte und die neuen Zahlen vor Ort. Er ist meilenweit davon entfernt, die Viruskrankheit klein zu reden, permanent auf die Politik zu schimpfen oder die Schutzmaßnahmen zu kritisieren, die unter anderem dafür sorgen, dass er in seinem Fitness- und Gesundheitsstudio Am Mühlengraben zuletzt Ende Oktober Besucher empfangen konnte. Denn: Das Allgemeinwohl und die Gesundheit stehen an erster Stelle.

Und doch ist Markus Gärtner in Gedanken bei den Mitgliedern: Wie sie wohl diese schwierige Zeit überstehen? Insbesondere der Ausfall des Rehasports sei nur schwer aufzufangen. Denn ohne die regelmäßigen Trainingseinheiten drohe den Personen, die etwa an Diabetes erkrankt sind oder Herzprobleme haben, ein Bewegungsmangel. „Ich frage mich, was gefährlicher“ ist, so Gärtner. Sorgt der Schutz vor einer Infektion möglicherweise für andere schwerwiegende Krankheiten?

Vorsichtshalber haben der Betreiber und seine Mitarbeiter den Mitgliedern Hinweise mit an die Hand gegeben, wie sie sich auch daheim fit halten können. Ob diese Ratschläge jedoch befolgen werden, kann Gärtner nicht erahnen – der Kontakt zu den Sportlern ist auf ein Minimum an Telefongesprächen, Videokonferenzen oder Handymitteilungen reduziert.

Neben der fehlenden körperlichen Betätigung sei der Verlust der sozialen Kontakte die wohl größte Einschränkung dieser Zeit. „Das fehlt mir schon sehr“, erzählt Gärtner, der mit einem tiefen Seufzer ergänzt: „Eigentlich ist das ja mein Traumberuf, bei mir gehen normalerweise jeden Tag Freunde und Bekannte trainieren.“ Doch auch er leide unter dem Berufsverbot.

Zwar ist er regelmäßig in seinem Studio, etwa um Mails zu beantworten oder um selbst aktiv zu werden. Aber die Nutzung der Geräte in den verwaisten Räumlichkeiten sei merkwürdig, die Atmosphäre eigenartig, ungewohnt still.

Gärtner, seine Frau Adriane (ebenfalls Fitnesstrainerin) und ihre Mitarbeiter sehnen die Normalität herbei. Wann diese wieder im Feelgood einkehren kann, ist jedoch fraglich. Der Studioleiter betont, dass es bereits jetzt möglich sei, mit einem gesunden Konzept Training unter Einhaltung aller Schutzmaßnahmen durchzuführen. Auf der rund 800 Quadratmeter großen Fläche des Fitnessstudios gebe es ausreichend Platz.

Bei einer Teilnehmerbegrenzung, etwa auf zehn Sportler pro Stunde, und einer Terminabsprache könnten beispielsweise Abstände zueinander problemlos gewahrt werden, hat sich Gärtner bereits Gedanken gemacht, wie die Wiederaufnahme des Betriebs in Schritten gelingen könnte.

Daher schaut der Herscheider bei der morgendlichen Zeitungslektüre nicht nur auf die eher deprimierenden Infektionszahlen, sondern auch auf die steigenden Impfquoten. Diese geben Grund zur Hoffnung: „Wenn alles gut läuft, hoffe ich, dass wir Mitte Mai endlich wieder loslegen können“, wünscht sich Markus Gärtner, dass es mit der Stille im Herscheider Fitnessstudio Feelgood bald vorbei ist.

Sportler-Familie hält zusammen: Viele Mitglieder verzichten auf Beitrags-Rückerstattung

Um zum wirtschaftlichen Überleben des Herscheider Fitnessstudios beizutragen, haben bereits viele Mitglieder einen Verzicht zugesichert. Obwohl die Einrichtung zurzeit nicht genutzt werden kann, werden die Mitgliedsbeiträge weiterhin eingezogen. „Ohne die Beiträge wäre unsere Lage katastrophal“, betont Markus Gärtner. Die laufenden Kosten für Miete, Strom und Heizung fallen weiterhin an; die staatlich zugesagten Hilfen seien nach zögerlichem Beginn inzwischen auch geflossen. Für die Sportler gebe es daher die Möglichkeit, sobald das Studio wieder geöffnet ist, die während der Corona-Schließung gezahlten Beiträge zurückzuerhalten. „Viele Mitglieder haben bereits mitgeteilt, dass sie dieses Angebot nicht annehmen möchten“, freut sich Markus Gärtner über die zugesagte Unterstützung der Sportler-Familie. Diese sei durch vereinzelte Kündigungen in den letzten Wochen zwar etwas kleiner geworden. Doch der überwiegende Teil der Mitglieder bleibe dem Feelgood treu. „Kündigungen gibt es ja immer wieder, was uns momentan jedoch fehlen, sind die Neueintritte“, sagt der Inhaber. Er ist froh, dass die Online-Angebote des Fitnessstudios gut angenommen werden. Über Videoformate werden beispielsweise Kurse wie Pilates, Yoga und Bauch-Beine-Po durchgeführt. Außerdem hat das Feelgood einige Spinning-Räder an Mitglieder ausgeliehen; auf diesen können die Sportler an gemeinsamen Trainingsstunden ohne persönlichen Kontakt teilnehmen.

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