Systemrelevant, aber so nicht haltbar

Trotz Umsatzplus im April und Mai: Dorfladen braucht mehr Einnahmen

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Die Mitglieder der Dorfladen-Genossenschaft hörten viel Positives, erfuhren aber auch, dass der Dorfladen so auf Dauer nicht zu halten sei.

Herscheid – Während die meisten Geschäfte in der Corona-Krise mit extremen finanziellen Einbußen kämpfen mussten, gelang dem Dorfladen in Hüinghausen das Gegenteil:

„Im April und Mai hatten wir einen enormen Zulauf von Kunden und enorme Umsatzsteigerungen“, gab Aufsichtsratschef Wolfgang Vöpel bei der Generalversammlung der Dorfladen-Genossenschaft in der Rammberghalle bekannt. Dennoch sei der Dorfladen auf lange Sicht in der derzeitigen Form kaum zu halten. 

Anscheinend entschieden sich in den ersten Monaten der Pandemie viele Menschen aus Herscheid und der Umgebung dafür, die großen Supermärkte zu meiden und stattdessen im kleinen Geschäft Waren des täglichen Bedarfs einzukaufen. Corona habe gezeigt, wie „systemrelevant“ der Laden vor Ort sei. 

Es habe einige neue Kunden gegeben und nicht wenige stellten erstaunt fest: „Ich wusste gar nicht, was ihr alles habt“, zitierte Wolfgang Vöpel einen häufig zu hörenden Satz. 

Vöpel musste jedoch auch mitteilen, dass die Umsatz-Kurve im Juni schon wieder abgeflacht sei. Und Corona hat natürlich auch negative Folgen: Schließlich waren auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Veranstaltungen geplant, die nun nicht stattfinden können und als wichtige Einnahmequellen wegbrechen. Selbst kleinere Runden wie das monatliche Klön-Treffen oder der Männer-Stammtisch müssen ausfallen. 

„Wenn es da einen Corona-Fall geben würde, hätten wir schon ein Problem“, sagte Vöpel, der auf die „eine oder andere Veranstaltung“ ab Herbst hofft. Denn ohne zusätzliche Einnahmen wird sich die finanzielle Lage des Dorfladens weiter anspannen. 

Anders als 2018 (1 056,01 Euro Gewinn) gab es im Geschäftsjahr 2019 ein Minus von 1 220,11 Euro. Dabei konnte die negative Entwicklung durch höhere sonstige betriebliche Erträge immerhin etwas abgebremst werden. Dazu haben vor allem Sponsorengelder beigetragen. 

Dass sich diese Erlöse weiter erhöhen, sei in der Corona-Krise kaum zu erwarten. Zumindest konnte in diesem Jahr wieder ein neues Mitglied in der Genossenschaft gewonnen werden. Doch klar ist: „Wenn wir den Geschäftsumsatz nicht steigern und Personalkosten nicht senken, ist der Laden auf Dauer so nicht haltbar“, erklärte der Aufsichtsratschef. 

Umso wichtiger sei es, die in der Corona-Zeit neu gewonnen Kunden zu halten und noch mehr Leute anzusprechen. Angesichts der bestehenden Finanzprobleme erkundigte sich ein Genossenschafts-Mitglied, ob die Umsätze eventuell durch eine Integration in das Pilotprojekt Mobil sorglos der Gemeinde Herscheid gesteigert werden könnten. 

Bürgermeister Uwe Schmalenbach bestätigte daraufhin, dass der Dorfladen bereits frühzeitig bei den Planungen mit einbezogen worden sei. Das Projekt könnte unter anderem einen Bringdienst beinhalten, sodass regionale Produkte nach Hause geliefert werden. 

Einen kleinen Lieferdienst, der sich vor allem an Senioren richtet, bietet der Dorfladen schon seit seiner Gründung an. Für eine Ausweitung wären etwa mehr Fahrer notwendig. 

Eine weitere Frage aus den Reihen der Mitglieder zielte auf die Zukunft des Hüinghauser Grundschulgebäudes: Weil dieses bekanntlich ab Sommer 2021 nicht mehr genutzt wird, wäre ein Umzug des Dorfladens theoretisch möglich. 

„Von der Örtlichkeit her würde sich das anbieten. Da ist es natürlich ideal, aber wir müssten zuerst mit dem Besitzer sprechen“, erklärte Vöpel, dass man diesbezüglich noch abwarten müsse. Die Gemeinde möchte die Bürger bei dieser Frage mit einbeziehen, indem ein Dorfentwicklungskonzept für Hüinghausen entwickelt werden soll.

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