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 Dorf-Apotheke Herscheid feiert 25-jähriges Bestehen

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Von: Birgit Hüttebräucker

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Apothekerin Claudia Cramer (links) und ihr Team (Annette von Ganski, Elvine Hietsch und Jessica Rademacher-Fittkau; von links) freuen sich über das Jubiläum der Dorf Apotheke.
Apothekerin Claudia Cramer (links) und ihr Team (Annette von Ganski, Elvine Hietsch und Jessica Rademacher-Fittkau; von links) freuen sich über das Jubiläum der Dorf Apotheke. © Hüttebräucker

Vor 25 Jahren hat die Apothekerin Claudia Cramer den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und die Dorf Apotheke in Herscheid eröffnet. Sie hat die Veränderungen in der Apotheken-Landschaft in den vergangenen über zwei Jahrzehnten hautnah mitbekommen.

Herscheid – Bevor die Apotheke am 2. Januar 1997 ihre Türen öffnen konnte, mussten zunächst die Räumlichkeiten geschaffen werden. Dafür wurde ein neues Gebäude an das bestehende Haus an der Lüdenscheider Straße angebaut. Dabei wurde das ehemalige Ladenlokal des Uhrmachermeisters Gerhard Cramer, das sich von 1957 bis 1992 im Gebäude befand, in die neue Apotheke integriert. Im Jahr 2009 erfolgte dann ein weiterer Umbau, bei dem die Gesamtfläche auf 300 Quadratmeter erweitert wurde.

Auf zahlreichen Fotos hat Inhaberin Claudia Cramer die Erinnerungen aus den Anfängen der Dorf Apotheke festgehalten. Sie zeigen, wie alles begann: vom Verlauf der Um- und Anbauarbeiten und von verschiedenen Begebenheiten wie beispielsweise die Aktion mit einem Ziegenbock. Den hatten Nachbarn besorgt, damit er die Dachbegrünung auf der neuen Apotheke abfressen sollte.

Natürlich erinnern die Bilder auch an das Richtfest und an das Kirschbaumbankfest. Zum Geburtstag der Bank traf sich dort jährlich die Nachbarschaft in fröhlicher Runde – bis die Corona-Pandemie dem Fest ein Ende setzte. In dieser Zeit wurde die Bank auch als Wartebereich für die Kunden benutzt.

Die Anfänge der Dorf Apotheke – festgehalten auf einem von vielen Fotos von Claudia Cramer.
Die Anfänge der Dorf Apotheke – festgehalten auf einem von vielen Fotos von Claudia Cramer. © Cramer

Seit einem Vierteljahrhundert finden die Kunden bei Claudia Cramer und ihrem Team Rat und Hilfe bei den kleinen und großen Wehwehchen. Dabei stünde der persönliche Kontakt immer im Mittelpunkt. Abgerundet wird das Angebot durch Vorträge im eigens dafür eingerichteten Seminarraum und durch verschiedene Aktionen.

Wenn auch die Herscheider mit zwei Apotheken gut versorgt sind, berichtet Claudia Cramer, dass sich in den letzten Jahren doch einiges verändert hat – beispielsweise die Planung und Durchführung der Notdienste. Waren früher die beiden Herscheider Apotheken nur mit den Kollegen in Neuenrade gekoppelt, wurde später der gesamte märkische Südkreis zusammengefasst. Für die Planung und Einteilung der Nacht- und Notdienste sind heute die Landesapothekenkammern verantwortlich, die dafür eine spezielle Software nutzen.

Eine weitere Veränderung bei den Vor-Ort-Apotheken ist, dass ihre Zahl kontinuierlich zurückgeht. Die Apothekenkammer Westfalen-Lippe schreibt auf ihrer Internetseite, dass der Trend zu immer größeren Apotheken mit immer mehr Aufgaben geht. Außerdem wird mittlerweile jede vierte Apotheke als Filiale geführt.

Informationen

Alle Informationen über die Apotheke und das Team findet man auch auf der Internetseite www.dorfapotheke-herscheid.de

Erste Apotheke eröffnet in Herscheid im Jahr 1898 als Filiale der Engel-Apotheke Plettenberg

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Bewohner der Ebbegemeinde mit Dr. Dunkel – der von 1889 bis 1891 in Herscheid praktizierte – und dessen Nachfolger, Sanitätsrat Dr. Theodor Hohl zwar ärztlich versorgt waren, allerdings mussten sie für eventuell verschriebene Medizin einen mehrstündigen Fußmarsch nach Plettenberg oder Lüdenscheid in Kauf nehmen.

Ein Zustand der sich im Jahr 1898 änderte, als die Plettenberger Engel-Apotheke in Herscheid eine Filiale eröffnete. Über die Anfänge dieser Filialapotheke ist nur wenig bekannt, außer, dass sie vor dem Jahr 1910 eine Zeitlang in der Wilhelmshöhe (heute Damianos) untergebracht war und von Karl Loos betrieben wurde. Von 1910 bis 1913 befand sie sich an der Plettenberger Straße, im Gebäude der heutigen Sparkasse, und wurde von dem Herscheider Ernst August Schröder betrieben.

Nebenerwerb

Häufiger in Erscheinung trat die Apotheke im Jahr 1914, als im Sonntagsblatt der Evangelischen Kirchengemeinde Herscheid mehrere Anzeigen veröffentlicht wurden. Im April des Jahres gab der neue Betreiber Otto Paul Röhr dort bekannt, dass sich die Apotheke „ab jetzt im Hause des Dachdeckers Ernst Putz befindet“ (heute das leerstehende Haus Am Markt 5).

Die gedruckten Werbeanzeigen geben heute noch einen Überblick über die Waren, die der Apotheker im Nebenerwerb verkaufte. Da er vom Verkauf der Arzneimittel allein seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten konnte, bot er unter anderem auch Zigarren, Tabak, Zahnbürsten, Tee, Insektenpulver, Stollwerks Kriegsschokolade, Herscheider Rattenkuchen zur Rattenbekämpfung, durststillende Tabletten für die Soldaten im Felde oder auch einen Tafellikör mit dem Namen „Herscheider Tröpfchen“ an.

Sechs Jahre später fand für die Filiale der Plettenberger Engel-Apotheke wieder ein Gebäude- und Inhaberwechsel statt: Am 29. August 1920 eröffnete Adolf Busch an der Mittelstraße die Zweigapotheke. Auch diese Veränderung wurde den Bewohnern von Herscheid durch das Sonntagsblatt mitgeteilt: Der Amtmann Steinhaus bat in einer Anzeige „alle Gemeindeeingesessenen, die Apotheke weit möglichst zu unterstützen und ihre Selbstständigkeit zu fördern und zu erhalten“. Weiter schrieb er, dass die Apotheke in das neue Gemeindehaus (später Rosen-Apotheke) verlegt wurde, und führte anschließend die Produkte auf, die es dort auch zu kaufen gab: Drogen, Chemikalien sowie Spezialitäten und sämtliche Tierarzneimittel.

Im Jahr 1952 übernahm Gustav Höhl die Filialapotheke, die 1959 auf dessen Antrag zur Vollapotheke und in Rosen-Apotheke umbenannt wurde. Von 1966 bis 1982 wurde sie von Hilde Spei und von 1982 bis 2012 von Ulrike Hilleke geführt. Nachdem die Herscheider Bevölkerung 38 Jahre lang von einer einzigen Vollapotheke versorgt wurde, gehört seit 25 Jahren die Dorf Apotheke zum Ortsbild dazu und hat sich seitdem ausgesprochen gut an ihrem Standort etabliert. hue

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