Firma Gustav Alberts konnte im Krisenjahr 2020 ihren Jahresumsatz vergrößern

Dieses Unternehmen gehört zu den Profiteuren der Corona-Pandemie

Im Herscheider Familienunternehmen Gustav Alberts wird unter Volllast und Einhaltung der Corona-Schutzvorgaben gearbeitet.
+
Im Herscheider Familienunternehmen Gustav Alberts wird unter Volllast und Einhaltung der Corona-Schutzvorgaben gearbeitet.

Ein Jahr Corona und noch immer ist keine Normalität in Sicht. Die Pandemie beeinträchtigt nicht nur das Leben der Menschen, sondern hat sich auch ganz unterschiedlich auf die Wirtschaft ausgewirkt. Während einige Branchen an den Rand des Ruins getrieben werden, profitieren andere. Zu diesen Gewinnern zählt Herscheids größter Arbeitgeber, die Firma Gustav Alberts (GAH).

Herscheid - Der große Vorteil des familiengeführten Traditionsunternehmens: Seine Produkte sind auch in der Krise gefragt, erfahren sogar eine spürbar größere Nachfrage. Da sich das Freizeitgeschehen der Bürger nahezu komplett auf die eigenen vier Wände und den eigenen Garten verlagert, werden dort auch mehr Projekte umgesetzt. Genau das spielt GAH in die Karten.

Schwieriger Beginn

Davon war zu Beginn der Pandemie nicht unbedingt auszugehen, wie Holger Geck, Marketingleiter bei der Firma Gustav Alberts, erzählt. Im Gegenteil: Als die Baumärkte während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 geschlossen wurden, spitzte sich die Situation für das Unternehmen zu. „Für April mussten wir Kurzarbeit anmelden“, sagt Geck.

Doch mit der Öffnung der Baumärkte in Deutschland und in Teilen Europas folgte der Umschwung: Dieser sorgte rasch für einen gewaltigen Auftragseingang, sodass die Kurzarbeit bei GAH im Mai beendet werden konnte – und seither auch kein Thema mehr ist. Denn die Situation hat sich für die Firma ins genaue Gegenteil entwickelt. Produziert wird unter Volllast, um der Vielzahl an Aufträgen nachzukommen.

Umsatzwachstum

Eine Entwicklung, die sich auch finanziell bemerkbar gemacht hat: „Das, was wir im März und April an Umsatz verloren haben, konnten wir in den Folgemonaten deutlich wieder aufholen“, stellt Holger Geck erleichtert fest, ohne dabei konkrete Zahlen nennen zu wollen. Dennoch gibt er unumwunden zu, dass GAH klar von der Krise profitiert habe. Die Nachfrage, insbesondere nach Gartenprodukten, sei im gesamten Jahr riesig gewesen. Das führte unterm Strich dazu, dass das Herscheider Unternehmen das Jahr 2020 mit einem deutlichen Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahr abschließen konnte.

Die Auswirkungen der Corona-Krise gingen aber natürlich nicht gänzlich an Gustav Alberts vorbei: Die größte Herausforderung waren auftretende Lieferengpässe. Holger Geck verglich diese mit einem Kaltstart beim Auto: Wenn ein Pkw im Winter drei Monate ungenutzt in der Garage stand, dann treten in der Regel Probleme auf, wenn man von jetzt auf gleich Vollgas geben möchte.

Personeller Zuwachs

Im übertragenen Sinn gelte das auch für ein Wirtschaftsunternehmen, das von vielen Faktoren abhängig sei. Nach einem etwa sechswöchigen „Winterschlaf“, wie Geck es nennt, habe sein Arbeitgeber eine Kehrtwende vollziehen müssen. „Was vorher dramatisch runterging, ging kurz nach der Öffnung explosionsartig nach oben, weil die Märkte überrannt wurden.“

Um diesen Ansturm bewältigen zu können, rüstete GAH auf. Neben Investitionen in den Maschinenpark (unter anderem wurde eine Beschichtungsanlage modernisiert) wurde auch personell zugelegt. Aktuell kann das Unternehmens auf 500 Mitarbeiter setzen, was einen leichten Anstieg zu 2019 bedeutet. Saisonspitzen werden mit Unterstützung von externen Dienstleitern abgefangen. Holger Geck erklärt: „Wir haben uns zusätzlich zu unseren eigenen Fertigungskapazitäten auch mit Partnerfirmen im Umkreis abgedeckt, die für uns als Lohndienstleister arbeiten.“

Investition in die Zukunft: Durch die Modernisierung der Beschichtungsanlage kann diese mit höherer Geschwindigkeit arbeiten und mit höherer Qualität pulverbeschichten.

Auch der aktuelle, zweite Lockdown, der eine längere Schließung der Baumärkte mit sich gebracht hat, kann die positive Entwicklung des Unternehmens nicht trüben. Der Vorteil sei, dass die Märkte ihre Lehren aus dem ersten Lockdown gezogen haben; sie seien jetzt nicht nur in den Regalen, sondern auch im Lager gut gefüllt, um für den nächsten Ansturm gewappnet zu sein, schildert der Marketingleiter.

Neben dieser Erstbefüllung der Lager habe GAH von seinem Onlinegeschäft profitiert – und von seiner internationalen Ausrichtung. „Anders als in Deutschland sind die Baumärkte in den für uns wesentlichen Märkten geöffnet gewesen“, schildert Geck. Und wenn, wie in Österreich, erfolgte die Schließung in den ersten Januarwochen – einer Zeit, die für die Firma Alberts irrelevant sei.

Sorge um die Preise

Die jetzige Situation verfolge das Unternehmen entspannt, zumindest was die zu erwartenden Aufträge betrifft. Sobald wieder alle Märkte geöffnet sind, werde mit einer ähnlich guten Nachfrage wie im Vorjahr gerechnet

Im engen Austausch stehe die Firma mit ihren Handelspartnern wegen der Versorgung mit Vormaterialien. Engpässe in diesem Bereich setzen dem Unternehmen seine Grenzen. Und wenn kein Material auf dem Markt zu erhalten ist, dann kann nicht gefertigt werden – das weiß nicht nur GAH, sondern das wissen auch die Lieferanten, die momentan mächtig an der Preisschraube drehen.

„Was nutzt ein guter Umsatz, wenn am Ende die Ertragslage nicht passt?“, fragt Holger Geck. Sein Arbeitgeber müsse ein wachsames Auge haben und entsprechend die eigenen Preise anpassen.

Prognose

Grundsätzlich sei GAH bislang aber sehr gut durch die Pandemie gekommen. Damit das auch so bleibt, wünscht sich Geck von Seiten der Politik „Konstanz im Handeln, das war sehr sprunghaft in den letzten Monaten.“ Die Strategie Impfen und Testen empfindet er als richtig und wichtig – auch für die Unternehmen. Denn wenn sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland verschlechtern würde, hätte das irgendwann auch Auswirkungen auf das Herscheider Unternehmen.

Kurzfristig befürchtet er allerdings keinen Einbruch, weil das Thema Garten unverändert hoch im Kurs der Kunden stehen: „Unsere Branche wird in den nächsten ein bis zwei Jahren, auch noch in den Nachwirkungen der Pandemie, eine wichtige Rolle spielen“, ist sich Geck sicher.

Hygienekonzept greift: So hat sich der Arbeitsalltag bei GAH verändert

Ist die Ansteckungsgefahr in einem Unternehmen mit 500 Mitarbeitern groß? Bei dieser Frage winkt Marketingleiter Holger Geck ab und verweist auf die bisherigen Zahlen. Während des Lockdowns 2020 seien lediglich zwei Mitarbeiter an Corona erkrankt, zudem habe es eine größere Zahl an Quarantäne-Fälle gegeben. „Bis jetzt sind wir aber sehr gut durchgekommen. Das Risiko im Unternehmen ist überschaubar – man merkt, dass sich die Leute diszipliniert an das Hygienekonzept halten“, betont Geck. Besagtes Hygienekonzept sieht das Tragen von medizinischen Masken auf dem gesamten Betriebsgelände, auch auf dem Parkplatz, vor. Dort, wo die nötigen Mindestabstände nicht eingehalten werden können, wo auf engstem Raum gearbeitet wird, sind FFP 2-Masken Pflicht. Für alle Räumlichkeiten und Büros sind maximale Mitarbeiterzahlen vorgegeben. Homeoffice bietet das Herscheider Unternehmen bereits seit vielen Jahren mit Erfolg an, durch Corona ist dieses Angebot noch ausgeweitet worden. „Wir folgen den Empfehlungen der Regierung. Jedem Mitarbeiter, dem es möglich ist, in seiner Tätigkeit Homeoffice zu leisten, bieten wir entsprechende Arbeitsplätze.“ In der Fertigung und der Logistik seien die Schichten zeitlich versetzt worden, sodass auf den Parkplätzen zwischen den Schichten kein Begegnungsverkehr entstehe. Grundsätzlich empfange die Firma keinen Besuch mehr, es sei denn, es handelt sich um Dinge, die erforderlich sind, um das Unternehmensgeschäft aufrecht zu erhalten, schildert Holger Geck. Alle anderen Gespräche mit außerhalb werden mit Videochats abgewickelt. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare