Thema Klimaschutz: Welche drei Schwerpunkte setzen Sie und warum? Die Herscheider Kommunalpolitiker antworten

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Ein wahrer Hingucker sind die Blühstreifen, die am Rand vieler Maisfelder zu sehen sind – wie hier, in der Nähe der Ortschaft Buschhöh. Die Blühstreifen bieten den Insekten einen Lebensraum, sorgen für einen reich gedeckten Tisch für Bienen & Co. und leisten somit einen Beitrag zum Klimaschutz. 

Herscheid - Sechs Fragen stellt das ST den für den Herscheider Gemeinderat kandidierenden Parteien und der Wählergemeinschaft. Die fünfte Frage lautet: Welche drei Schwerpunkte setzen Sie beim Thema Klimaschutz und warum?

Die Antworten der Kommunalpolitiker:

CDU: Den Menschen auf keinen Fall ihre Mobilität nehmen

Das Klimaschutzkonzept soll noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden. In den vergangenen Jahren ist im Bereich Isoliertechnik, Beleuchtung und Heizung schon eine Menge geschehen. Wir müssen prüfen, auf welchen öffentlichen Gebäuden Photovoltaik montiert werden kann. Die Verkehrspolitik wird auch hier ein großes Feld einnehmen. Wir werden den Menschen auf keinen Fall ihre Mobilität nehmen und das eigene Auto verteufeln. Das ist im ländlichen Raum kein richtiger Ansatz. Hier ist auch zu bedenken, dass sehr viele heimische Unternehmen Zulieferer für die Autoindustrie sind. Durch die Coronakrise sind viele Arbeitsplätze zu Home-Office-Arbeitsplätzen gewandelt worden, auch damit gibt es Einsparungen. Zu den Zielen der CDU wird es auch gehören, auf einen weiteren Ausbau der Ladestationen möglichst in Verbindung mit Solarstrom zu setzen. Zum Klimaschutz gehört für uns auch der Umgang mit der Natur. So setzen wir auf einen sparsamen Umgang bei der Bebauung von Flächen. Dies gilt sowohl für den Wohnbereich wie auch für Industrieflächen. Hier sollte ein Umdenken bei den Grundstücksgrößen stattfinden und Projekte wie Jung kauft Alt in den Fokus rücken. Der Klimaschutz beginnt aber bei jedem einzelnen. Jeder kann hier vorbildlich handeln in dem er z.B. seine Lebensmittel regional und saisonal kauft, oder auf überflüssige Einwegverpackungen verzichtet. Bei der Entscheidungsfindung in Rat und Fraktion muss immer die Auswirkung auf ökologische Einflüsse großes Gewicht haben.

SPD: Naturschutz fängt bereits im Kleinen an

Das Sauerland ist für seine wunderschönen Landschaften und seine reichhaltige Natur bekannt. Es kann nicht sein, dass zwangsweise gerodete Bergkuppen, Tier- und Pflanzenarten, die allmählich verschwinden, und mit Müll übersäte Wanderparkplätze das Panorama sind, mit dem wir zukünftig leben wollen. Auch nachfolgende Generationen sollen sich hieran noch erfreuen können. Der Schutz unserer Natur fängt bereits im Kleinen bei uns auf Ortsebene an und kann andere Kommunen inspirieren, diesem Beispiel zu folgen. Genau diese Rolle soll die Gemeinde Herscheid zukünftig einnehmen. Uns ist bewusst, dass die einzelnen Menschen in Herscheid die besten Ideen haben, wie unsere Umwelt geschützt werden kann. Die Gemeinde Herscheid muss daher alle Interessierten in die Mitgestaltung des Klimaschutzprojektes einbinden und private Projekte unterstützen, sowohl beratend als auch finanziell. Die Gemeinde Herscheid muss darüber hinaus zum einen dafür sorgen, dass die öffentlichen Gebäude klimaneutral werden. Hierfür können zum Beispiel auf dem Dach des Rathauses oder im Rahmen weiterer Sanierungsprojekte wie dem Freibad, dem Bildungszentrum und der Gemeinschaftshalle Photovoltaikanlagen installiert werden. Bei Neubauten wie dem Gerätehaus Rärin muss die Klimaneutralität vorausgesetzt werden. Zum anderen müssen Ladestationen für E-Fahrzeuge installiert werden. Unsere drei Schwerpunkte für das bereits angestoßene Klimaschutzprojekt sind daher die Bausteine Informieren, Interesse wecken und Mitgestaltung.

UWG: Versorgung mit Löschwasser verbessern

Klimaschutz bedeutet neben der Vermeidung einer weiteren Verschärfung vor allem die Abmilderung der auch bei uns spürbaren Folgen des Klimawandels. Zu Erreichung dieser Ziele sehen wir folgende Maßnahmen als wesentlich an: Nach dem weiteren trockenen Sommer 2020 fehlt es in den Wäldern an Wasser, zudem ist durch den Borkenkäfer die bisher dominierende Fichte stark geschädigt. Beides hat dazu geführt, dass die Waldbrandgefahr stark gestiegen ist. Um dieser zu begegnen, setzen wir uns für die Schaffung einer besseren Löschwasserversorgung durch den Bau neuer Löschwasserbehälter im Außenbereich ein. Diese dienen nicht nur dem Brandschutz im Wald, sondern vor allem auch dem Schutz der vielen Dörfer und Siedlungen in unserer Gemeinde. Die biologische Artenvielfalt ist zu schützen. Neben dem Anlegen weiterer Blumenwiesen und Blühstreifen auch auf gemeindlichen Flächen sollte vor allem auf Steingärten verzichtet werden. Statt eines Verbotes möchten wir, dass durch aktive Öffentlichkeitsarbeit für Verständnis geworben wird. Die gemeindlichen Gebäude müssen, sofern bisher noch nicht geschehen, energetisch ertüchtigt werden und überall dort wo sinnvoll möglich zusätzlich mit regenerativer Energietechnik ausgerüstet werden. Dieses gilt sowohl für den Bestand als auch für die anstehenden Neubaumaßnahmen wie z.B. im Bereich der Feuerwehrgerätehäuser. Wichtig ist dabei eine ganzheitliche Betrachtung des Energieverbrauches und der Energiebilanz über die gesamte Nutzungsdauer des Gebäudes.

Bündnis 90 / Die Grünen: Konzept für das Verkehrsnetz der Zukunft

Es sind viele kleine und große Maßnahmen notwendig, um unsere wundervolle Erde zukunftssicher zu machen. Auch wir in Herscheid haben einen Einfluss auf diesen Prozess und wir sehen uns als kleines, aber wichtiges Steinchen in einem Mosaik. Klimaschutz geht uns alle etwas an und dafür müssen wir ein Bewusstsein schaffen. Dabei wollen wir aber nicht ständig mit dem erhobenen Finger auf andere zeigen. Wir möchten vielmehr auch über Möglichkeiten des „Grüner-werdens“ sprechen und nehmen uns selbstkritisch da nicht aus. Ein wichtiger Eckpfeiler ist eine möglichst hohe Energieeffizienz von Gebäuden und den Straßenlaternen. Wir unterstützen alle Arten der umweltfreundlichen dezentralen Energieformen, wie z.B. die Solarenergie. Eine weitere Herausforderung betrifft das Verkehrsnetz der Zukunft. Hier benötigt die Gemeinde ein Verkehrskonzept und ein Verkehrsnetz, in dem sich sowohl ein sicheres Fahrradwegenetz, als auch eine Infrastruktur für E-Mobilität wiederfindet. Wir setzen uns für die zunehmend flächendeckende Errichtung von E-Ladestellen ein. Außerdem muss der öffentliche Personennahverkehr günstiger und energieeffizienter werden, um vermehrt Menschen wieder für die Nutzung der Busse zu gewinnen. Ein letzter hier zu nennender Eckpfeiler stellt die Wiederaufforstung der Wälder dar, die durch den Borkenkäferbefall gerodet werden mussten oder noch gerodet werden müssen. Heimische Baumarten in Mischwaldkultur ist dem Motto „Hauptsache schnell und billig“ vorzuziehen.

FDP: Ressource Wasser sparsamer einsetzen

Schwerpunkt 1: Klimaneutrale Gemeinde. Mittelfristig wollen wir prüfen, wie die Gemeinde Herscheid bis zum Jahr 2030 klimaneutral werden kann. Maßnahmen hierfür können beispielsweise die Installation von Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden sein, die Umstellung des Fuhrparks auf klimaneutrale Fahrzeuge und die stetige Investition in nachhaltige Nutzung aller Prozesse und Aufgaben. Die technische Entwicklung ist hierzu aktuell exponentiell. Auch viele bürokratische und papierlastige Anträge und behördlichen Aufgaben haben noch ein hohes Potential weiterer Digitalisierung und einen damit verbundenen höheren Servicegrad, sowie eine entsprechende Nachhaltigkeit. Schwerpunkt 2: Ressourcenschonung. Die Sommer werden immer trockener, wir schlagen daher vor, auch die Ressource Wasser zukünftig weiter sparsamer und schonender einzusetzen, sei es in den öffentlichen Gebäuden, beim Baubetriebshof oder im Freibad. Wichtig ist es hierbei, keinerlei Einbußen der Aufgabenerfüllung zu haben, sondern durch Einsatz von modernsten Techniken optimale Ergebnisse zu erzielen. Dies gilt ebenso im Energiemanagement. Schwerpunkt 3: Weitere Energieeinsparungen. Es gilt zu prüfen, ob die Straßenbeleuchtungen nicht nur mit LED betrieben werden, sondern in einigen Abschnitten nur bei Bedarf oder auf Anforderung einschalten. Dies kann über intelligente Steuerungen und Anforderungen über Apps erfolgen. In allen öffentlichen Gebäuden müssen klimaschädliche Stromfresser identifiziert und ersetzt werden.

ÖDP: Solardachpflicht für kommunale Neubauten

Der Klimaschutz steht bei uns programmatisch im Mittelpunkt! Er was für uns ein wichtiger Beweggrund, bei der Kommunalwahl anzutreten. Unser Ziel ist es, dass Herscheid bis 2030 klimaneutral wird. Dies ist ein ambitioniertes Ziel, aber zu schaffen, wenn Bürger, Vereine, Unternehmen, Gemeinderat und Verwaltung an einem Strang ziehen. Auch interkommunal muss für dieses Ziel nach Partnern und Synergieeffekten gesucht werden. In vielen unserer Themen spielt das Klima eine Rolle, die wichtigsten Schwerpunkte setzen wir im Bereich Mobilität, Energie und Wirtschaft. In der Mobilität wird es wichtig sein, den Individualverkehr durch attraktive Alternativen, wie der freien Fahrt von Kindern, Jugendlichen und Auszubildenden im ÖPNV, oder einem gut ausgebauten Radwegenetz zu mindern. Im Bereich Energie ist es wichtig, dass die Erzeugung von erneuerbaren Energien sowohl dezentral, als auch lokal z.B. durch eine Solardachpflicht für kommunale Neubauten sichergestellt wird. Hausbesitzer müssen in der Anschaffung von Photovoltaik/Solarthermie unterstützt werden. Im Bereich Wirtschaft gibt es Firmen, die mit gutem Beispiel voran gehen! Ihre Maschinen und Firmenwagen sparen durch Solarstrom vom eigenen Dach, jährlich mehrere Tonnen CO2 ein. Unternehmer sollten bei diesem Schritt Beratung und Förderung erfahren. Wir selbst sehen unsere Aufgabe im Rat darin, aktiv an den Klimaschutzzielen der Gemeinde mitzuwirken, Projekte auf ihre Klimaverträglichkeit zu prüfen und eigene Ziele einzubringen.

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