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Die Grundis der 9. Gruppe und ihre Erinnerungen an die „Stinkebude“

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Von: Simone Rein

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Bereits vor mehr als 30 Jahren hatten sich die Freunde - damals noch in Bundeswehr-Kluft - zum Foto aufgestellt.
Bereits vor mehr als 30 Jahren hatten sich die Freunde - damals noch in Bundeswehr-Kluft - zum Foto aufgestellt. © Privatfoto: Funke

Drei Monate dauerte die Grundausbildung in der Bundeswehrkaserne Lettow-Vorbeck in Hamburg-Jenfeld. In dieser kurzen Zeit entstanden zum Teil enge Freundschaften unter den Kameraden, die bis heute anhalten. Ein harter Kern einer dieser Gruppen trifft sich seit 30 Jahren jeden Sommer bei Wolfgang Funke in Grünenthal, um über alte Zeiten zu plaudern und lustige Geschichten zu erzählen.

Herscheid - So nahmen die vier Kameraden Frank Fourne aus Langerwehe bei Aachen, Björn Busekist aus Buchholz/Sprötze, Andre Deppe aus Hannover und Volker Göller aus Hamburg gerne die Fahrt ins sonnige Sauerland auf sich – der Ruf unserer Region als Schauerland ist zwar bis nach Norddeutschland gedrungen. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, als Regenschauer die Treffen begleiteten, zeigte sich der Sommer diesmal von seiner angenehmeren Seite.

Der Zusammenhalt genießt nach all den Jahren einen hohen Stellenwert. So ließ Björn Busekist zwar zwischenzeitlich lange nichts von sich hören. „Aber mir ist es gelungen, ihn zu reaktivieren. Er war jetzt fast 25 Jahre nicht mehr da gewesen. Ich habe ihn angeschrieben und bei ihm eine Torte für unser Grundi-Treffen bestellt, weil er ja Konditor ist“, erklärte Frank Fourne die etwas ungewöhnliche Art, den Kameraden daran zu erinnern, dass er einst Teil der Truppe gewesen ist.

Und diese hatte Erfolg: Busekist folgte der Einladung und traf nach langer Zeit wieder auf seine Freunde, für die er die bestellte Torte mitgebracht hatte. Doch welche Zutaten er verwendet hatte, ob mit oder ohne Alkohol, blieb zunächst offen.

Der Herscheider Wolfgang Funke (vorne rechts) freute sich über den Besuch seiner Grundi-Freunde.
Der Herscheider Wolfgang Funke (vorne rechts) freute sich über den Besuch seiner Grundi-Freunde. © Simone Rein

So bringen alle Mitglieder ihre individuellen Qualitäten mit ein: Frank Fourne beschäftigt sich gerne mit Drohnenaufnahmen. „Ich bin der Aufklärer“, scherzte der „Drohnen-Man“, der an fast allen Treffen teilgenommen hat. Bei jedem Treffen entstehe immer ein neuer Film aus der Vogelperspektive.

Ebenfalls fester Bestandteil eines jeden Treffens: die Erinnerung an das gemeinsam Erlebte. Genau deswegen hatte der Herscheider Wolfgang Funke auch nicht lange überlegt und direkt nach dem Abschluss der Grundausbildung Einladungen mit Wegbeschreibung verschickt – zu der damaligen Zeit noch mit der Post. Die 14 Kameraden der neunten Gruppe wurden drei Wochen nach der letzten Einheit zum ersten Treffen eingeladen. Im Laufe der Zeit kamen allerdings immer weniger und bis heute trifft sich nur noch der harte Kern der Truppe.

Im Salto über den Graben gesprungen

Die Truppe hielt sich strikt an alle Regeln, sodass es auch keinen Fahnenflüchtigen gab. Jeden Tag in Bewegung gewesen, in voller Montur mit Helm und aufgesetzter Maske im brüllend heißen Sommer Übungen im Gelände absolviert. In guter Erinnerung blieb bei allen der Sprung Wolfgang Funkes über einen Graben, bei dem der Kamerad ins Stolpern geriet, einen Salto schlug und kurz darauf wie ein Maikäfer auf dem Rücken lag. Dies sorgte bei allen Anwesenden für Spaß, auch wenn das Lachen unter der Maske unangenehm erschien.

Spezielle Ausreißergeschichten gibt es nicht. „Ich wüsste nicht, dass wir mal böse waren“, erinnert sich Wolfgang Funke daran, immer korrekte Meldung als Zimmerältester (damals 24 Jahre alt) abgegeben zu haben. Mit privater Kleidung in die Kaserne zurückgekehrt, Dienstkleidung angezogen und nach fünf Minuten diese erneut gewechselt, um ins Bett zu gehen: So zeigte sich der Alltag Anfang der 1990er Jahre.

Eine Unsitte der Bundeswehr sei es in der Augusthitze 1991 gewesen, brühend heißen Tee zu verteilen, der in der Regel als gesund gilt. Dies wird keiner der damaligen Rekruten vergessen, als sie sich nassgeschwitzt und durstig nach Abkühlung sehnten.

Drehort Kaserne

Der Ort der Grundausbildung ist nicht ganz unbekannt. Die Bundeswehrkaserne Lettow-Vorbeck in Hamburg-Jenfeld diente von 1997 bis 2007 als Drehort der ZDF-Serie „Die Rettungsflieger“ und war Kulisse für das Rettungszentrum und das Bundeswehrkankenhaus. Inzwischen werden dort keine Fernsehbeiträge mehr gedreht: Denn ein Teil der Kaserne ist abgerissen worden für ein Wohngebiet – dort, wo vor etwa 30 Jahren der Herscheider Wolfgang Funke die Grundausbildung genossen hat.

Vermissen wird jedoch keiner die Zeit während der Grundausbildung, die als reiner Drill empfunden wurde. Das wahre Bundeswehrleben finde erst danach statt. Eine mehrjährige Zugehörigkeit gebe eher den Anlass sich nach dieser Zeit zurückzusehnen.

Doch 24 Stunden zusammenhocken in der „Stinkebude“, die Hilfsbereitschaft untereinander und andere Faktoren ließen die Kameraden eng zusammenwachsen. Die Grundausbildung wurde mit der einer Schulzeit verglichen, als man jeden Blödsinn mitmachte.

Doch nicht alle Rekruten haben so einen langjährigen Zusammenhalt. Enge Freundschaften entstehen für gewöhnlich erst nach mehrjährigem Dienst bei der Bundeswehr. Die Chemie bei der 9. Gruppe stimmte von Anfang an. Es haben viele Unternehmungen außerhalb der Dienstzeit stattgefunden.

Brückensperrung als Herausforderung

Die weiteste Anreise beim Treffen hatte Volker Göller, für den die Strecke von Hamburg nach Herscheid eine Mammutaufgabe war. Aufgrund der Vollsperrung der A 45 in Lüdenscheid hat sich die Anfahrtszeit deutlich verlängert. Aber der Hanseat ist dieses gewohnt, denn in seiner Heimatstadt ist unter anderem der regelmäßig gesperrte Elbtunnel ein Thema. Hier finden derzeit Baumaßnahmen am Lärmschutztunnel statt, was ebenfalls deutliche Verkehrsbehinderungen mit sich bringt.

Nach einem gemütlichen Abend bis spät in die Nacht, denn die Torte musste noch verzehrt werden, ging es für die vier Kameraden am Sonntag wieder zurück in ihre Heimat. Wolfgang Funke hingegeben zeigte sich erleichtert, nicht mehr mit dem Auto fahren zu müssen und auf die lange Freundschaft noch ein Glas heben zu können. Aus den Augen verlieren werden sich alle nicht: Das nächste Grundi-Treffen ist sicher.

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