So sieht gute Nachbarschaft aus

 „Eine Hand wäscht die andere“: Die besondere Beziehung zwischen Wirtin und Fußballverein

Die Damenmannschaft des TuS Herscheid wurde von Betreiberin Athina Zikou (hinten, rechts) zur Saisoneröffnung ins Panne Eck eingeladen
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Die Damenmannschaft des TuS Herscheid wurde von Betreiberin Athina Zikou (hinten, rechts) zur Saisoneröffnung ins Panne Eck eingeladen

Es ist eine besondere Beziehung, die zwischen dem TuS Herscheid und dem Panne Eck herrscht. Das liegt nicht nur an der unmittelbaren Nachbarschaft, sondern auch an dem herzlichen Umgang miteinander. So ist es nicht verwunderlich, dass Panne Eck Betreiberin Athina Zikou am Freitagabend zur Saisoneröffnungsfeier einlud und dabei vor allem den Vereinsküken, der Damenmannschaft, eine Freude bereiten wollte.

Herscheid - Die Damenmannschaft des TuS wurde erst im vergangenen Jahr gegründet und der Zuspruch sei enorm gewesen, erklärte Trainer Holger Knittel am Freitagabend. Doch nach nur drei Spielen habe man coronabedingt den Spielbetrieb einstellen müssen. Es war ungewiss, wie es nach den Lockerungen weitergehen würde: Haben die Damen weiterhin Lust auf Fußball oder ist die anfängliche Euphorie bereits verflogen? Tatsächlich trat der bestmögliche Fall ein, denn Trainer Knittel konnte mit allen seinen Damen in die neue Saison starten.

„Die sind klasse, die Mädels! Die sind es echt wert, dass man sich engagiert“, sagte der Trainer und dem kann Athina Zikou wohl nur zustimmen. Für die „Jungs“ habe sie bereits des Öfteren was gemacht, diesmal seien die Damen dran. „Man unterstützt sich gegenseitig“, sagt die Wirtin. „Das Panne Eck ist die Traditionsgaststätte des TuS Herscheid“, ergänzt Holger Knittel. Entweder treffe man sich im Vereinsheim oder im Panne Eck.

Panne Eck sei „Pflicht“

Knittel ist zwar Trainer der neuformierten Damenmannschaft, selbst aber kein unbeschriebenes Blatt im Verein. So stand er beispielsweise selbst auch schon als Spieler auf dem Platz. „Die Siege wurden hier immer sehr schön gefeiert“, erinnert er sich mit einem Lächeln im Gesicht. Das Panne Eck sei quasi „Pflicht“ gewesen; auf die Idee, woanders hinzugehen, sei man gar nicht gekommen.

Umso mehr habe er sich über Zikous Idee gefreut, die Saisoneröffnung noch vor dem ersten Pflichtspiel im Panne Eck zu feiern. Doch Zikou geht es nicht nur darum, die Damen mental zu unterstützen, sondern auch finanziell. Trainer Knittel zeigte sich sichtlich gerührt, als er von dieser Geste erfuhr. Das Geld könne gut in Material umgesetzt werden, sagt er. Zur Spendenübergabe soll es in den nächsten Tagen kommen, wenn auch die Eigentümerin des Panne Ecks, Lore Panne, dabei sein kann, denn auch sie hat sich an der Spendenaktion beteiligt.

Für Athina Zikou ist die Spende an den TuS eine Selbstverständlichkeit: „So ist das im Dorf. Eine Hand wäscht die andere. Die Jungs haben mich in Corona auch unterstützt.“

„Corona ein Albtraum“

Damit schnitt Zikou ein heikles Thema an, denn Corona hat den Kneipen- und Gaststättenbetreibern natürlich enorm zugesetzt. „Corona war ein Albtraum“, sagte Zikou. „Man lebt noch immer mit der Angst“ und sei „total verunsichert“, wie sich die Dinge entwickeln. Doch hier zeige sich die besondere Beziehung zwischen TuS und Panne Eck: Zikou erzählte, dass die Herrenmannschaften für sie gesammelt habe. „Ich sollte das Gefühl haben, dass ich nicht alleine bin.“

Dabei sei es ohnehin eine Seltenheit, dass eine Kneipe wie das Panne Eck überhaupt noch besteht. Überall höre und lese man vom sogenannten Kneipensterben. Die traditionellen Kneipen, deren Mittelpunkt der Tresen ist, an dem die Gäste stehen oder halb auf Hockern sitzen, mit Spielautomaten an der Wand und ein paar einfachen Tischen, an denen sich die Gäste zu Skat oder Würfelspielen treffen – diese Kneipen verschwinden immer mehr aus den Stadtbildern. An ihre Stelle treten Cocktailbars und Lounges mit ausgefeiltem Stilkonzept.

„Stinknormale Kneipe“

Im Panne Eck würde das nicht funktionieren, da ist sich Athina Zikou absolut sicher. „Das ist eine stinknormale Bierkneipe, Eine Dorfkneipe, mit allem, was dazugehört.“ Und das solle sie auch bleiben.

Der Erfolg gibt Zikou Recht, denn es sind schließlich nicht nur die Tusler, die sich bei ihr seit nunmehr über zwanzig Jahren, in denen sie das Panne Eck führt, wie zu Hause fühlen. Während die ältere Generation zum Frühschoppen komme, mache die jüngere an den Abenden Party. „Die können gut feiern“, weiß Zikou zu berichten.

Zikou versteht sich bestens mit ihren Gästen; aus Stammbesuchern seien inzwischen Freunde geworden. Nach der Coronazwangspause seien auch sie froh darüber gewesen, wieder ins Panne Eck kommen zu können.

„Mit dem Herz dabei“

Für die nahe Zukunft wünscht sich Athina Zikou, dass sich die Situation wieder normalisiert. „Hauptsache, das läuft weiter“, sagt sie. Drei G und Abstand halten? Für die Wirtin kein Problem. Sie ist der Meinung, lieber zehn Leute weniger reinlassen können, als den Laden wieder schließen zu müssen. Ansonsten werde sie einfach weiter „mit dem Herz voll dabei“ sein. Die Herren und Damen vom TuS Herscheid werden es ihr danken, denn für sie steht fest: „Es ist Heimat hier!“

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