Freilandhaltung wirkt sich auf den Geschmack der Eier aus

Ein vollautomatischer, mobiler Hühnerstall

Idylle auf dem Hof Bühner: Landwirt Lasse, die Hühner und die Ziegen sind vom Hühnermobil begeistert.
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Idylle auf dem Hof Bühner: Landwirt Lasse, die Hühner und die Ziegen sind vom Hühnermobil begeistert.

Die Szenerie wirkt wie aus einem Bilderbuch: Auf einer Wiese suchen drei Ziegen und weitaus mehr Hühner in trauter Einigkeit nach Futter. Der Bauer steht daneben und betrachtet dieses Schauspiel mit sichtlichem Vergnügen. Ja, es gibt sie auch im Jahr 2021 noch, diese ländliche Idylle, von der nicht nur Kinder schwärmen.

Herscheid – Die Realität auf den heimischen Höfen ist indes oft eine andere: Die Landwirte müssen immer mehr leisten, um die wachsenden Herausforderungen erfüllen zu können, die an sie als Lebensmittelerzeuger gestellt werden. Davon kann auch Lasse Bühner ein Lied singen, der gemeinsam mit seiner Familie im Ortsteil Gasmert einen Milchviehbetrieb mit 150 Kühen bewirtschaftet. Das bedeutet harte Arbeit – sieben Tage in der Woche, auch an Sonn- und Feiertagen. 

Obendrauf kommt für den 21-Jährigen noch die Meisterschule, die er wegen Corona zurzeit lediglich online besuchen kann. Dort möchte er den Abschluss zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt bestehen und irgendwann einmal den Hof seiner Eltern komplett übernehmen. Lasse Bühner ist trotz seiner jungen Jahre ein Landwirt aus Leidenschaft – und dennoch überkam ihn vor Kurzem der Wunsch nach etwas Anderem, etwas Neuem und zugleich Ursprünglichem. Genau das hat er durch die Anschaffung eines Hühnermobils erhalten.

Der Stall auf Rädern wird von 240 Tieren bewohnt, versorgt sich über einen Solargenerator auf dem Dach selbst mit Strom und verfügt über moderne Computertechnik. Licht, Auslaufklappen, Fütterung – alles funktioniert automatisch. Die tägliche Arbeit beschränkt sich für den Herscheider auf die Entnahme der Eier aus den Legenestern und das Ausstreuen von Weizen auf der Wiese, damit die Hühner auch bei ihrem Freigang dort Futtervorräte finden.

Kuscheliges Plätzchen im Legenest: Durchschnittlich 0,7 bis 0,9 Eier pro Tag legen die Hühner.

Einmal in der Woche wird das doppelstöckige Hühnermobil ausgemistet – allerdings ohne den Einsatz von Heugabel oder Schaufel. Stattdessen bedient Lasse Bühner mit einer Kurbel das Kotband, das den Hühnermist ins Freie befördert. „Dieser wird dann zusammen mit dem Kuhmist im Frühjahr auf die Felder gestreut, um das Pflanzenwachstum zu fördern“, schildert der Landwirt den praktischen Nutzen.

Tierische Beschützer

Mit den Hühnern der Rasse braune Hybride sind übrigens auch drei Ziegen auf der Gasmert eingezogen. Sie schauen bei den derzeitigen winterlichen Temperaturen zwar gelegentlich am modernen Mobil vorbei, haben aber auch einen eigenen kleinen Stall auf die Wiese.

Mit den Freilandeiern kann Lasse Bühner die Direktvermarktung im Bauernladen seiner Familie ergänzen.

Quasi als Dank für das gute nachbarschaftliche Miteinander übernehmen die Vierbeiner eine Art Beschützerrolle: Sie sollen die Gefahr von oben abwenden, wie der Landwirt betont: „Greifvögel werden durch die Ziegen abgeschreckt, denn sie greifen weniger an, wenn sie die größeren Tieren sehen.“ Die Umzäunung sowie der nachts komplett abgeriegelte Hühnerstall halten andere Räuber wie Füchse ab. 

Kleinere Eier

„Damit möchte ich mir ein zweites Standbein aufbauen“, setzt der Herscheider große Hoffnung auf die Direktvermarktung der Freiland-Eier. Diese ergänzen die landwirtschaftlichen Erzeugnisse wie Milch, Liköre, Marmelade und Rindfleisch, die die Familie in ihrem Bauernlädchen und immer donnerstags auf dem Herscheider Wochenmarkt anbietet. Obwohl die Eier der Junghühner (etwa 26 Wochen alt) noch recht klein sind, lasse sich bereits ein Unterschied erschmecken: „Sie sind etwas kräftiger im Geschmack“, weiß Lasse Bühner.

Die ersten Reaktionen der Kunden fallen positiv aus – die Arbeit mit den Hühnern scheint sich also zu lohnen. Wobei der Landwirt mit einem Lächeln hinzufügt: „Für mich ist das keine Arbeit, sondern Entspannung.“ 

So sieht der Hühner-Alltag in und rund um das Mobil aus

Täglich um 7 Uhr schaltet sich im Hühner-Mobil automatisch die Beleuchtung ein. „Das Licht hat Einfluss auf das Legeverhalten der Tiere“, weiß Lasse Bühner. Und es hat auch eine schützende Wirkung – doch dazu später. Nach der Nachtruhe, die die Hühner auf den erhöhten Sitzstangen in der oberen Etage verbringen, können sie sich an Wasser- und Futterstellen stärken. In einem abgetrennten Bereich befinden sich die Legenester, in denen die Hühner im weichen Dinkelspelz Eier legen können. Die untere Etage – stets zugänglich, lichtdurchflutet und mit Strohmehl ausgelegt – dienst als Scharrraum, der Platz für Bewegung und zum Körner picken bietet. Um 10 Uhr öffnen sich die Auslaufklappen, über die die Hühner tagsüber auf die Wiese gelangen. Diese schließen sich um 17 Uhr und riegeln das Mobil vor Fressfeinden ab. Dass kein Huhn über Nacht draußen bleiben muss, dafür sorgt das im Inneren des Mobils eingeschaltete Licht, das die Tiere anlockt.

Einblick in die obere Etage des Hühner-Mobils: Dort befinden sich Wassertank, Futtersilos und Sitzstangen. Der Gitterlaufboden ermöglicht ein Entmisten über ein Kotband.

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