„Das ist ein fürchterliches Zeug und es wird immer mehr“

Der Riesen-Bärenklau und seine Gefahren: Beseitigung ist eine Herkules-Aufgabe

Das Ziel von Eberhard Kaufmann ist es, die Herkulesstaude rechtzeitig vor der Blüte zu mähen. In diesem Zustand – ohne die markanten weißen Blüten - kennen viele Bürger die Pflanze gar nicht.
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Das Ziel von Eberhard Kaufmann ist es, die Herkulesstaude rechtzeitig vor der Blüte zu mähen. In diesem Zustand – ohne die markanten weißen Blüten - kennen viele Bürger die Pflanze gar nicht.

Diese Staude hat sich in kürzester Zeit auch in Herscheid zu einer Plage entwickelt: Der Riesen-Bärenklau verdrängt nicht nur heimische Pflanzenarten, sondern kann mit seinem giftigen Pflanzensaft auch für schmerzhafte Hautreizungen sorgen. Die Bekämpfung der Herkulesstaude – wie sie auch genannt wird – ist mühsam und zeitintensiv.

Herscheid - „Das ist ein fürchterliches Zeug und es wird immer mehr“, grantelt Eberhard Kaufmann. Der Jäger widmet sich seit vier Jahren intensiv dem Kampf gegen den Riesen-Bärenklau. Im weitläufigen Revier Herscheider Mühle gleicht dieser einer Sisyphusarbeit: Denn die Staude sucht sich immer wieder neue Standorte. Kaufmanns Ziel lautet daher: Er will die Pflanzen im jährlichen Zyklus beseitigen, bevor sie blühen, damit sich die Samen nicht noch weiter verbreiten.

Schutzausrüstung ist unerlässlich 

Anfang Juni – und somit vier bis sechs Wochen vor der Blüte – habe sich als beste Zeit für die ersten Einsätze herausgestellt. Denn dann könne die umliegende Vegetation, insbesondere Gras, in Ruhe weiterwachsen. Und die Gefahr einer Verletzung sei gering. „Ich habe bislang nicht eine einzige Pustel davongetragen“, sagt der Jäger. Bei seinen Einsätzen trägt er die notwendige Schutzkleidung bestehend aus Helm, Sichtschutz, Kopfhörern und geschlossener Schnittschutzkleidung.

Nicht nur in Gewässernähe, sondern inzwischen auch auf freien Flächen sind die Pflanzen zu finden. Erschwerend kommen in dieser Saison die Holzlagerplätze hinzu, die durch die Borkenkäferplage an vielen Stellen in den Wäldern entstanden sind. Weil sich dort – nach dem Abtransport der gelagerten Baumstämme – kein Bewuchs befindet, kann sich die Staude besser verbreiten. Das bedeutet zusätzliche Arbeit.

Bewusster Verzicht auf Herbizide 

Der Jäger verzichtet übrigens bewusst auf die chemische Keule: Das Spritzen von Herbiziden würde nicht nur die Pflanzen angreifen, sondern auch das direkte Umfeld. Doch das Abtöten des Unterwuchses würde eine weitere Ausbreitung der Staude begünstigen; obendrein sei das Spritzen auch nicht mal eben gemacht, sprich ebenso zeitaufwendig.

Daher hat sich Kaufmann für die Entfernung im Handverfahren entschieden: Mit einem Freischneider mäht er die Bestände. Dabei ist er bemüht, das Werkzeug möglichst tief anzusetzen, um große Teile des Vegetationskegels abzutrennen. Diese lässt er nach der Mahd liegen und verdörren – eine Gefahr gehe davon nicht aus. An Stellen, wo es die Gegebenheiten zulassen, mäht und mulcht der Herscheider die Stauden mit Hilfe seines Treckers.

Mehr Helfer wären wünschenswert

Rund zwei bis drei Stunden pro Tag widmet der Jäger dieser kraftraubenden Tätigkeit. Etwa zwei Wochen benötigt er, um das Revier abzusuchen. Ein zweiter Rundgang Anfang Juli wird folgen und vermutlich auch noch einer im Herbst. „Für die Bekämpfung bräuchte man eigentlich mehr Helfer“, sagt Kaufmann, wohlwissend, dass er als Rentner mehr Zeit für diesen wichtigen Beitrag zum Naturschutz aufbringen kann als Berufstätige.

Angespornt wird er durch die bereits erzielten Erfolge: Das regelmäßige Abmähen raube der Herkulesstaude die Kraft, das sei in diesen Tagen deutlich zu erkennen. „Die Pflanzen sind längst nicht mehr so hoch in ihrem Wachstum, wie noch vor vier Jahren“, erzählt Kaufmann. Aber besiegt ist der Riesen-Bärenklau noch lange nicht, weshalb dem Herscheider noch zahlreiche weitere Einsätze bevorstehen. 

Bei Kontakt mit Pflanzensaft 48 Stunden lang Sonnenlicht meiden

Die Herkulesstaude stammt aus dem Kaukasus und wurde schon im 19. Jahrhundert nach Europa eingeführt. Seit einigen Jahrzehnten breitet sich die zwei bis vier Meter hoch werdende Staude immer stärker aus. Sie wird durch die Zunahme an Brachflächen, Uferrandstreifen, Industriebrachen und ähnlichen nicht unmittelbar genutzten Flächen indirekt gefördert. Die Vermehrung geschieht über die große Anzahl von Samen. Ausgewachsene Pflanzen können 10.000 bis 50.000 schwimmfähige Samen bilden, die unter optimalen Bedingungen acht bis zehn Jahre keimfähig sind. Vor allem Gewässer mit ihren Überschwemmungsgebieten sowie Verkehrsanlagen (Verwirbelung entlang der Straßen und Gleise) bilden die Hauptverbreitungswege. Darüber hinaus werden die Samen über den Menschen (Zierpflanze im Garten, wilde Komposthalden, Aussaat als Bienenweide) verbreitet. Der Saft aller Pflanzenteile enthält photosensibilisierende Substanzen, die in Verbindung mit Sonnenlichtteilweise zu schweren, verbrennungsähnlichen Schäden der Haut führen, die nur schwer abheilen. Gelangt Pflanzensaft auf die Haut, sofort mit Wasser und Seife abwaschen und gegebenenfalls einen Arzt aufsuchen. Die betroffenen Stellen sollten mindestens für 48 Stunden nicht dem Sonnenlicht ausgesetzt und in den Folgemonaten mit Sonnencreme geschützt werden. QUELLE: LANDWIRTSCHAFTSKAMMER NRW

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