Den Haussegen retten: So gelingt es

Heilpraktikerin gibt Familien Tipps zur Gestaltung des Corona-Alltags

Auch in Corona-Zeiten braucht der Alltag insbesondere in Familien eine feste Struktur, weiß die psychotherapeutische Heilpraktikerin Sabrina Feisel aus Hüinghausen.
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Auch in Corona-Zeiten braucht der Alltag insbesondere in Familien eine feste Struktur, weiß die psychotherapeutische Heilpraktikerin Sabrina Feisel aus Hüinghausen.

Corona bringt viele Familien an die Grenzen der Belastbarkeit. Arbeit und Schule daheim, fehlende soziale Kontakte, Einschränkungen in der Freizeitgestaltung – all diese Faktoren sorgen für angespannte Gemüter. Wir haben eine Expertin nach Tipps für diese schwierige Phase gefragt.

Herscheid - Sabrina Feisel kennt beide Seiten der Situation: Für die psychotherapeutische Heilpraktikerin und Stresstherapeutin (mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendberatung) gehört Corona zu den häufig besprochenen Themen in ihrer Praxis in Hüinghausen. Als Mutter einer neunjährigen Tochter, die die dritte Schulklasse besucht, und eines fünfjährigen Jungen (Vorschule) weiß sie auch, wie schwierig es ist, die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Familienmitglieder miteinander zu vereinen. Dass das nicht immer problemlos gelingt und in manchen Haushalten zu Stress führt, kann sie verstehen. Doch sie gibt Hilfestellung.

„Viele meiner Klienten fühlen sich hilflos, weil sie die derzeitige Situation nicht steuern können“, erzählt die 38-Jährige. Wichtig sei es in der momentanen Lage, die eigenen Ängste und Sorgen nicht verdrängen oder ausblenden zu wollen, sondern darüber zu reden – mit dem Partner, mit den Kindern oder mit Verwandten und Vertrauten. In diesen Gesprächen sollte der Fokus nicht nur auf das Negative gerichtet werden, sondern vielmehr auf das, was daheim funktioniert, was gut läuft. Gemeinsam mit ihren Klienten geht Sabrina Feisel sogar noch einen Schritt weiter und fragt: „Was kann die Corona-Situation an Positivem für mich bewirken?“

Eltern-Kind-Beziehung neu aufstellen

Eine Erkenntnis: Ohne Freizeitstress bleibe mehr Zeit für sich selbst, für Familie, Partnerschaft und Erholung. Und: Auch Langeweile passe in diese Aufzählung – ein Zustand, den viele in dieser oft schnelllebigen Zeit kaum kennen und daher auch erst akzeptieren müssen.

Ohne Terminhast könne die neugewonnene Zeit für ganz ursprüngliche Dinge aufgebracht werden. Für Eltern biete sich die Gelegenheit, die Beziehung zu ihren Kindern neu aufzubauen oder zu intensivieren. Sabrina Feisel rät zu gemeinsamen Aktivitäten an der frischen Luft oder zum Entdecken von neuen kreativen Dingen; als Paradebeispiel nennt sie die Steinkette am Rathaus oder Spaziergänge in den Wald.

Altes neu ausprobieren: Brieffreundschaft

Doch auch daheim gebe es viele Möglichkeiten: Das Einbeziehen der Kinder in die Zubereitung von Mahlzeiten etwa oder die Wiederbelebung von Brieffreundschaften. „Handschriftlich geschriebene Briefe kennen ja viele Kinder gar nicht mehr“, weiß die Heilpraktikerin.

Um den Kontakt zu Freunden oder den Großeltern zu halten, bieten sich neben modernen Möglichkeiten wie Videoanrufen auch altbewährte Dinge an. „Einfach mal zum Telefonhörer greifen“, schlägt Sabrina Feisel vor. Allerdings rät sie davon ab, dem Handy zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Dieses sollten Erwachsene nur dann nutzen, wenn sie Zeit für sich haben und nicht in Gegenwart der Kinder: „Damit signalisieren wir den Kindern, dass wir bei ihnen sind und uns nur um sie kümmern.“ 

Verständnis für Wut und Trauer aufbringen

Im Umgang mit dem Nachwuchs gelte es in diesen Tagen Fingerspitzengefühl und Empathie zu zeigen. Wut und Trauer wegen der ungewöhnlichen Situation der Kinder, etwa weil sie ihre Freunde nicht treffen oder ihrem Hobby nicht nachgehen können, seien nur zu verständlich: Wenn die Sprösslinge aufgebracht feststellen: „Blödes Corona, ich will das alles nicht mehr“, dann solle man nicht etwa Gegenargumente suchen oder um Verständnis werben, sondern selbiges für die Reaktion der Kinder aufbringen: „Ich kann deine Freunde nicht ersetzen, aber ich kann für Dich da sein.“

Ob nun Alleinstehende, Paare oder Familien – von großer Bedeutung habe während der Pandemie eine geordnete Tagesstruktur. Diese gehe in Zeiten von Homeoffice oder Daheimunterricht oft verloren. Der Alltag sollte so gestaltet werden, wie er auch vorher, also ohne Corona, gewesen ist. In den Tag hineinleben ohne feste Ziele trage dazu bei, die Orientierung zu verlieren, warnt Sabrina Feisel.

Der Tag braucht eine feste Struktur

Ein Beispiel: Längeres Ausschlafen klinge zwar reizvoll: Doch wer den Tag erst um 10 Uhr beginne, der habe schon mehr als den halben Morgen verpasst, sagt die Expertin. Sie empfiehlt, die Weckzeit nicht zu spät einzustellen, schon allein, um nicht von der Einnahme der drei großen Mahlzeiten (Frühstück, Mittagessen und Abendbrot) abweichen zu müssen – diese sollten fester Bestandteil des täglichen Zeitplans sein. Dieser sollte im Optimalfall eine Kombination aus Pflichtprogramm und Spaß darstellen. Gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sollten unbedingt berücksichtigt werden, aber eben auch Zeit für sich – besonders bei gestressten Eltern.

Für Kinder sei eine solche Planung wichtig, „um zu wissen, wie ein Tag verläuft“, sagt Sabrina Feisel. Auch sie müssten erkennen, dass etwa die Erledigung der Schulaufgaben zu ihren Pflichten gehört. Dennoch dürfe während dieser Arbeit die Pausen nicht vergessen werden, in denen sich die Kinder bewusst anderen Dingen widmen sollen. Hier bringt die Hüinghauserin Bewegungslieder ins Spiel, zudem rät sie zum regelmäßigen Lüften der Kinderzimmer.

Zusammenfassung: Darauf kommt es an

Kommunikation, viel frische Luft und Bewegung, geregelte Zeiten, Verständnis: Wer diese Hinweise berücksichtige, der könne auch in der Pandemie einen geregelten Alltag gestalten und somit dazu beitragen, dass der Haussegen nicht in Schieflage gerät. Wichtig sei auch, in sich selbst hineinzuhören und Aufgestautes nicht zu verbergen. „Wir müssen versuchen, das Beste aus der Situation zu machen“, sagt Sabrina Feisel.

Zur Person

Sabrina Feisel kommt ursprünglich aus Köln und ist der Liebe wegen nach Herscheid gezogen. Die gelernte Arzthelferin schloss nach ihrem Umzug aus dem Rheinland ins Sauerland eine Ausbildung als Krankenschwester ab. Ein Beruf, der ihr viel Freude bereitet hat: „Ich bin immer gerne Krankenschwester gewesen, nur leider hat man für persönliche tiefere Gespräche mit den Patienten kaum Zeit.“ Während ihrer Elternzeit orientierte sich Sabrina Feisel daher neu; sie bildete sich fort zur psychotherapeutischen Heilpraktikerin und Stresstherapeutin. Ihre erste Praxis eröffnete sie im Juli 2019 im Herscheider Ortskern. Nach einem Umzug ist die Praxis seit Anfang Februar in Hüinghausen zu finden, an der Straße Im Kämpchen 15. Dort bietet Sabrina Feisel Einzel-, Paar- und Familientherapien an. Weitere Informationen hat sie im Internet zusammengestellt auf www. psychotherapie-feisel.de

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