Meiste Gäste sind einsichtig

Das sagen Herscheids Gastwirte zur neuen Corona-Schutzverordnung

Herscheid Wirtin Caro Vedder zeigt die in den letzten Tagen und Wochen gesammelten Adresslisten.
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Herscheid Wirtin Caro Vedder zeigt die in den letzten Tagen und Wochen gesammelten Adresslisten.

Die neue Corona-Schutzverordnung des Landes NRW setzt Gastwirte unter Zugzwang: Mehr denn je müssen sie darauf achten, ob sich ihre Gäste gewissenhaft an die Abgabe von Kontaktdaten halten. Das gilt auch für Gastronomen in Herscheid.

Herscheid – Besucher, die bewusst falsche Angaben machen und dabei erwischt werden, müssen 250 Euro Bußgeld bezahlen. Doch wie kann das in der Praxis umgesetzt werden? Wir haben uns in den Reihen der Herscheider Gastronomie umgehört.

Restaurant Vedder

Die Praktikabilität dieser Verschärfung stellt Caroline Vedder in Frage: „Soll ich etwa die Polizei rufen, wenn jemand seinen Namen nicht angeben will?“, fragt die Wirtin. Ohnehin sei die Echtheit der angegebenen Daten nur schwer zu überprüfen, denn die Gastwirte seien nicht dazu befugt, Ausweise zu kontrollieren – und das möchten sie auch gar nicht.

„Bei unseren Stammgästen ist das ja auch gar nicht nötig“, sagt Caro Vedder. Aber bei neuen Besuchern sei das schwierig. Auffällige Fantasienamen fallen natürlich direkt ins Auge. Ein Donald Duck werde in Nieder-Holte nicht bedient. Ein solcher Fall sei bislang aber noch nicht aufgetreten.

Doch Caro Vedder kann sich noch gut an die Diskussion mit einem Mann erinnern, der sich zunächst nicht in die Liste eintragen wollte. „Wer das nicht macht, der muss leider gehen“, erst auf diese unmissverständliche Aufforderung reagierte der Gast letztlich mit Einsicht.

Herscheider Mühle

Unter dem Motto „Bloß keinen zweiten Lockdown“ befolgt die Familie Alberts die neuen Vorgaben so gewissenhaft wie möglich. Nach dem Loch zu Jahresbeginn habe die Gäste-Frequenz inzwischen wieder zugelegt. Doch der Arbeitsalltag sei wegen Corona erschwert: Ursula Alberts verweist auf das regelmäßige Desinfizieren, das Einhalten von Abständen und den Maskenschutz. Der Aufwand sei größer als normal: „Wie sollen wir dann noch die Kontrollen der Adressen sicherstellen?“, sieht sie vor allem ein zeitliches Problem auf sich zukommen.

Bislang verhalten sich die Gäste meistens besonnen, doch es gebe auch Uneinsichtige, die sich weigern. In einem Fall habe ihr Mann Gustav-Adolf die Gäste angesprochen: „Sie schützen damit nicht nur sich selbst, sondern auch die anderen Besucher und unsere Mitarbeiter“ – dieser Hinweis habe Wirkung gezeigt.

Hotel Zum Adler

Der Passus, dass die persönlichen Daten wahrheitsgemäß einzutragen sind, ist Bestandteil des Formulars, das die Gäste im Hotel Zum Adler auszufüllen haben. Und daran haben sich bislang alle Besucher gehalten, berichtet Klaus-Dieter Fürth. Verweigerer habe es bislang nicht gegeben – im Gegenteil: Bei vielen Gästen gehe der Blick zuerst auf den Adressenzettel und erst danach in die Speisekarte, erzählt Fürth und trägt dies mit Fassung.

Probleme mit den Corona-Regeln habe es in seinem Hotel generell kaum gegeben – und wenn doch, dann waren sie ausschließlich der Vergesslichkeit geschuldet. So mussten vereinzelt Besucher daran erinnert werden, beim Betreten des Restaurants einen Mundschutz zu tragen. „Dieser Aufforderung sind die Besucher freundlich nachgekommen“, sagt Fürth.

Jagdhaus Weber

Keine großen Veränderungen durch die neue Verordnung befürchtet Bärbel Weber. Im Rebliner Jagdhaus habe die Kundenregistrierung bislang problemlos funktioniert. „Die Leute verhalten sich sehr vernünftig“, stellt Bärbel Weber erleichtert fest. Das Eintragen in die Adresslisten habe zu keinen Schwierigkeiten geführt; die ausgefüllten Zettel werden sicher und für niemanden einsehbar gelagert, ehe sie nach einer vierwöchigen Aufbewahrungszeit vernichtet werden.

Schürmanns Landgasthaus

„Bei unseren Gästen ist das schon in Fleisch und Blut übergegangen“, erzählt Peter Schürmann. Probleme wegen der Angabe der Adresse seien im Landgasthaus bislang noch nicht aufgetreten.

Lediglich bei einer Essensauslieferung habe ein pfiffiger Kunde sich einen Spaß erlaubt und trug sich unter falschem Namen in die Liste ein. „Das ist mir aber sofort aufgefallen“, sagt der Wirt. Er habe den Kunden deshalb auf diesen Fehler hingewiesen und der habe sich daraufhin mit seinem echten Namen eingetragen.

Landhaus Stottmert

„Zu 90 Prozent gibt es keine Probleme“, schätzt Magda Kowal. Ein Großteil der Besucher ihres Landhauses Stottmert geben ihre Adressen bereitwillig an; nur vereinzelt gebe es Zweifler, die sich auf ihre Grundrechte beziehen, nach kurzen Gesprächen dann aber doch einwilligen. Ein Pärchen habe sich jedoch partout geweigert, persönliche Angaben zu machen, und sei letztlich hungrig und durstig wieder gefahren.

Ein Verhalten, das Magda Kowal nicht nachvollziehen kann. „Wir sind doch sowieso alle gläsern“, meint sie und spielt darauf an, dass viele Menschen in den sozialen Netzwerken private Details und Fotos zur Schau stellen.

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