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„Da ist man erstmal baff“: Sauerländer helfen weiterhin in Erftstadt

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Von: Johannes Opfermann

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Die Hilfsgüter werden in Erftstadt weiter dringend benötigt. Viele Betroffene können erst jetzt mit den Sanierungsarbeiten an ihren Häusern beginnen.
Die Hilfsgüter werden in Erftstadt weiter dringend benötigt. Viele Betroffene können erst jetzt mit den Sanierungsarbeiten an ihren Häusern beginnen. © Jarnuczak

Am vergangenen Wochenende (23./24. Juli) brachten Helfer aus Herscheid und Umgebung wieder tonnenweise Baumaterial ins vom Hochwasser im Juli 2021 besonders arg getroffene Erftstadt. Die Freiwilligen, die sich als „Die Dicken Sauerländer“ bezeichnen, waren von den noch immer nicht beseitigten Schäden dort ebenso beeindruckt wie von der tiefen Dankbarkeit der Menschen.

Herscheid – „Wir wurden immer wieder gefragt. Warum macht ihr so was?“ berichtet Jan Jarnuczak, dass die Betroffenen im Bereich Erftstadt von dem privat organisierten Hilfstransport begeistert seien, aber eben auch mit Unglauben darauf reagierten. „Wir konnten nur sagen: Das ist unser Weg zu helfen.“ Für die Dicken Sauerländer, die wegen zwei Ausfällen diesmal zu fünft unterwegs waren, war diese große Dankbarkeit sehr motivierend.

Baumaterial direkt an Betroffene verteilt

Dass Hilfe auch ein Jahr danach immer noch bitter nötig ist, wurde bei dem Besuch deutlich. „Wenn die Leute erzählen, dass ihre Häuser erst seit einer Woche trocken sind, sie die Trocknungsmaschinen erst jetzt ausschalten und mit den Sanierungen beginnen können – dieses Gefühl kann man echt nicht beschreiben. Da ist man erst mal baff“, sagt Jarnuczak. Kaum angekommen im Baumaterialspendenlager wurde das Baumaterial direkt vom Lkw an die Betroffenen verteilt. „Allein am Freitag und Samstag, als das Lager geöffnet hatte, wurden sechs Paletten Rigips verteilt.“ Jarnuczak rechnet fest damit, dass in ein bis zwei Wochen die gesamte Ladung verteilt ist. „Auch ein Jahr danach ist es nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.“

6,5 Tonnen an Baumaterial sind es insgesamt, die die Dicken Sauerländer mit einem Lkw und einem Pkw mit Anhänger von Herscheid nach Erftstadt gebracht haben. Zahlreiche Privatleute machten dies mit ihren Geldspenden erst möglich. Bei ihnen allen bedankt sich Jarnuczak ausdrücklich. Mit dem Geld wurden in Absprache mit dem Baumaterialspendenlager in Erftstadt die Dinge eingekauft, die dort besonders benötigt werden. Für den Rabatt, den der Hagebaumarkt Arens & Hilgert in Neuenrade für den Großeinkauf für den guten Zweck gewährte, bedanken sich die Dicken Sauerländer ebenfalls.

Baumaterial und Bockwürste: Tibor Schady (von links; Organisator des Baumaterialspendenlagers Erftstadt) mit den „Dicken Sauerländern“ Jan Jarnuczak, Ralf Woeste, Dietmar Frank, Christopher Woeste und Reinhold Grebe, die dank einer Spende der Firma Metten auch einige Dosen der namensgebenden Würstchen mitbrachten.
Baumaterial und Bockwürste: Tibor Schady (von links; Organisator des Baumaterialspendenlagers Erftstadt) mit den „Dicken Sauerländern“ Jan Jarnuczak, Ralf Woeste, Dietmar Frank, Christopher Woeste und Reinhold Grebe, die dank einer Spende der Firma Metten auch einige Dosen der namensgebenden Würstchen mitbrachten. © Jarnuczak

Der Transport mit dem Lkw übernahm die Spedition Grebe aus Plettenberg. An Bord waren neben Rigips-Platten auch die entsprechenden Ständerwerke, außerdem OSB-Platten, Dachlatten und Bauholz. Außerdem gehörte noch einiges an Elektrozubehör, 500 Meter Kabel und eine große Spende an Lampen und Leuchtmitteln zum Umfang der Hilfslieferung. „Alles in allem hatte es einen regulären Warenverkaufswert von 17.000 bis 18.000 Euro“, sagt Jarnuczak. Zusammen mit dem ersten Transport im Februar haben die Helfer aus dem Sauerland also Baumaterial im Wert von 30 000 Euro nach Erftstadt geschafft. „Im Vergleich zum Februar bekommt man wegen der Inflation weniger Material“, bedauert Jarnuczak.

Firma Metten spendet „Dicke Sauerländer“

Für die Freiwilligen vor Ort hatten die Dicken Sauerländer auch noch etwas Besonderes mit im Gepäck. Dass sich die Helfer nach ihrem ersten Trip aus einer Laune heraus nach den bekannten Bockwürsten von Metten benannt hatten, war auch der Firma in Finnentrop nicht entgangen. „Die Firma Metten haben uns einige Dosen Würstchen gespendet, die wir an den Helfern in Erftstadt übergeben haben“, berichtet Jarnuczak.

Verstörend waren für ihn und seine Begleiter dagegen Berichte, dass die Organisatoren des Baumaterialspendenlagers in Erftstadt sich Anfeindungen ausgesetzt sehen. Denn sie haben als weiteres Projekt auch ein Ukraine-Hilfsprogramm auf die Beine gestellt und bereits 26 Lkw-Ladungen an Hilfsgütern – wie Kleidung und Nahrung – in die Ukraine geschickt. „Dafür haben sie teilweise Morddrohungen erhalten. Wenn man das von den Leuten hört, kann man das kaum glauben“, so Jarnuczak,

Dritter Transport geplant

Was die Hilfstransporte mit Baumaterial angeht, so sind die Dicken Sauerländer entschlossen, im Herbst noch einmal eine Tour nach Erftstadt zu unternehmen. Da die Landesregierung in Rheinland-Pfalz offenbar beabsichtigt, das Baumateriallager im Ahrtal zu schließen, würden künftig auch die Menschen von dort in das Lager nach Erftstadt kommen, gibt Jarnuczak die Schilderungen der Helfer vor Ort wieder. Das Baumaterialspendenlager in Erftstadt soll nach aktuellem Stand noch bis zum 31. März 2023 bestehen bleiben. Jarnuczak glaubt, dass man es noch länger brauchen wird: „Bis dahin sind die Leute mit ihren Arbeiten nicht fertig.“

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