Diese Schließung schmerzt

Corona stellt Betreiber und Mitglieder des Fitnessstudios vor riesige Probleme

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Bevor das Feelgood am Montag vorübergehend schließen muss, nutzte Werner Keidel (rechts) gestern Vormittag noch einmal die Sportgeräte. Fitnesstrainerin Adriane Gärtner drehte einige Runden auf dem Rad mit ihm.

Herscheid – Um einen flotten Spruch ist Markus Gärtner nie verlegen. Das Lachen lässt er sich nicht nehmen – wenngleich die aktuellen Entwicklungen für ihn, sein Fitnessstudio und die vielen Gesundheitssportler einfach nur zum Heulen sind.

„Wir haben bis zuletzt gehofft, dass nicht pauschal alles geschlossen werden muss“, erklärt Gärtner. Insgeheim hatte er bereits eine Art Notfallplan ausgetüftelt, mit reduziertem Kursangebot und zeitlichen Begrenzungen. In den rund 800 Quadratmeter großen Hallen gebe es ausreichend Platz, um die vorgegeben Sicherheitsabstände einzuhalten.

Doch diese Überlegungen sind nun hinfällig: Ab dem 2. November muss das Herscheider Feelgood für einen Monat schließen, so verlangen es die neuen Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern. Für den Studioleiter und sein zwölfköpfiges Mitarbeiterteam hätte der Zeitpunkt nicht schlechter gewählt werden können. 

„Wenn es draußen kälter wird, dann kommen die Leute wieder häufiger zu uns“, sagt Gärtner. Die kalte Jahreszeit sei somit auch die Zeit, in der die meisten neuen Mitgliedschaften abgeschlossen werden. Doch daraus wird vorerst nichts. 

Corona stelle die gesamte Branche vor eine harte Probe. Die Situation nach dem ersten Lockdown im Frühjahr hatte sich einigermaßen stabilisiert. Doch mit den steigenden Fallzahlen ließ die Besucherfrequenz im Fitnessstudio nach, insbesondere in der Riege der älteren Mitglieder. Die erneute Zwangsschließung spitzt die wirtschaftliche Lage weiter zu. 

Wenngleich Gärtner verstehen kann, dass die Politik auf die rasante Ausbreitung des Virus reagieren musste, hätte er sich bei den Entscheidungen mehr Fingerspitzengefühl gewünscht. Die vom Verband der Fitnessstudios eingereichten Konzepte zur Aufrechterhaltung des Betriebs fanden keine Berücksichtigung. „Man fühlt sich in dieser Situation einfach nur hilflos“, gesteht Gärtner.

Nicht nur den Studioleiter stellen die Beschlüsse vor riesige Herausforderungen. Auch die durchschnittlich 150 bis 200 Sportler, die täglich das Feelgood nutzen, sind tief getroffen. „Für mich ist das eine mittelprächtige Katastrophe“, erzählt Werner Keidel. Wegen starker Rückenschmerzen gab ihm sein Arzt vor vier Jahren den Rat, in ein Fitnessstudio zu gehen. Seither nutzt er drei- bis viermal in der Woche die Geräte und Kurse im Feelgood – und damit hat er seine gesundheitlichen Probleme in den Griff bekommen. 

Wie er nun den November überbrücken wird, weiß der Herscheider noch nicht genau. „Beim ersten Lockdown konnte man ja wenigstens noch Fahrradfahren, aber das geht bei diesem Wetter ja nicht“, bedauert Keidel. Dennoch will er versuchen, sich so häufig wie möglich an der frischen Luft zu bewegen.

Ortrud Schulte gehört im Herscheider Fitnessstudio zu den Mitgliedern der ersten Stunde. Hier schätzt sie die Kameradschaft und die familiäre Atmosphäre, zu der Studioleiter Markus Gärtner maßgeblich beiträgt.

Ortrud Schulte, die im Feelgood (eröffnet im Jahr 2008) zu den Mitgliedern der ersten Stunde gehört, setzt derweil notgedrungen auf Home-Training. Dabei will sie unter anderem die Tipps von Adriane Gärtner umsetzen, die die Fitness-Trainerin (und Ehefrau von Studioleiter Markus) bereits während des ersten Lockdowns in einem Zeitungsbericht gegeben hat. „Diesen Artikel habe ich mir für schlechte Zeiten aufgehoben“, sagt Ortrud Schulte. Und eine solche schlechte Zeit stehe für sie unmittelbar bevor. Aus gesundheitlichen Gründen sei sie auf Sport angewiesen und ist daher Stammgast im Feelgood.

Doch nicht nur die Sportgeräte werde sie vermissen: Sie spricht von einer familiären Atmosphäre, einer bemerkenswerten Kameradschaft im Herscheider Fitnessstudio. Diese sozialen Kontakte liegen für die Seniorin bald auf Eis – mindestens für 30 Tage. Daher lautet ihr Appell an ihre Mitbürger: „Die Leute sollen sich an die Maßnahmen halten und diese ernstnehmen – dann kann es nach vier Wochen hoffentlich wieder weitergehen:“ Ein Wunsch, den sicherlich alle Sportler im Feelgood teilen.

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