Grundlehrgang nach erster Prüfung unterbrochen

Corona bremst die Feuerwehr aus

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Eine der vorerst letzten Übungen der Feuerwehr fand an der Bahnhofstraße statt. Ab sofort beschränkt sich der Dienst ausschließlich auf Einsätze in Notfällen.

Herscheid – Ein Wechselbad der Gefühle erlebte Laura Linke an ihrem Prüfungsabend: Auf die Freude, die erste Hürde der Feuerwehrausbildung gemeistert zu haben, folgte prompt die Ernüchterung. 

 Dass der mehrwöchige Lehrgang bis auf Weiteres pausieren muss, ist für die junge Hüinghauserin ein empfindlicher Tiefschlag. „Ich bin schon sehr traurig, denn die Kameradschaft wird mir in den kommenden Wochen fehlen“, erzählt die 25-Jährige. Zugleich betont sie, dass sie die Entscheidung der Wehrleitung für vollkommen richtig und nachvollziehbar halte. In der jetzigen Zeit gebe es dazu leider keine Alternative.

Wie schon im Frühjahr reduziert die Herscheider Feuerwehr ab sofort ihre Tätigkeit wegen der steigenden Coronazahlen auf die reine Dienstbereitschaft. „Bei Noteinsätzen sind wir unverändert zur Stelle“, versichert Wehrleiter Andre Zimmermann. Dienst- und Schulungsabende hingegen setzen vorerst aus. Die Feuerwehr zähle zur kritischen Infrastruktur, die unter allen Umständen aufrechterhalten werden müsse.

Durch die getroffenen Maßnahmen soll die Gefahr einer Ansteckung innerhalb der Wehr minimiert werden. Das betreffe alle Gruppen – also neben den aktiven Einsatzkräften auch die Jugendfeuerwehr und den Musikzug. Ein Schritt, den alle Feuerwehren im Märkischen Kreis vollzogen haben, ergänzt Zimmermann und bittet um Verständnis für die Maßnahmen.

Zu dem Kreis der Betroffenen zählen auch die 23 Teilnehmer der Truppmannausbildung: Seit Anfang August erlernen sie das Feuerwehr-ABC, also das Grundwissen. Die ersten beiden Themenblöcke sind bereits abgehandelt und wurden durch die eingangs erwähnte Zwischenprüfung abgerundet. 

Die erste Stufe hat sie erklommen, doch noch kann Laura Linke nicht in den aktiven Dienst der Feuerwehr einsteigen oder ein Einsatzfahrzeug steuern.

Dazu trafen sich die Nachwuchskräfte unter Einhaltung der gültigen Abstands- und Hygieneregeln im Schulungsraum der Feuerwehr Plettenberg. 45 Minuten Zeit blieb ihnen, um die gestellten Fragen zu beantworten. Löschwasserabnahme, Rechte und Pflichten, Bestimmung von PH-Werten – diese und weitere Dinge wurden abgefragt.

„Wir haben uns auf diese Prüfung gut vorbereitet“, erzählt Laura Linke. Nicht die Fragen, sondern in manchen Fällen die trickreichen Fragestellungen bereiteten ihr Probleme. „Da musste man schon ganz genau lesen.“ Beispielsweise lautete eine Frage: Bei welchen Bränden ist Wasser als Löschmittel ungeeignet? Zunächst habe sie geeignet gelesen und daher falsch geantwortet. Erst bei nochmaligem Durchgehen der Frage fiel ihr die Negation auf: Daher änderte sie ihre Antwort von Wald- und Zimmerbränden (die mit Wasser gelöscht werden) auf Metall- und Fettbrände, bei denen andere Löschmittel zum Einsatz kommen. 

Das genaue Lesen zahlte sich aus: Genau wie die anderen 22 Teilnehmer bestand Laura Linke die Zwischenprüfung. Die Freude darüber wurde jedoch getrübt: Denn direkt nach der Ergebnisverkündung erfuhren die angehenden Einsatzkräfte, dass der Kurs nun pausieren wird – die für Anfang Dezember angestrebte Abschlussprüfung muss auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Sobald es die allgemeine Gesundheitslage wieder zulasse, soll die Ausbildung fortgesetzt werden.

Wie geht es nun für Laura Linke weiter? „Ich bleibe auf jeden Fall dabei und weiche nicht von meinem Ziel ab“, versichert sie, dass sie die Wartezeit auf sich nehmen werde. Um das bereits Erlernte in der Zwischenzeit nicht zu vergessen, wolle sie sich nicht nur mit ihrem Freund Philipp, der bereits Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ist, über Brandbekämpfung und andere Einsatzarten austauschen. Auch durch das Schauen der WDR-Dokumentationsserie „Feuer und Flamme“ will sie am Ball bleiben und hofft, dass auch sie in nicht allzu ferner Zukunft ihre Ausbildung zur Feuerwehrfrau fortsetzen kann.

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