Rentnerin liest, spielt und bastelt mit den Kindern des Kindergartens Arche Noah

Brigitte Öttinghaus ist in Hüinghausen die „Kita-Oma für alle Fälle“

+
Brigitte Öttinghaus erhielt ein großes „Dankeschön“ von den Kita-Kindern für die Vorstellung ihrer selbst geschriebenen Geschichte „Milias – ein Rotmilan erlebt den Frühling“.

Herscheid – Brigitte Öttinghaus sprang als Lesepatin ein, als sie am nötigsten gebraucht wurde. Mittlerweile ist sie für Kinder, Eltern und Mitarbeiterinnen des Kindergartens aber viel mehr – nämlich die „Oma für alle Fälle“, die auch die Corona-Herausforderungen gekonnt umschifft hat.

Als vor einigen Jahren der Vorlesepate im Kindergarten Arche Noah in Hüinghausen verstarb, war die Niedergeschlagenheit bei den Erzieherinnen und den Kindern groß. Für Kita-Leiterin Sabine Neumann war klar, dass man unbedingt wieder einen Lesepaten braucht und fragte vor vier Jahren bei der Ehrenamtsbörse Schwungrad der Gemeinde Herscheid an.

Auf die Anfrage wurde Brigitte Öttinghaus aufmerksam. Die Steuerberaterin war in den wohlverdienten Ruhestand gegangen, suchte aber eine Aufgabe. Diese fand sie zuerst in der Grundschule Herscheid, wo sie als Lesepatin schon aktiv war. „Als ich von der Anfrage hörte, dachte ich mir: Für die Kleinen findest du noch Zeit und sagte zu“, so Öttinghaus, die in den dreieinhalb Jahren von der Lesepatin zur selbsternannten „Kita-Oma für alle Fälle“ wurde.

Jeden Dienstagnachmittag ist Öttinghaus zu Gast in der Arche Noah. Anfangs war es nur das Vorlesen von Märchen. „Davon sind die Kinder heute immer noch begeistert“, sagt Öttinghaus, die selbst begeistert wie verwundert zugleich ist ob der Lieblingsmärchen der Kinder.

Kontakt gehalten

Die passionierte Wanderin genießt das Vertrauen der Kinder und Erzieherinnen in der Arche in großem Maße. Aus dem Vorlesen wurde nach und nach gemeinsames Basteln, Malen, draußen Spielen und auch mal draußen was Erleben, wie Waldspaziergänge. Sehr angetan war Öttinghaus vom Besuch mit den Kindern in der Bücherei. Selbst heute geht sie noch regelmäßig dorthin, um sich neue Geschichten für die Kinder auszuleihen.

Über Patenbriefe an die Eltern informiert Öttinghaus nicht nur die Eltern, sondern will ganz bewusst, dass diese ihren Kindern die Briefe vorlesen.

Auch während der Coronazeit blieb Brigitte Öttinghaus mit den Kindern in Kontakt.

Dann kamen Corona und der Lockdown. Die Kinder konnten nicht mehr in die Kita und auch für Öttinghaus war ein Besuch nicht möglich. Doch den Kontakt zu den Kindern wollte die Rentnerin nicht abreißen lassen und beschäftigte die Kinder per Patenbriefen zu Hause. Öttinghaus bat die Kinder Bilder zu malen, schickte Bastel- und Spielanleitungen oder gab Anleitungen für Kinder-Yoga. „Ich mache selbst Yoga und fand, dass dies auch für die Kinder etwas wäre. Wir haben es sogar schon mal in der Kita im Turnraum gemacht. Der eine braucht etwas länger und muss sich mehr konzentrieren, bei anderen funktioniert das schneller. Aber genau darauf kommt es an: Sich auf die Aufgabe zu konzentrieren.“

Während der kitafreien Coronazeit malte aber auch Öttinghaus selbst einige Bilder und informierte darüber die Kinder in den Patenbriefen. Aus den Bildern machte die Kita-Patin eine Geschichte. „Milias – ein Rotmilan erlebt den Frühling“. Das Schreiben einer Geschichte, die Öttinghaus durch ein Kamishibai, ein japanisches Erzähltheater, den Kindern erzählt, war auch für die Herscheiderin neu. „Doch als der Titel feststand und die ersten Zeilen geschrieben waren, sprudelte es nur so heraus.“ Den größten Dank für die Geschichte bekam die Seniorin bei der ersten Vorstellung: „Die Kinder riefen: ,Nochmal!’ Das war das größte Dankeschön“.

Alle Kinder und die Erzieherinnen haben Öttinghaus in ihr Herz geschlossen. „Wir wollen sie nicht mehr missen“, weiß Neumann, was sie an der „Kita-Oma für alle Fälle“ haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare