Heute noch kahl - doch wie sieht es am Böllenberg in einigen Jahrzehnten aus?

Baumpflanzen im Selbstversuch: So entsteht der Wald der Zukunft

Ein Vorbild für Plettenberg? Familie Huster beteiligt sich am „Wald der Zukunft“ und hofft, dass solch eine Aktion auch in ihrer Stadt Nachahmer findet.
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Ein Vorbild für Plettenberg? Familie Huster beteiligt sich am „Wald der Zukunft“ und hofft, dass solch eine Aktion auch in ihrer Stadt Nachahmer findet.

Den Wald der Zukunft pflanzen – an diesem Projekt haben sich in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche kleine und große Herscheider beteiligt. Auch ohne offiziellen Aktionstag läuft das Engagement rund um den Böllenberg auf Hochtouren. Für mich Grund genug, nicht nur den aktuellen Stand unter die Lupe zu nehmen, sondern auch selbst mit anzupacken.

Statt zu einem offiziellen Aktionstag rief das Bündnis Wald der Zukunft nach Absprache mit dem Herscheider Ordnungsamt am ersten Adventswochenende dazu auf, individuell den Böllenberg zu besuchen und Bäume zu pflanzen. Meine Chance: Ausgerüstet mit Schaufel, Handschuhen und jeder Menge Motivation erklimme ich den Böllenberg. Zuvor decke ich mich noch mit ausreichend Eicheln und Kastanien ein, die praktischerweise in großen Behältern am Wegesrand parat liegen.

Vorbei am Kriegerdenkmal folge ich dem Hauptweg, auf dem links von mir schon nach wenigen Metern die ersten Kahlflächen auftauchen. Dort herrscht am Samstagmittag jedoch gähnende Leere. Vielleicht wurde hier bereits genügend gepflanzt, denke ich, und setze meine Suche nach personeller Verstärkung fort. Unterwegs begegnen mir nur zwei Spaziergänger mit Hund. Kurz nachdem mir schon Zweifel kommen, ob ich überhaupt am richtigen Ort bin, entdecke ich auf der nächsten Kahlfläche endlich einige Helfer.

Bevor es für mich los geht, treffe ich auf die vierköpfige Familie Huster aus Plettenberg. Die gebürtigen Herscheider sind schon über eineinhalb Stunden eifrig am Bäumepflanzen und zeigen mir prompt ihre Technik: „Jeder macht es wohl ein bisschen anders. Wir nehmen drei, vier Samen in die Hand, buddeln sie ein Stück in die Erde ein und schütten das Loch mit dem Fuß wieder zu.“

Ihr Saatgut hat die junge Familie aus der Kita Oestertal, wo die Kinder eimerweise Eicheln gesammelt haben. „Das machen sie richtig gerne“, berichtet Familie Huster. Mutter Joana ist Mitglied beim BUND (für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und möchte Aktionen wie die des Bündnisses Wald der Zukunft auch nach Plettenberg holen. „Da haben wir schließlich das gleiche Problem“, verweist sie auf die steigende Zahl zerstörter Waldflächen in der Umgebung. Dabei wolle man nicht tatenlos zusehen.

Von Beginn an habe ich das Gefühl, etwas wirklich Sinnvolles für den Wald und das Klima zu leisten.

Max Gerhard

Auch ich mache mich jetzt an die Arbeit und bringe meine ersten Samen unter die Erde. Es bereitet mir mehr Spaß als erwartet – obwohl ich alles andere als ein Hobbygärtner bin. Von Beginn an habe ich das Gefühl, etwas wirklich Sinnvolles für den Wald und das Klima zu leisten. Und bei blauem Himmel inklusive strahlendem Sonnenschein fällt das Arbeiten natürlich gleich viel leichter.

Auf den nicht enden wollenden Kahlflächen kann ich problemlos Abstand zu anderen Helfern einhalten. Die Zeit vergeht wie im Flug. Nach einer guten Dreiviertelstunde ist mein Baumsamen-Vorrat restlos aufgebraucht. Ein wenig stolz blicke ich auf die von mir „beackerte“ Fläche: Wie es in ein paar Jahrzehnten wohl hier aussehen wird? Wenn dann der eine oder andere Baum in die Höhe ragen würde, hätte auch ich womöglich einen kleinen Grundstein für den Wald der Zukunft gelegt.

Mit ausreichend Eicheln und Kastanien ausgestattet, beteiligte sich Reporter Max Gerhard an der Pflanzaktion am Böllenberg.

„Allein in den letzten Wochen haben sich bestimmt 150 bis 200 Leute beteiligt. Dazu kamen noch Kitas und Schulklassen“, bilanziert Tobias Clever vom Aktionsbündnis Wald der Zukunft. Für diese enorme Unterstützung richtet er ein „riesiges Danke“ an alle Helfer. „Wir als Aktionsbündnis sorgen nur für eine Art Koordinierung.“ Wer noch mithelfen wolle, könne jederzeit am Böllenberg tätig werden. Dort gebe es weiterhin genug Saatgut.

Zudem empfiehlt er: „Verhältnismäßig wenige Samen gibt es bisher auf den Flächen, die sich von unten kommend links neben dem Hauptweg befinden. Da kann man gerne auch richtig in das kahle Feld hineingehen.“ Das Aktionsbündnis möchte sein Engagement auf jeden Fall fortsetzen: „Wenn ich Waldbesitzer wäre, würde ich die Hilfsbereitschaft annehmen“, wirbt Tobias Clever für eine noch stärkere Zusammenarbeit vor Ort.

Für 2021 seien auch Aktionen vorstellbar, die über das Verteilen von Samen hinausgehen. „Wir pflanzen auch Setzlinge ein oder übernehmen Baumpatenschaften.“ Sobald es Corona zulasse, werde man sich zusammensetzen und über das weitere

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