Täterin vor dem Landgericht geständig / Mordabsicht nicht nachgewiesen

15-Jährige legt Feuer in Wohnheim: Vier Jahre Jugendstrafe für junge Brandstifterin

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Einsatz mitten in der Nacht: Zur Brandbekämpfung gingen Mitte Dezember zwei Trupps unter Atemschutz in das Wohnheim am Iserlohner Pastorenweg vor. Das Feuer, das von einer jungen Herscheiderin gelegt worden war, konnte rasch gelöscht werden.

Herscheid - Unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist am Mittwoch ein aufsehenerregender Prozess vor der Jugendkammer des Hagener Landgerichts mit der Urteilsverkündung beendet worden. Die Angeklagte, ein 15-jähriges Mädchen aus Herscheid, wurde zu einer Jugendstrafe von vier Jahren Dauer verurteilt.

Versuchter Mord und besonders schwere Brandstiftung, so lauteten die Anklagepunkte gegen die Jugendliche. Angesichts dieser massiven Vorwürfe drohten ihr eine Jugendstrafe von bis zu zehn Jahren Länge. Doch im Laufe der Verhandlung, die über insgesamt sieben Tage angesetzt war, sollte sich die Ausgangslage insofern ändern, dass das Gericht der Herscheiderin lediglich schwere Brandstiftung nachweisen konnte. 

Das Geständnis des Teenagers dürfte sich strafmindernd ausgewirkt haben. Sie gab zu, am 19. Dezember 2019 in dem ihr zugewiesenen Zimmer eines Wohnheimes am Iserlohner Pastorenweg ein Feuer gelegt zu haben. Nahm sie dabei billigend in Kauf, dass im Nachbarzimmer ein Erzieher schlief? Zu dem Motiv und den Absichten konnte Richter Bernhard Kuchler, zuständig für die Pressearbeit am Landgericht Hagen, keine konkreten Angaben machen. 

Ob das Mädchen gewillt war, jemanden zu verletzen oder gar zu töten, davon konnte sich das Gericht nicht überzeugen. Das Wohnheim sei zur Tatzeit mit funktionstüchtigen Feuermeldern ausgestattet gewesen und für den erwachsenen Erzieher – der geweckt wurde, als das Mädchen ihr Zimmer verließ – habe es mehrere Fluchtmöglichkeiten gegeben. Daher sei der Tatbestand des versuchten Mordes nicht erfüllt, erklärt Kuchler die Ansicht seiner Richterkollegen. 

"Das Zimmer hat zwar lichterloh gebrannt, aber es entstand kein struktureller Schaden an dem Gebäude", sagt Richter Bernhard Kuchler, Pressesprecher am Landgericht Hagen, zu den Ereignissen wenige Tage vor Heiligabend.

Dass alle Beteiligten unverletzt blieben, sei auch dem raschen Eingreifen der Iserlohner Feuerwehr zu verdanken, die den nächtlichen Brand, der um 1.03 Uhr gemeldet wurde, rasch unter Kontrolle bringen konnte. Daher könne in diesem Fall – entgegen der ursprünglichen Anklage – nicht von einer besonders schweren Brandstiftung die Rede sein. Richter Kuchler: „Das Zimmer hat zwar lichterloh gebrannt, aber es entstand kein struktureller Schaden an dem Gebäude.“ 

In diesem Zusammenhang weist Bernhard Kuchler darauf hin, dass der Tatbestand einer besonders schweren Brandstiftung nur dann vor Gericht erfüllt sei, wenn ein Gebäude, das von Menschen bewohnt wird, durch einen Brand zerstört werde. Das sei definitiv nicht der Fall gewesen, begründete der Pressesprecher. 

Weil die junge Herscheiderin geständig und zudem nicht vorbestraft war, folgte die Hagener Jugendkammer der Empfehlung der Verteidigung; die Staatsanwaltschaft hatte eine Jugendstrafe von viereinhalbjähriger Dauer und somit ein leicht höheres Strafmaß gefordert. Gegen das gefällte Urteil kann binnen einer Woche Einspruch eingelegt werden.

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