Herausforderung für Waldbauern: Kartellamt fordert separate Holzvermarktung

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Herscheid - Die Holzvermarktung, wie sie bisher abläuft, soll sich für die privaten Waldbauern und Kommunen ab dem nächsten Jahr ändern. Bisher übernahm die Vermarktung das Regionalforstamt Märkisches Sauerland – allerdings nicht nur für diese, sondern auch für Staatsforst. Ein Urteil des Bundeskartellamtes bereitet dem jedoch ein Ende, da dies zu viel Macht gebe und gegen die Rechtssprechung des europärischen Kartellrechts spreche. 

Vor welche Herausforderungen dies die privaten Waldbauern und die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) stellt, erklärte Rolf Brühne, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Herscheid den Mitgliedern bei der Jahreshauptversammlung im Jagdhaus Weber.

Die Forstbetriebsgemeinschaft und deren Vorstand ist ehrenamtlich tätig, weshalb die Gemeinschaft in diesem Punkt auf die Unterstützung von Profis angewiesen ist. Wie die Auswirkungen der Änderung konkret aussehen, ist noch nicht abzusehen, da noch Gespräche zur Umsetzung zwischen dem Ministerium, dem Waldbauernverband und allen Beteiligten laufen. Zudem steht noch ein weiteres Urteil in Baden-Würtemberg bezüglich der Beförsterung der privaten und kommunalen Wälder aus, die bisher ebenfalls vom Regionalforstamt gestellt wird. Nordrhein-Westfalen hat sich in den Gesprächen mit dem Kartellamt darauf geeinigt, die Vorgaben für Baden-Würtemberg auch in Nordrhein-Westfalen umzusetzen – ohne ein eigenes Verfahren. Je nach Urteil, dass vermutlich im Sommer gefällt wird, könnten bzw. müssten die FBG’en dann einen privaten Förster anfragen. Eine Anhörung dazu findet am 10. April statt.

Fest steht jedoch, dass es für die FBG komplizierter wird und mehr Arbeit auf sie zukommt. Die Mitglieder in Herscheid waren froh, dass das Forstamt unter anderem die Vermarktung übernommen hat, da dies eine umfangreiche Aufgabe ist und das Forstamt das Holz verschiedener Bauern zu Angeboten für die Sägewerke bündelt, um ein gutes Angebot zu bekommen. Zur Holzvermarktung gehört nicht nur, die Verträge zu unterschreiben sondern auch sich über den Markt zu informieren, Gespräche zu führen, die Verträge zu entwickeln und dafür die Verantwortung zu übernehmen.

Auch die indirekte Förderung der FBG durch das Land Nordrhein-Westfalen wird mit der Änderung der Holzvermarktung aufgehoben. Das Forstamt und der Landesbetrieb erhalten eine bestimmte Summe als Förderung vom Land für die Beförsterung, von der auch die Forstbetriebsgemeinschaft profitiert. Mit der Umstellung muss die FBG einen Antrag auf Fördermittel stellen und die Haftung übernehmen.

Derzeit sucht die FBG Herscheid mit anderen Forstbetriebsgemeinschaften nach Lösungen für die Herausforderungen, die auf sie zukommen. Eine könnte zum Beispiel so aussehen, dass eine Dachorganisation im Märkischen Kreis gegründet wird, die sich um die Beförsterung kümmert und die FBG’en steuerlich und rechtlich berät. Zudem könnten sich die FBG’en im Märkischen Kreis zusammenschließen und eine GmbH gründen, um sich gemeinsam einen privaten Holzvermarkter zu suchen. „So einfach, wie sich der Waldbauernverband und das Ministerium die Umstellung vorgestellt, geht es nicht“, sagte Rolf Brühne. Fakt sei, dass mehrere Lösungen in Frage kommen. Man müsste die beste finden und auf die Umstellung vorbereitet sein.

Um auf die Problematik aufmerksam zu machen und Lösungen zu finden, hat die FBG schon einiges getan. Unter anderem schrieb der Vorsitzende mehrere Briefe an das Ministerium und den Waldbauernverband und gemeinsam mit den FBG’en Halver und Lüdenscheid besuchte er auf Einladung des SPD-Landtagsabgeordnetem Gordan Dudas den Landtag in Düsseldorf, um mit Politikern über das Anliegen zu sprechen. Als ersten Erfolg sieht der Vorstand der FBG ein Positionspapier zum Thema, dass im Februar in Werl vom Waldbauernverband und dessen Bezirksgruppen verabschiedet wurde. Dieses enthält Forderungen, die bei der Umstellung zu beachten sind.

Die Umstellung soll 2019 stattfinden. Auf die FBG’en kommen jedoch zuvor Übergangsfristen und -Lösungen zu, was viel Arbeit für den Vorstand bedeutet. Dieser zog auch in Betracht, dass eine weitere Mitgliederversammlung einberufen werden müsse, um über Neuigkeiten im Verfahren zu informieren.

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