Hans Werner Olm glänzt mit humoristischer Lebensberatung in der Rammberghalle

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Hans Werner Olm gab nicht nur eine Lebensberatung. Mit der Gitarre in der Hand parodierte er einige Bühnenkollegen.

Herscheid - Er gilt als einer der bekanntesten Künstler Deutschlands und genialer Wortakrobat. Ob als Kabarettist, Schauspieler, Synchronsprecher oder Sänger – Hans Werner Olm ist seit über 40 Jahren auf der Bühne unterwegs und hat bundesweit Erfolg. Am Freitagabend gastierte er mit seinem Programm „Mach fertig“ in Herscheid und nahm das Publikum in der voll besetzten Rammberghalle mit auf eine Reise durch den Alltags-Wahnsinn.

Der gebürtige Bochumer besitzt eine unnachahmliche Art, die komischen Seiten des Lebens einfach und treffend auf den Punkt zu bringen. Gleich zu Beginn seines Auftritts macht er seine Sicht der Dinge deutlich und sprach von einer Zeit der „Weicheier“. Dies erkenne man daran, dass „hyperaktive Glucken mit Östrogen-Überschuss“ auf dem Spielplatz ihre „verweichlichten Kopulationsendprodukte“ sofort zum MRT tragen würden, selbst wenn sie nur mal kurz hingefallen seien. „So etwas hätten wir früher mit Lego-Steinen beworfen“, lästert er und berichtet aus seiner eigenen Kindheit: „Früher sind wir als Kinder draußen herumgelaufen und natürlich auch gestürzt. Bis zu einem Alter von sieben oder acht Jahren haben wir uns von Moos und Fugenmasse ernährt.“ Die einzige Regel der Mutter habe lediglich gelautet: „Nach links und rechts schauen, falls ihr über die Autobahn geht.“

Olm zog vom Leder, was das Zeug hielt. Leidenschaftlich lässt er sich über die Kommunikation zwischen Babys und Erwachsenen aus. Mit seiner größten Stärke, der Stimme, die er in tiefste Tiefen und durch zahllose Dialekte führen kann, zeigt er auf, was auf dieser Welt alles falsch läuft. Irritiert beobachtet er unter anderem, wie „früh-verspeckte Jungväter im Hallenbad sitzen und den Rentnern das Chlor wegschlucken.“ Die Männer machten ihm ohnehin große Sorgen, weil sie mittlerweile mehr Östrogene in sich tragen würden, als ihre Frauen, ist der Kabarettist überzeugt.

Viele Gäste waren in die Rammberghalle gekommen, um sich Hans Werner Olms Programm anzusehen. Das Publikum amüsierte sichi prächtig.

Und auch das deutsche Fernsehprogramm bekam sein Fett weg: Laut Olm sei nicht mehr zu unterscheiden, ob dort die Sendung „Schwiegertochter gesucht“ oder eine Dokumentation der Aktion Mensch laufe. Egal ob zu dick oder beziehungsunfähig – überall werde nur noch gecoacht. Für ihn stehe fest: „Es gibt nichts mehr zu retten. Wir sind alle ein bisschen gaga.“

Mit der Gitarre in der Hand schlüpfte er an diesem Abend in mehrere Rollen und parodiert Bühnenkollegen, wie Peter Maffay oder Howard Carpendale. Er singt in echter Grönemeyer-Manier: „Zähne faulen heimlich“ und mit „Mein alter Kühlschrank friert nicht mehr“ imitiert er Reinhard May. Durch den Kakao gezogen wurden auch die Amigos: „Im Vergleich dazu sind die Flippers Botschafter der Hochkultur“, betont er. Für Kopfschütteln sorgt bei Hans Werner Olm jedoch vor allem der Revolverheld-Song „Ich lass für Dich das Licht an, obwohl’s mir zu hell ist“. „Das ist doch krank, wenn sich Männer so sehr erniedrigen“, zeigt er sich fassungslos über die weichgespülte Musik heutzutage.

Über zwei Stunden begeisterte der Comedian die Zuschauer. Auch wenn er seine Kultfiguren Günni Schwagalla, Luise Koschinsky, den Iff oder Paul Schrader in der Garderobe gelassen hatte, erlebten alle Beteiligten ein höchst abwechslungsreiches Programm. Es war der angekündigte Parforceritt durchs Leben. Von der Wiege bis zum Sarg wurde die Welt unterhaltsam skizziert und die Lachmuskeln der Besucher bis aufs Äußerste strapaziert, bevor Olm nach zwei Zugaben und unter tosendem Applaus von der Bühne entlassen wurde. Er gab dem Publikum folgenden Rat mit: „Verlieren Sie nicht ihren Humor. Denn wir Menschen sind einfach lustig.“

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