Fahren ohne Erlaubnis: 22-Jähriger verurteilt

Haftstrafe nach Verfolgungsjagd

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Silhouette der Justitia Skulptur mit Schwert und Waagschalen.

Herscheid - Ein 22-jähriger Plettenberger wurde gestern vor dem Amtsgericht Plettenberg zu vier Monaten Haft verurteilt. Er hatte sich im Mai in Herscheid eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert und war dabei ohne Führerschein unterwegs. 

Von Anfang an stritt der Angeklagte ab, dass er an diesem Tag mit seinem Fahrzeug gefahren sei. „Meine Freunde können jederzeit mein Auto fahren“, erklärte er Richter Dr. Christopher Schmidt in der Verhandlung. Er selbst sei mit seiner Schwester unterwegs gewesen, ob in Hagen oder Dortmund, daran könnte er sich aber nicht erinnern. 

Die zwei Polizisten, die an der Verfolgungsjagd am 10. Mai beteiligt waren, waren sich jedoch sicher, den jungen Mann hinter dem Steuer erkannt zu haben. Die Polizeistreife befuhr an diesem Tag die Valberter Straße in Richtung Nordhelle, als ihr ein schwarzer Golf 7 GTD entgegenkam. Der Halter des Fahrzeugs war bei der Polizei bekannt, da er schon öfter wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis aufgefallen war. 

Um den Mann im Fahrzeug zu überprüfen, drehte die Streife um und nahm die Verfolgung auf. Der Fahrer des Golf versuchte jedoch zu fliehen. Ohne Rücksicht auf Verluste sei der 22-jährige mit einer enormen Geschwindigkeit durch den Kreisverkehr im Ortskern und weiter Richtung Lüdenscheid gefahren. 

Trotz Gegenverkehr habe der Plettenberger mehrere Autos überholt. Die Polizei versuchte den Flüchtigen zu verfolgen, erreichte dabei selbst eine Geschwindigkeit von etwa 120 km/h und verlor trotzdem den Sichtkontakt. In Höhe der Abzweigung Hardt hatten die Beamten den Fahrer wieder eingeholt, verloren ihn aber erneut. 

„Ich habe ihm genau ins Gesicht gesehen“ 

Einer der beiden Polizisten schilderte gestern in der Verhandlung, dass er dem 22-Jährigen ins Gesicht geschaut habe, als dieser ihm mit seinem Fahrzeug entgegen gekommen sei. „Er hat auffällig zu uns herübergeschaut und dann schnell wieder weg gesehen“, beschreibt der Beamte. Im Gegensatz zu seinem Kollegen, dem der Angeklagten auch zuvor schon bekannt war und der ihn daher im Auto erkannte, sah der zweite Beamte den Plettenberger am Tag der Verfolgungsjagd zum ersten Mal, war sich jedoch gestern sicher, ihn als Fahrer wiederzuerkennen. 

Eine 62-jährige Nachbarin des Plettenbergers war zudem gestern als Zeugin geladen, da die Polizei nach der Verfolgungsjagd das Zuhause des Plettenbergers aufgesucht hatte und dort die Dame angetroffen hatte. Die Beamten befragten die Nachbarin, ob sie den 22-Jährigen zuvor gesehen habe. Diese schilderte, dass sie am Nachmittag kurz mit ihm gesprochen habe, sich danach jedoch umgedreht habe, um im Garten weiter zu arbeiten und schließlich dann sein Auto habe wegfahren hören. Ob er am Steuer gesessen habe, habe sie nicht gesehen. Das Gesamtbild der Zeugenaussagen sprach in den Augen der Staatsanwaltschaft dafür, dass der 22-jährige Plettenberger die Tat begangen hat. 

Zwar bestritt der Angeklagte die Tat, habe jedoch auch nicht genau sagen können, wo er sich zum Tatzeitpunkt befand. Der Angeklagte blieb allerdings bei seiner Aussage, nicht gefahren zu sein. Seine Freunde hätten das Auto erst nachts zurück gebracht und den Schlüssel in den Briefkasten geworfen. Und auch die Polizisten hätten ihn gar nicht erkannt haben können, da er getönte Scheiben habe. Richter Dr. Christopher Schmidt ließ sich davon jedoch nicht beirren, da zum geschilderten Sachverhalt hinzu kam, dass der Angeklagte bereits in der Vergangenheit in fünf anderen Fällen wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis angeklagt war. 

Er verurteilte ihn gestern zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten. Zudem darf dem 22-jährigen ein Jahr lang keine Fahrerlaubnis ausgestellt werden und sein Auto wird eingezogen. „Ich kann keine Einsicht feststellen. Daher glaube ich, dass Sie weiter fahren würden, wenn wir das Fahrzeug nicht einziehen“, begründet der Richter. Der Angeklagte merkte abschließend an: „Ich kann mir auch ein Neues leisten.“ 

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