Zwischen Schlafentzug, Schweiß und Schweinehund

Härtestes Radrennen der Welt: Herscheider radeln quer durch Amerika

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Auch zwei Herscheider radeln mit.

Herscheid/Oceanside – Wer am härtesten Radrennen der Welt, dem Race Across America, mitmachen will, sollte sich gut vorbereiten. In weniger als 100 Tagen, am 15. Juni um 12 Uhr Ortszeit, geht das RAAM- Team des Märkischen Kreises in Oceanside, Kalifornien an den Start. Unter den Fahrern sind auch Markus Gärtner und Julian Becker aus Herscheid.

Landrat Thomas Gemke ruft alle auf, die Botschafter aus dem Sauerland und deren Charity-Projekt, die Palliativstation der Märkischen Kliniken in Lüdenscheid, zu unterstützen. Seit 2017 arbeiten Teamchef Frank Lachnitt und die vier Radsportler Markus Gärtner, Julian Becker, Sven Dunker und Miki Milvoje Nilovic an ihrem gemeinsamen Traum, der sie an ihre körperlichen und mentalen Grenzen bringen wird. Von der West- bis zur Ostküste der USA sind rund 4 800 Kilometer, 50 000 Höhenmeter und extreme Klimaschwankungen zu überwinden.

 Die Tour führt unter anderem durch die extrem heißen und trockenen Wüsten Mojave und Sonora, über die kalten Gebirgszüge der Sierra Nevada, Rockies und Appalachen und durch das schwül-heiße Tal des Mississippi. Es wird Tag und Nacht geradelt. Die vier Radfahrer wechseln sich wie bei einer Staffel ab. Auf ihrem Weg durch zwölf US-Staaten begleitet die Rennradler ein Betreuerteam, das sich präzise wie ein Uhrwerk um die gesamte Logistik kümmert. 

Die Fahrer konzentrieren sich in den maximal neun Tagen und fünf Stunden, die ihnen zur Verfügung stehen, auf sich, ihren Körper und die Bewältigung der Strecke. Viel Raum zum Entspannen und Privatsphäre bietet das gemietete Wohnmobil mit sieben Schlafplätzen nicht. Jeweils fünf Teammitglieder dürfen schlafen, nach sechs Stunden wird rotiert. Schlafentzug ist vorprogrammiert. Zum Tross gehören drei weitere Fahrzeuge zur Absicherung und Versorgung der Radler sowie zur Medienbegleitung.

„Vom Betreuerteam hängt viel ab“, sagt Frank Lachnitt, Krankenpfleger und Atmungstherapeut in den Märkischen Kliniken in Lüdenscheid. Er ist zuversichtlich, dass in den letzten zwei Jahren eine gute Truppe aus elf Betreuern zusammengewachsen ist. Aber: „Es sind schon viele Teams kurz vor dem Ziel zerbrochen, weil sie sich untereinander nicht mehr verstanden haben“. Daher ist Lachnitt froh, in Alexander Fink nicht nur einen guten Navigator gefunden zu haben. 

Der Polizeibeamte aus Schöneck soll mit seiner Gelassenheit auch als Mediator und Streitschlichter in Stresssituationen die Gemüter beruhigen. Zur körperlichen Regeneration und zur Prävention von Verletzungen und Überlastungsschäden der vier Hochleistungssportler legen die Physiotherapeuten Tabea Kaiser aus Lüdenscheid und Volker Stuberg aus Kierspe Hand an. „Bei Unfällen und Verletzungen ist es auch immer gut, eine Notärztin wie Susanne Weber und einen Feuerwehrmann und Notfallsanitäter wie Lars Weber dabei zu haben“, macht Lachnitt deutlich. Auch Handwerkermeister Sven Biehsmann aus Kierspe ist technisch und handwerklich versiert.

 Von Anfang an im Team ist „Kümmerin“ Jana Dopotka, die Partnerin von Julian Becker. Die Herscheiderin ist als Fahrerin und Navigatorin eingesetzt und sowas wie die gute Seele der Gruppe. Für die mediale Dokumentation und Aufbereitung des Teamevents sind Filmemacher Jannik Fischbach aus Olpe und Heilerziehungspfleger Axel Schneider aus Herscheid verantwortlich.

Um die sportliche Leistungsfähigkeit der Biker zu analysieren und zu optimieren ist Sportwissenschaftler Andreas Kramer mit an Bord. Den Trainingsstand über den Winter zu retten, war bisher das Ziel. Dank moderner Technik begeben sich die Radsportler in virtuelle Welten, treffen dort andere Sportbegeisterte und simulieren beispielsweise Berganstiege mit mehr Trittwiderstand und Rennsituationen wie bei der Tour de France.

 Die Trainingsdaten der vollverkabelten Athleten landen alle auf dem Laptop von Andreas Kramer von der Sportklinik Hellersen in Lüdenscheid. Aus ihnen entwickelt der Wissenschaftler individuelle Trainings- und Leistungsziele sowie Tipps, diese Ziele möglichst kräfte- und gelenkschonend umzusetzen. „Jetzt geht es um den Feinschliff“, meint Lachnitt. 

Im Trainingslager auf Mallorca können Gärtner, Becker, Dunker und Nilovic im März endlich wieder in der real Welt Kilometer „fressen“. „Hier in Herscheid hat sich eine schöne Radsportgemeinschaft entwickelt“, freut sich der Teamkoordinator über die Unterstützung. Rot im Kalender anstreichen können sich Radsportler aus der Region schon mal den 14. April: Dann will das RAAM Team die RAAM-Südroute im Märkischen Kreis mit möglichst vielen ambitionierten Rennradlern abfahren.

Noch ist die Finanzierung des Traums nicht ganz in trockenen Tüchern. „Spritkosten und Verpflegung sowie Materialien für Transportboxen oder Ersatzteile für die Autos – also die gesamten Unterhaltskosten vor Ort – fehlen noch“, erklärt Lachnitt. Einen Anteil ihrer Sponsorengelder und Werbeeinnahmen spendet das Team an den Förderverein Palliativstation des Klinikums Lüdenscheid. „Für unser Charity-Projekt sammeln wir bis zur letzten Minute“, verspricht Lachnitt. Was nach dem Rennen in Annapolis an Geld übrig ist, fließt ebenfalls komplett in Projekte des Fördervereins. Weitere Infos und Spendenmöglichkeiten unter www.raamteam2019.de.

eB

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