Haben Sie Ideen, wie die Landflucht gebremst werden kann? Das sagen die Parteien / die Wählergemeinschaft

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Am Rahlenberg entsteht mit dem Bildungszentrum eine topmoderne Einrichtung, in die im nächsten Sommer die Grundschulen Herscheid und Hüinghausen einziehen sollen. Doch mit dem Wechsel auf eine weiterführende Schule lernen die Kinder die größeren Städte in der Nachbarschaft kennen. Spätestens wegen der Berufsausbildung oder des Studiums verlassen viele junge Erwachsene die Ebbegemeinde. 

Herscheid - Sechs Fragen stellt das ST den für den Herscheider Gemeinderat kandidierenden Parteien beziehungsweise der Wählergemeinschaft. Die zweite Frage lautet: Haben Sie Ideen, wie die Landflucht gebremst werden kann?

Die Antworten der Parteien / der Wählergemeinschaft.

CDU: Hier ist genug Potential vorhanden

Was viele nicht wissen: Herscheid liegt mitten in der drittstärksten Industrieregion Deutschlands mit vielen Weltmarktführern. Wir glauben nicht, dass die Landflucht an fehlenden Ausbildungs- und Arbeitsplätzen liegt. Hier ist genug Potenzial vorhanden. Auch die fehlenden weiterführenden Schulformen sind in den Nachbarkommunen gut zu erreichen. Die Vereine mit Jugendarbeit können vor Ort früh für eine bleibende Bindung an den Heimatort sorgen. Es sind weiche Standortfaktoren, die junge Leute in die großen Städte locken. Unsere Aufgabe wird es sein mit Attraktivierung (intelligenter ÖPNV, schnelles Internet, Netzwerk für Fahrgemeinschaften) dagegen zu wirken. Wir glauben auch, dass dann viele junge Menschen den Weg zurück in unsere Gemeinde finden werden, wenn sie Familie gründen und bezahlbaren und gut behüteten Wohnraum suchen.

SPD: Wir müssen in unserer Region denken

Entgegen der Prognosen ist die Einwohnerzahl in Herscheid relativ stabil. Wenn jemand studiert und der zukünftige Beruf in unserer Region selten zu finden ist, kann auch eine Kommune daran wenig ändern. Wichtiger ist jedoch, dass viele Menschen wegen der Attraktivität Herscheids hierher ziehen. Dies spricht dafür, dass der eingeschlagene Weg fortgesetzt werden muss. In den zurückliegenden Jahren sind Mittel in Höhe von rund 18 Mio. Euro verbaut worden bzw. sind verplant, damit Herscheid noch lebenswerter wird. Dieser Prozess muss unter Beteiligung der Bevölkerung fortgesetzt werden. Weitere Angebote für die Freizeitgestaltung sind noch stärker in den Fokus zu rücken. Auch das Kulturangebot soll durch zusätzliche Mittel und eine Vernetzung der Beteiligten aus Vereinen und Institutionen ausgeweitet werden. Wir müssen in unserer Region und über die Gemeindegrenzen hinaus denken. Die Beteiligung an dem Förderprogramm – Regionale 2025 – wird uns weiterbringen. Im Verbund mit anderen Beteiligten wird unsere Region noch attraktiver für diejenigen, die sich eventuell für einen Fortzug entscheiden ebenso für Neubürgerinnen und Neubürger, die in Herscheid wohnen und arbeiten möchten. Dazu gehört auch, dass freie Baulücken besser vermarktet und weitere Baugebiete erschlossen werden. Die Nachfrage dafür ist groß. Es gilt, wer hier lebt, möchte auch hier arbeiten. Im Einklang mit Natur und Umwelt sollen ebenso weitere Industrieflächen zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen entstehen.

UWG: Lebenswertes Umfeld mit Vorteilen

Für eine Ausbildung oder ein Studium ist es oft erforderlich, die Gemeinde zu verlassen, da es passende Angebote in Herscheid nicht gibt. Als kleine Gemeinde kann dieses Angebot vor Ort nicht vorgehalten werden, sodass hier nur ein gemeinsames Vorgehen mit den Nachbarkommunen möglich ist. Aber auch die Gemeinde ist gefordert, mit einer wirtschaftsfreundlichen Politik attraktive Bedingungen zu schaffen, damit neben Arbeitsplätzen auch Ausbildungsplätze mit Zukunftsperspektive geschaffen werden. Wichtig ist es auch, dafür zu sorgen, dass die jungen Herscheider*Innen die für Ausbildung und Studium die Gemeinde verlassen haben, nach dem Abschluss gerne wieder zurückkommen. Die Rückkehrer müssen dann ein gutes Angebot an Wohnungen und Bauflächen, ein attraktives Freizeitangebot, ein aktives Vereinsleben in einem intakten sozialen Umfeld mit attraktivem Ortsbild (z. B. Dorfwiesen) sowie ein gutes Angebot in Kindergärten, Schulen und dem Jugendzentrum vorfinden. Dazu gehören auch Einkaufsmöglichkeiten für die Grundversorgung, Ärzte, Zahnärzte und Apotheke sowie eine gute digitale Infrastruktur (Breitbandausbau), die Homeoffice ermöglicht. Somit bietet auch eine kleine Gemeinde ein lebenswertes Umfeld mit Vorteilen gegenüber einer großen Stadt. Für viele Angebote kann die Gemeinde nur den Impuls setzen, vieles kommt als (ehrenamtliches) Engagement aus der Bürgerschaft heraus. Daher ist es ein wichtiges Ziel der UWG, alle diejenigen zu unterstützen, die sich ehrenamtlich einbringen.

Bündnis 90 / Die Grünen: Pop-Up-Stores in geschäftlichen Leerständen

Herscheid muss Menschen aller Altersgruppen genug Anreize bieten, ohne jedoch seinen ursprünglichen Charakter als liebenswerte Ebbegemeinde einzubüßen. Das pulsierende Leben einer Großstadt wird hier auch in näherer Zukunft nicht zu finden sein und sind wir mal ehrlich: Dann wäre Herscheid auch nicht mehr Herscheid. Nichtsdestotrotz können weitere Anreize geschaffen werden und erhalten bleiben. Dazu zählt eine stärkere Versorgungssituation im Bereich des Einzelhandels, aber auch im Bereich der medizinischen Versorgung. Für geschäftliche Leerstände wäre unserer Meinung nach ein System wie bei Pop-Up-Stores ein gangbarer Weg. Außerdem muss der öffentliche Personennahverkehr gestärkt werden. Dieser ist schlicht zu teuer und bietet damit zu wenig Anreize für unsere Bürgerinnen und Bürger vermehrt mit dem Bus zu fahren. Weiterhin muss an einem sicheren Radwegenetz und an dem Breitbandausbau gearbeitet werden, was auch für die Randgebiete gilt. Ein weiteres Problem erscheint uns der fehlende Wohnraum. Hier sollte man unter anderem schauen, dass man Baulücken schließt bzw. Leerstände vermeidet und Anreize mit Förderprogrammen für junge Familien schafft. Priorität sollte dabei allerdings die Nutzung der leerstehenden Gebäude haben. Darüber hinaus muss der U3-Bereich in den Kindergärten ausgebaut werden.

FDP: Industrie und das Handwerk vor Ort weiter stärken

Wir haben bereits in der Vergangenheit aktiv daran mitgewirkt, die Gemeinde attraktiv auch für Rückkehrer und Neubürger zu gestalten. Hierzu gehören nicht zuletzt die außergewöhnliche Wohnqualität, die Attraktivität für Familien, die Ausweisung von bedarfsgerechten Neubaugebieten sowie die Förderung der Infrastruktur. Mit Vollendung der Rahlenbergschule werden wir eine der modernsten Grundschulen in ganz NRW besitzen, der Ausbau des Freibads geht ebenso voran wie die Versorgung der gesamten Gemeinde mit schnellem Internet bis zum Jahr 2022. Auch die Sanierung der Gemeinschaftshalle trägt dazu bei, Kulturveranstaltungen in Coronazeiten anbieten zu können. Wir wollen darüber hinaus die Industrie und das Handwerk vor Ort weiter stärken, damit auch zukünftig attraktive Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Die Anbindung an die A 45 ermöglicht darüber hinaus eine schnelle Erreichbarkeit der Metropolen an Rhein und Ruhr. In Gesprächen mit dem Träger und unter Bürgerbeteiligung wollen wir eine Nachnutzung der Grundschule Hüinghausen beispielsweise als Kindergarten prüfen, um den Standort für junge Familien zu sichern und das Betreuungsangebot erhalten bzw. ausbauen. Bürgerengagement muss weiterhin unbürokratisch und bestmöglich von Rat und Verwaltung gefördert werden, viele Angebote des Rathauses sollen weiter digitalisiert und möglichst online und vor Ort zur Verfügung stehen. Auch das gastronomische Angebot muss insbesondere in Coronazeiten entsprechend unterstützt und erweitert werden.

ÖDP: Attraktiver Faktor ist die Nähe zur Natur

Schon auf der weiterführenden Schule orientieren sich die Jugendlichen in die Nachbarstädte, viele verlassen Herscheid danach für Studium/Ausbildung und erste Berufserfahrungen. Unserer Beobachtung nach kommen viele ehemalige Herscheider aber zurück, wenn es darum geht, mit ihrer Partnerin / ihrem Partner einen Mittelpunkt für ihre „junge Familie” zu finden. Wir denken Herscheid kann den temporären Weggang junger Herscheider nicht stoppen, aber dafür Sorge tragen, dass sie gerne zurückkehren. Dies geht beispielsweise durch attraktive Jobs in familienfreundlichen und innovativen Unternehmen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen. Auch eine gute Anbindung an den regionalen und überregionalen ÖPNV macht Herscheid attraktiv für Pendler, die in den Nachbarkommunen arbeiten. Vor allem junge Familien benötigen bedarfsgerechte Plätze in Kindertagesstätten und Kindertagespflege, die vor allem dezentral und wohnortnah zur Verfügung stehen müssen. Ein großer Attraktivitätsfaktor für Rückkehrer ist unsere Nähe zur Natur, von jedem Punkt in Herscheid ist man beispielsweise in wenigen Minuten im Wald. Diese unsere Naherholungsgebiete gilt es zu schützen und auch für die nachkommenden Generationen zu erhalten. Ein wichtiger Punkt wird zudem die Förderung von Modernisierungsarbeiten (energetisch, durch Nachrüstung regenerativer Energieerzeugung, usw.) an älteren Wohnhäusern sein, da in vielen Wohngebieten der 70er und 80er Jahre ein Generationswechsel ansteht.

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