Einige Herscheider müssen weiterhin doppelt bezahlen

Grünabfall: "Jede Möglichkeit ist mit mehr Kosten verbunden"

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Herscheid - Eine gerechte Lösung gibt es nicht. Das Thema Entsorgung von Grünabfällen bleibt weiter umstritten und für einige Bürger doppelt teuer.

In den Abfallgebühren der Gemeinde Herscheid ist auch die Entsorgung von Grünabfällen enthalten. So müssen alle Bürger für die Entsorgung des Grünabfalls in den Containern bezahlen, auch wenn sie diese gar nicht nutzen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn man ein Unternehmen mit der Pflege des eigenen Grundstücks beauftragt, welches auch für die Entsorgung des entstandenen Grünabfalls bezahlt werden muss. Unternehmen dürfen die Container, die den Bürgern vorbehalten sind nicht nutzten.

Die Gründe, ein solches Unternehmen zu beauftragen, sind vielfältig. Zum Teil aus freien Stücken, aber teilweise auch aus Altersgründen, wenn die Personen nicht mehr in der Lage sind, ihre hauseigenen Grünanlagen aus eigener Kraft heraus in Ordnung zu halten. Durch den demografischen Wandel werden dies in Zukunft wahrscheinlich auch noch mehr. Personen sein.

Um dieser Ungerechtigkeit des doppelten Bezahlens entgegenzuwirken, hatte die CDU Herscheid bereits vor einigen Monaten einen Antrag an den Umweltausschuss gestellt, in dem die Verwaltung damit beauftragt wurde, Lösungsmöglichkeiten für dieses Problem zu prüfen. Die Bearbeitung und Ermittlungen dauerten mehrere Monate; ein zufriedenstellendes Ergebnis konnte jedoch nicht erzielt werden.

„Es ist momentan keine Lösung sichtbar, die nicht mit höheren Kosten für die ganze Bevölkerung verbunden ist“, erklärt Thomas Hartung, CDU-Geschäftsführer, nach der jüngsten Ausschuss-Sitzung. Aus diesem Grund werde vorerst auch kein weiterer Antrag der CDU gestellt, sondern das Thema auf Eis gelegt. Vielleicht nehme man die Idee später jedoch noch einmal auf. Thomas Hartung empfiehlt den älteren Bürgern, sich von ihrem Enkel oder einem Nachbarn bei der Entsorgung helfen zu lassen beziehungsweise mitzugehen, wenn jemand anderes für einen Herscheider den Grünabfall entsorgt.

Der erste der drei Lösungsansätze, die geprüft wurden, war die generelle Freigabe der Container. In diesem Fall sei jedoch nicht mehr zu kontrollieren, ob die Abfälle, die eingeworfen werden, auch tatsächlich aus Herscheid stammen. Das könne eine enorme Zunahme an Grünabfall zur Folge haben und somit auch eine Gebührensteigerung. Bisher ist es so, dass Anwohner, die Personen sehen, die nicht in Herscheid wohnen und Grünabfall in den Containern entsorgen, anzeigen können. Mit der Freigabe sei das nicht mehr möglich und daher auch nicht mehr kontrollierbar, wer seinen Abfall dort entsorgt.

Die zweite Überlegung war eine Entsorgungsmöglichkeit am Bauhof. Die gewerblichen Anbieter könnten die Abfälle unter Vorlage einer Bestätigung eines Herscheider Auftraggebers am Bauhof abliefern. Diese Möglichkeit sei jedoch organisatorisch und aus Platzgründen schwierig, wie sich nach einer Rücksprache mit dem Bauhof herausgestellt hat. Der immer weiter steigende Platzbedarf erfordere bereits jetzt eine Erweiterung des Bauhofgeländes und auch bei dieser Lösung sei eine deutliche Gebührensteigerung zu erwarten. Diese unterliege allerdings hinsichtlich der Abgabemenge einer gewissen Kontrolle.

Hinzu kämen weitere Kosten, wie die Schaffung von mehreren Containerstellplätzen am Bauhof und zusätzliche Personalkosten für die Entgegennahme und Kontrolle des Grünabfalls, heißt es von der Gemeindeverwaltung.

Die dritte Option war, die Anlieferung gewerblicher Grünabfälle weiterhin zu verbieten, aber im Gegenzug den Auftraggebern eine Gebührenerstattung anzubieten. Dazu müsste eine Rechnung eines Gartenbauunternehmens über die Entsorgungskosten vorgelegt werden. Die Gebühr hätte dann in Höhe des Anteils der Grünabfallentsorgung in der Abfallentsorgungsgebühr erstattet werden können; dieser liegt momentan bei etwa 18 Prozent. Dadurch würden zwar keine Mehrkosten für die Entsorgung von Grünabfällen anfallen, trotzdem würde es laut der Gemeinde Herscheid zu einer Gebührensteigerung auf Grund der zu erwartenden Personalkosten in der Verwaltung für die Erstattung kommen, die nicht beziffert werden könnten.

Alle drei Maßnahmen könnten somit nicht ohne die Erhöhung der Abfallgebühren umgesetzt werden. Diese dürfte bei mindestens 7 200 Euro (17 Cent pro 120-Liter-Behälter-Leerung) liegen, könnten aber schnell ein Vielfaches betragen, erklärt die Gemeinde Herscheid. Bis ein Verfahren gefunden wird, müssen diejenigen, die für die Entsorgung des Grünabfalls ein Unternehmen beauftragen, also weiterhin doppelt zahlen.

Grünabfall in Plettenberg:

In der Nachbarstadt Plettenberg gibt es zum Thema Kosten für privaten Grünabfall übrigens auch keine feste Regelung. Auch hier müssen Bürger, die ein Unternehmen mit der Grünpflege beauftragen, doppelt für die Entsorgung bezahlen – einmal beim Unternehmen und einmal als Anteil in den Abfallentsorgungsgebühren. Wenn in Herscheid eine Lösung gefunden werde, würde man sich diese jedoch interessiert anschauen, erklärt Kämmerer Jens Groll.

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