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Glücksfall wird zum Bremsklotz bei Sanierung des Wahrzeichens

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Von: Dirk Grein

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Am Erscheinungsbild der Apostelkirche wird sich so schnell nichts ändern: Die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten können nicht wie geplant nach dem Osterfest beginnen – sondern frühestens im Mai 2023.
Am Erscheinungsbild der Apostelkirche wird sich so schnell nichts ändern: Die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten können nicht wie geplant nach dem Osterfest beginnen – sondern frühestens im Mai 2023. © Foto: Lohmann

Der Zeitplan stand, die Vorfreude war groß: Am Dienstag nach Ostern sollte die Sanierung der Apostelkirche beginnen – doch daraus wird nichts. Die Evangelische Kirchengemeinde muss sich in Geduld üben, denn der herbeigesehnte Startschuss für die Arbeiten fällt nun erst in einem Jahr.

Herscheid - Der Grund für diese erneute Verzögerung ist eigentlich ein erfreulicher: Der Bund hat in einem Denkmalschutz-Sonderprogramm Fördermittel für das Herscheider Wahrzeichen vorgesehen, genau 548 114 Euro. Dieser Glücksfall wird für das Bauvorhaben zum Bremsklotz, wie sich nun herausstellt.

Denn wie Gemeindepfarrer Bodo Meier berichtet, ist die Summe um 48 000 Euro zu hoch, um das Planverfahren wie begonnen fortzusetzen: „Alles über einer halben Million Euro ist ausschreibungspflichtig.“ Zunächst war die Gemeinde noch davon ausgegangen, dass diese Regel nicht für Denkmäler wie die Apostelkirche gilt. Doch die Förderrichtlinien wurden geändert und die Denkmal-Ausnahme wurde gestrichen. „Das hat uns zurückgeworfen“, sagt Meier.

Damit meint er weniger den Vorgang an sich: Ein Planer-Wettbewerb für die drei Bereiche Architektur, Technik und Statik konnte nach vielen Gesprächen mit Experten inzwischen bereits durchgeführt werden, mit einer Frist bis Anfang März. Dabei habe die Kirchengemeinde einige Absagen erhalten oder auch gar keine Antworten. Letztlich wurde jedoch für jeden der genannten Bereiche ein Planungsbüro gefunden.

Das Problem: Die Büros haben volle Auftragbücher und auch die Handwerker, die zur Ausführung der anfallenden Arbeiten beauftragt werden müssen, sind über viele Monate hinweg ausgebucht. Der Start für die Renovierung in der Apostelkirche verschiebt sich daher von Ostern 2022 auf Mai 2023; mit einer Fertigstellung sei frühestens im Winter nächsten Jahres, vermutlich aber erst im Frühjahr 2024 zu rechnen.

Die Ausschreibung der Maßnahme sei in dem Verfahren zwingend notwendig gewesen. „Ansonsten hätten wir die Rückzahlung der Fördermittel riskiert“, erklärt der Gemeindepfarrer. Er macht dennoch keinen Hehl daraus, dass ihn die zusätzliche Wartezeit ärgert.

Meier erinnert daran, dass sich die Evangelische Kirchengemeinde seit dem Jahr 2016 mit der Sanierung befasse und dass aus unterschiedlichen Gründen immer wieder Verzögerungen aufgetreten seien. Diese sollten nach der erlösenden Nachricht, dass der Bund das Projekt bezuschusst, ein Ende haben. Finanz- und Zeitplan standen fest und mit der Auftaktveranstaltung im Oktober 2021 wurde eine Aufbruchstimmung in der Herscheider Gemeinde erzeugt, die nun einen empfindlichen Dämpfer erhält. „Die Wartezeit ist störend“, sagt der Pfarrer.

Zu erwarten sei damit ein weiteres Jahr mit immensen Heizkosten und verrußten Wänden. Aus statischer Sicht bestehe keine Gefahr, die Kirche könne weiter uneingeschränkt genutzt werden, versichert Meier. Für einige Brautpaare, deren Terminanfragen für dieses Jahr bereits eine Absage erteilt wurde, könnte sich die Verschiebung sogar als Vorteil erweisen.

Ohnehin betont Gemeindepfarrer Meier, dass das Gesamtprojekt nicht ins Wanken geraten sei: Die Bundesfördermittel seien in ihrer Verwendung zwar zeitlich befristet, allerdings auf einen Zeitraum von fünf Jahren. Daher ergeben sich in dieser Hinsicht keine Probleme.

So ärgerlich die Verzögerung auch ist: Von diesem Rückschlag wolle sich die Kirchengemeinde nicht entmutigen lassen. „Wir sind uns der Verantwortung für eines der ältesten und wichtigsten Gebäude in Herscheid bewusst“, sagt der Gemeindepfarrer, der hofft, dass durch die Ausschreibungen die letzten Verzögerungen im Zuge der Sanierung der Apostelkirche aufgetreten sind.

Spendenaktion gut angelaufen: 15 Prozent von 200 000 Euro sind erreicht – weitere Unterstützung benötigt

Austausch der Fußbodenheizung, Erneuerung des Bodenbelags, restauratorische Aufarbeitung aller Bauteile und Einrichtungsgegenstände: Die Sanierung der Apostelkirche umfasst viele Arbeitsschritte und wird daher teuer. Auf rund 1,36 Millionen Euro werden die Gesamtkosten geschätzt. Eine Summe, die unter anderem durch Bundesfördermittel (548 114 Euro), 135 000 Euro vom Kirchenkreis und 240 000 Euro aus eigenen Mitteln aufgebracht werden soll. Zudem sei das Projekt auf Spenden angewiesen: Als Zielsetzung dafür sind 200 000 Euro vorgesehen. Mit der Auftaktveranstaltung im Oktober begann die Spendensammlung; ein halbes Jahr später zieht Pfarrer Meier ein erfreuliches Zwischenfazit. „Wir liegen bei 15 Prozent, das ist nach sechs Monaten gut, aber wir sind natürlich auf weitere Unterstützung angewiesen.“ In den kommenden Wochen und Monaten seien Aktionen und Feste geplant, mit denen auf die Renovierung des Gotteshauses aufmerksam gemacht werden soll. Um die Organisation kümmere sich die Gruppe 127.1, die sich in der Kirchengemeinde gebildet hat. Der Name bezieht sich auf den Bibelpsalm 127: „Wenn der Herr nicht das Haus baut, dann ist alle Mühe der Bauleute umsonst.“ Spenden können auf das Konto der Evangelischen Kreiskirchenkasse Lüdenscheid überwiesen werden: DE28 3506 0190 2001 1930 18; Spender sollten den Betreff „KG Herscheid - Renovierung Kirche“ und ihre Adresse angeben.

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