Nur wenige Winterschäden im Wald / Sorgen bereiten die kleinen Schädlinge

Nach der Kälte kommt der Käfer: 2022 keine Fichten mehr in Herscheid? 

 Am Böllenberg wurde besonders viel abgeholzt.
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Am Böllenberg wurde besonders viel abgeholzt.

Schnee und Eis haben sich vorerst aus Herscheid verabschiedet, doch was für Spuren sind geblieben? „Im Wald haben wir gar nicht mal so viele Schäden“, bilanziert Klaus Kermes, Leiter des heimischen Forstbetriebsbezirkes, mit Blick auf die Situation im Forst.

Herscheid - Hier und da seien zwar Laubbäume abgebrochen, aber insgesamt bezeichnet er die Auswirkungen des Winters als „nicht so gravierend“. Stark betroffen seien eigentlich nur Buchen und Birken gewesen. Bei den Nadelbäumen habe die große Schneelast kaum etwas anrichten können.

Sorgen bereitet Kermes dagegen ein anderes Thema: „Beim Borkenkäfer schwant mir schon wieder Schlimmes.“ Die kleinen Schädlinge hätten „mühelos überwintern können“. Die seit drei Jahren stattfindende Massenvermehrung dürfte sich also weiter fortsetzen. „Die Käfer stecken im Boden und 70 bis 80 Prozent von ihnen sogar in den Baumrinden. Ab 16,5 Grad fliegen sie los und suchen sich neue Opfer“, rechnet Klaus Kermes ab März mit einer neuen Borkenkäfer-Welle.

Umso wichtiger ist für ihn, dass bis dahin so viele von Schädlingen befallene Bäume wie möglich aus den Wäldern geholt werden. Das „Abfahren von Holz“ sei das Einzige, was man aktuell im Kampf gegen den Borkenkäfer leisten könne. Mit Pestiziden oder natürlichen Feinden, wie Spechten und Meisen, komme man nicht weiter. „Pro Hektar sitzen Millionen von Käfern“, bringt Kermes die schiere Menge auf den Punkt. Dass es allein hier im vergangenen Jahr vier Borkenkäfer-Generationen gegeben habe, sei ein Novum.

Wenn das so weitergehe, könne es vielleicht schon 2022 keine Fichten mehr in Herscheid geben. Große Teile des Märkischen Kreises seien bereits entfichtet. Hoffnung macht dem Forstexperten ein Blick in die Vergangenheit: Die letzte extreme Borkenkäfer-Plage endete 1950 nach vier Jahren. „Irgendwann muss die Massenvermehrung ja zusammenbrechen.“ Dafür wünscht sich Kermes jetzt eine möglichst nasse Zeit bis in den Sommer hinein: „Das mag zwar der Bürger nicht, aber die Bäume hätten wieder die Chance, Harz zu bilden und damit widerstandsfähiger zu werden.“

Im Wald stapelt sich weiter das Holz.

Diesem Wunsch kann sich Rolf Brühne, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Herscheid, nur anschließen: „Wenn es kein nasses Frühjahr gibt, spitzt sich unsere Lage weiter zu.“ Die staatlichen Fördergelder für Waldbesitzer sind für ihn nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Es sei jedoch Wunschdenken, daran zu glauben, zeitnah mehr Geld zu bekommen. „Gerade in diesen Zeiten wollen auch Andere unterstützt werden. Man sollte trotzdem nicht vergessen, was der Forst für die Allgemeinheit leistet“, erinnert Brühne an die vielfältigen Funktionen des Waldes. Er bittet in diesem Zusammenhang auch um Verständnis, wenn Wege durch Holztransporte in Mitleidenschaft gezogen werden. 

Gute Nachrichten gibt es dagegen vom Holzmarkt: „Die Preise ziehen wieder an.“ Von einer „erfreulichen Entwicklung“ spricht auch Klaus Kermes. Der Export nach China und Südkorea sei sehr gefragt. Auch einheimische Sägewerke würden wieder etwas besser zahlen, weil das Angebot nicht mehr so groß ausfalle. Dennoch bleibe es angesichts der Probleme mit dem Borkenkäfer dabei: „Die Waldbesitzer stecken in einer wirtschaftlichen Katastrophe.“

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