Gemeinde kooperiert mit dem Ruhrverband

Altes Leben zurückgeben

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Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper gab grünes Licht für die Gewässer-Kooperation, die durch die Unterzeichnung der Vereinbarung durch Bürgermeister Uwe Schmalenbach (rechts) und Professor Norbert Jardin, technischer Vorstand des Ruhrverbands (links), besiegelt wurde.

Herscheid – In der heimischen Region gilt diese Zusammenarbeit als Pilotprojekt: Als erste Kommune im Märkischen Kreis geht die Gemeinde Herscheid mit Wirkung vom 1. Februar eine Kooperation mit dem Ruhrverband ein. Ziel der Partner: Sie wollen naturnahe Gewässer gestalten.

„Die Anforderungen der Gewässerunterhaltung steigen“, erklärte Bürgermeister Uwe Schmalenbach bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung im Rathaus. Bislang habe sich der Bauhof im Rahmen seiner Möglichkeiten diesem großen Themenfeld gewidmet. Um die gesetzlichen Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie einhalten zu können, aber auch, um das ein oder andere größere Projekt zu realisieren, benötige die Gemeinde einen kompetenten Partner, sagte Schmalenbach. 

Handlungsbedarf bestehe im Bereich der Industriebrachen in Weiße Ahe. Dort soll der Ahebach freigelegt werden. Wegen der Nutzung der Wasserkraft sei es früher normal gewesen, dass vor allem Hammerwerke an Gewässern entstanden sind. Schmalenbach: „Heute würde sich kein Unternehmen für einen solchen Standort entscheiden.“ Damit spielte er nicht nur auf die veränderten Arbeitsbedingungen an, sondern vorrangig auf die klimatischen Unterschiede. Die punktuellen Hochwasser werden in Zukunft zunehmen, dessen ist sich der Bürgermeister sicher. Vor diesem Hintergrund sei es notwendig, sich im Bereich Gewässerunterhaltung besser aufzustellen. 

Der Ruhrverband wird künftig für das rund 12,6 Quadratkilometer große Einzugsgebiet von Weiße Ahe und Bruchbach zuständig sein. Einschließlich der einmündenden Nebengewässer erstreckt sich die Länge aller Gewässer in diesem Bereich auf etwa 22 Kilometer. 

Professor Norbert Jardin, technischer Vorstand des Ruhrverbands, betonte, dass die Gemeinde durch die Kooperation nicht an Gestaltungsspielraum verliere und erklärte die Kooperation mit einem musikalischen Vergleich: „Die Gemeinde behält den Taktstock in der Hand, blickt aber auf Notenblätter, die vom Ruhrverband gestaltet werden.“ Dies gelte natürlich auch für die Finanzierung: Bei größeren Maßnahmen könne man sich zwar um Fördergelder bemühen, ansonsten komme die Gemeinde Herscheid für entstehende Kosten auf. 

Weniger anhand von Zahlen, dafür umso emotionaler bewertete Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper die Zusammenarbeit: Wasser bedeute Leben. Durch Verrohrung, Begradigung oder Aufstauung hätten die Menschen die Gewässer zu Arbeitstieren gemacht. Nun sei es an der Zeit, ihnen das alte Leben wiederzugeben, meinte die Kreisdirektorin. 

Als Paradebeispiel nannte sie den Volmepark in Kierspe. Durch die Renaturierung der Volme fließt der Fluss dort über das neu gestaltete Freizeitgelände. Dies sei auch eine Art von Umweltbildung, weil Kinder nicht nur planschen, sondern auch das Ökosystem Wasser begreifen können, freute sich Dienstel-Kümper. 

Eine ähnliche Entwicklung erhofft sich Uwe Schmalenbach auch für das Herscheider Freibad. Dort soll der Bruchbach verschwenkt und erlebbar gemacht werden. Aus Kostengründen musste diese Maßnahme zwar der Beckensanierung untergeordnet und zunächst zurückgestellt werden. Doch durch die vereinbarte Kooperation mit dem Ruhrverband könnten die Bemühungen zumindest planerisch wieder intensiviert werden.

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