Herscheider streitet Vorwürfe vehement ab

Drogenbestellung im Internet

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Statue der Justitia

HERSCHEID - Auf dem schmalen Grat zwischen Strafe und Hilfe bewegte sich gestern ein Jugendstrafverfahren im Amtsgericht Altena: Angeklagt war ein 22-jähriger Herscheider, dem verschiedene Delikte vorgeworfen wurden.

So sollte er – noch als Heranwachsender – im Februar 2016 über das Internet Amphetamine bestellt haben. Doch die an den Angeklagten adressierte Sendung kam nie in Herscheid an: Aufgrund erfolgreicher Ermittlungen ließ die Staatsanwaltschaft Aachen 100 solcher Sendungen beschlagnahmen. Der Stoff war darin in CD-Hüllen verpackt. 

Aufgrund der Menge der Drogen, knapp 28 Gramm Amphetamin, hätte einem Erwachsenen für einen solchen Handel mit einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel eine Mindeststrafe von einem Jahr gedroht. Das Jugendstrafrecht hätte eine weitaus größere Palette an helfenden Sanktionsmöglichkeiten geboten, aber der junge Herscheider bestritt die Tat vehement: „Ich habe weder Amphetamin noch irgendwas im Internet bestellt. Das kann auf keinen Fall sein.“ 

Die Erklärung, warum in Aachen eine an ihn adressierte Sendung gefunden wurde, war robust, aber letztlich nicht zu widerlegen: „Irgendjemand hat es bestellt auf meinen Namen und fischte es dann aus dem Briefkasten“, fasste Richter Dirk Reckschmidt die ausschweifende Erklärung des Angeklagten zusammen. 

Weil es keine anderen Beweismittel, etwa eine Bestellung, gab, stellte das Jugendschöffengericht dieses Verfahren vorläufig ein. Dennoch blieb der Vorsitzende Richter skeptisch: „Da spricht gar nicht so wenig dafür, dass das für den Angeklagten bestimmt war.“ 

Was blieb, waren Kleinmengen von Amphetaminen, Ecstasy-Pillen und Marihuana, die am 18. August bei einer Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten gefunden wurden. In dieser Sache war der Angeklagte geständig. Die Drogen habe er für den „Eigenbedarf“ gebunkert. Da er zum Zeitpunkt des Polizeibesuchs bereits 21 Jahre alt war, blieb nur das Erwachsenstrafrecht. Das Jugendschöffengericht verurteilte ihn zu 50 Tagessätzen zu je 15 Euro. 

Richter Dirk Reckschmidt bedauerte, dass mit diesem Urteil nicht die Hilfsangebote des Jugendstrafrechts zum Tragen kamen und empfahl dem Angeklagten, entsprechende Hilfen freiwillig in Anspruch zu nehmen. Denn wie die Fotos von der Wohnungsdurchsuchung belegten, war er offensichtlich ziemlich versumpft in seinem Drogenkonsum. 

Zwei abgebrochene Ausbildungen trugen zur schwierigen Lage bei. „Ich bin nicht jedes Mal so zum Unterricht erschienen, wie die Lehrer das für erforderlich hielten“, gestand der junge Mann. Der Richter mahnte ihn, sein Leben endlich in die Hand zu nehmen und warnte vor dem bruchlosen Übergang vom Hartz-IV-Bezug in die Altersgrundsicherung

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