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Corona-Fall: Infektiöser Patient legt Arztpraxis im MK lahm

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Von: Michael Koll

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Kornelia Hauswald, hier bei einer Corona-Impfung im Mai, kann kaum fassen, dass ein infektiöser Mann einfach in ihre Praxis marschiert ist. Die Folge: Sie und ihr Mann Michael sowie zwei Sprechstundenhilfen sind nun an Corona erkrankt.
Kornelia Hauswald, hier bei einer Corona-Impfung im Mai, kann kaum fassen, dass ein infektiöser Mann einfach in ihre Praxis marschiert ist. Die Folge: Sie und ihr Mann Michael sowie zwei Sprechstundenhilfen sind nun an Corona erkrankt. © Archivfoto

„Das war schon sehr frech, fand ich“, sagt Dr. Kornelia Hauswald. Die heimische Kinderärztin klingt sehr ruhig und gefasst, als sie das sagt. Dann aber schwankt ihre Stimme doch ein wenig. Sie schiebt hinterher: „Bitte schreiben Sie, dass die Patienten am Telefon doch bitte die Wahrheit sagen sollen!“

Herscheid - Was war passiert? Hauswald, die in einer Gemeinschaftspraxis mit ihrem Mann und Allgemeinmediziner Michael sowie fünf Angestellten arbeitet, hat sich mit Covid-19 infiziert. Auch betroffen sind ihr Gatte sowie zwei der Sprechstundenhilfen. „Mir geht es aber noch am besten“, sagt Kornelia Hauswald am Telefon. „Bei meinem Mann hingegen ist es ziemlich heftig.“

Folgen der Infektion „tragisch“

Eigentlich haben die beiden Mediziner und ihre Mitarbeiter gedacht, sie hätten sich bestmöglich vor einer Erkrankung geschützt. Patienten mussten ihr Anliegen vorher telefonisch vortragen. „Die Erkrankten, ob Corona oder andere Krankheiten, haben wir im Hinterhof versorgt“, schildert die Herscheider Kinderärztin.

In die Praxisräume hinein kamen nur die vermeintlich Gesunden. „Doch dann hat sich einer ein Stück zu lang in der Praxis aufgehalten“, sagt Kornelia Hauswald sachlich. Dann schildert sie den Vorfall etwas ausführlicher. „Der Mann sagte plötzlich, dass seine Partnerin sich bereits in Quarantäne befinde. Und er sei jetzt auch erkrankt. Davon war vorab am Telefon keine Rede gewesen.“

Die Folgen der Ereignisse, die die Fachärztin für Kinderheilkunde als „tragisch“ bezeichnet, ließen nicht lange auf sich warten. Am Dienstag schloss das Gesundheitsamt die Praxis. Die drei noch gesunden – und stets getesteten – Sprechstundenhilfen arbeiten indes weiter. Sprechstundenhilfe Katrin Weide formuliert es so: „Wir versuchen, hier Schadensbegrenzung zu leisten.“

Rezepte können abgeholt werden

Konkret heißt das: Patienten, die regelmäßig Medikamente benötigen, können telefonisch Rezepte bestellen, die sie dann in der Praxis abholen dürfen – „natürlich nur, wenn sie nicht erkrankt sind“, unterstreicht Weide. Ihre Chefin Hauswald erklärt: „Wir wollen damit verhindern, dass die umliegenden Arztpraxen überlastet werden. Kinderärzte gibt es ja auch nicht so viele in der Region.“

Alle vier nun Erkrankten sind gegen Corona geimpft. Kornelia Hauswald „war ganz erstaunt, dass ein PCR-Test positiv sein kann, wenn man sich so mopsfidel fühlt“. Nur ein wenig Schnupfen habe sie derzeit. „Mein Mann hat all das, was man eben hat, wenn Corona einen erwischt hat.“ Und auch bei ihren zwei Mitarbeiterinnen sei etwa ein Geschmacksverlust zu beklagen.

Alle vier befinden sich derzeit in häuslicher Quarantäne. Diese laufe erst einmal bis zum 16. November. „Ob wir alle dann wieder fit sind, lasse ich jetzt mal offen“, mag Kornelia Hauswald eine Rückkehr aller Betroffenen in die Praxis nach dem Ablauf der Quarantäne noch nicht garantieren. „Ich hoffe es einfach“, fügt sie hinzu. Sprechstundenhilfe Weide dürfte es auch freuen. Denn sie hat momentan stressige Arbeitstage. „Das Telefon steht hier nicht still“, sagt sie und begrüßt erst einmal einen Patienten, der soeben durch die Tür kommt, um sein Rezept abzuholen. Ihre beiden Kolleginnen sind im Hintergrund zu hören. Sie telefonieren mit anderen Patienten.

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