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„Gefühlt schon länger heimisch“: Das erste Jahr an der neuen Schule

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Von: Dirk Grein

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Endlich wieder mehr Treffen in Präsenzform: Zum Abschluss des Schuljahres lud die Grundschule Rahlenberg zur Übergabe der Zeugnisse in Form eines Eltern-Cafés ein.
Endlich wieder mehr Treffen in Präsenzform: Zum Abschluss des Schuljahres lud die Grundschule Rahlenberg zur Übergabe der Zeugnisse in Form eines Eltern-Cafés ein. © Dirk Grein

Mit einem Eltern-Café in Präsenz am Donnerstag und der internen Verabschiedung der Viertklässler am Freitag endete ein turbulentes erstes Schuljahr an der Grundschule Rahlenberg.

Herscheid - Im Interview mit Dirk Grein blickt Rektorin Heike Zilinski zurück auf die vergangenen Monate, die geprägt waren von dem Zusammenwachsen der beiden bisherigen Grundschulen Herscheid und Hüinghausen sowie den Herausforderungen, die die Corona-Pandemie und die Integration von Flüchtlingskindern aus der Ukraine mit sich brachten.

Ein Jahr im neuen Bildungszentrum: War es angesichts der vielen Aufgaben gefühlt ein längeres Schuljahr als sonst?
Heike Zilinski: „Gefühlt sind wir hier schon länger heimisch. Weil wir so lange im Vorfeld damit begonnen haben, gemeinsam zu planen, gemeinsam etwas zu erarbeiten. Und weil wir vor allem so frühzeitig in die Gesamtplanung eingebunden waren. Dadurch sind die neuen Räume einfach schön; wir genießen es, den Platz zu haben und dass es so hell und freundlich ist, aber zu keinem Zeitpunkt fremd erscheint. Die Kinder und auch die Erwachsenen waren sofort hier zuhause.“

Sie sind also wunschlos zufrieden oder gibt es noch Verbesserungswünsche?
Heike Zilinski: „Es gibt natürlich immer Dinge, die wir uns wünschen – sei es nun im Bereich der Ausstattung oder der Organisationsformen, die wir vielleicht noch ein bisschen verbessern und ausfeilen wollen. Aber wir haben den Eindruck, dass wir bereits sehr gut zusammengewachsen sind, und das ist das Wichtigste.“

Zusätzlich zu den neuen Räumen und Strukturen kam das Thema Corona: Wie hat die Pandemie das Schuljahr beeinflusst?
Heike Zilinski: „Es war geprägt von schnellen Entscheidungen, die umgesetzt werden mussten, sowohl in die eine als auch in die andere Richtung. Uns erreichte sehr kurzfristig die Nachricht, dass wir Dinge verschärfen müssen. Auf der anderen Seite hat uns das Entschärfen, wie zum Beispiel das Weglassen der Masken, ähnlich schnell getroffen.“

Mit welchem Gefühl gehen Sie nun in die Ferien, da noch nicht absehbar ist, wie es danach weitergeht?
Heike Zilinski: „Grundsätzlich sind wir optimistisch, dass wir das auch im nächsten Schuljahr gut hinbekommen. Die Maßnahmen innerhalb der Schulgemeinde und der Gesellschaft sind im Grunde so weit etabliert, dass es für die Kinder kein Problem ist, vielleicht auch wieder einen Schritt zurück zu machen. Falls es jetzt doch wieder heißen würde, dass wir ab einem bestimmten Zeitpunkt Masken tragen oder etwas trennen müssen, dann ist das schade. Aber die Kinder müssten es nicht neu lernen, sondern wir greifen dann zurück auf Erfahrungen. Wir können natürlich auch Dinge anpassen, die wir bereits erprobt haben. Wir hoffen natürlich, dass das nicht erforderlich sein wird, aber das wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht.“

Können Sie dann in den Ferien überhaupt abschalten oder wie verfolgen Sie die Entwicklungen?
Heike Zilinski: „Wir haben gelernt, dass wir spontan sein müssen. Änderungen, die zum Schuljahresbeginn zum Tragen kommen, werden sicherlich nicht in der nächsten Woche schon bekanntgegeben. Daher stellen wir uns darauf ein, dass – was auch immer kommen mag – kurzfristig erfolgt, was ja auch nachvollziehbar ist. Die Zahlen müssen abgewartet werden, ebenso die gesamte Entwicklung. Erst dann wird die Politik, wird unser Schulministerium reagieren und wir müssen es dann bei Bedarf umsetzen.“

Umsetzen mussten Sie während des laufenden Betriebs die Aufnahme der Flüchtlingskinder aus der Ukraine. Wie ist das aus Ihrer Sicht gelungen?
Heike Zilinski: „Die Herausforderung war groß, aber wir haben sie sehr gut meistern können, weil wir tatkräftige Unterstützung hatten und haben. Wir haben zum einen das große Glück, dass wir im Kollegium eine Kollegin haben, die Russisch spricht. Sie konnte die Kommunikation immer dann unterstützen, wenn der Google-Übersetzer keine zufriedenstellenden Ergebnisse lieferte. Wir haben für eine gewisse Zeit die Unterstützung einer ukrainischen Lehrerin gehabt, die in Herscheid für einige Wochen gelebt hat und in dieser Zeit zu uns in die Schule gekommen ist und die Kollegen im Unterricht unterstützt hat. Nicht zu vergessen die Unterstützung von Gerd Haas, der seine Freizeit zumindest teilweise damit verbracht hat, die ukrainischen Kinder zu unterstützen in ihrem Prozess Deutsch zu lernen.“

Wie viele Kinder sind es?
Heike Zilinski: „Wir haben jetzt im Moment, bedingt durch Umzüge, noch 15. Sie sind gut verteilt: Wir hatten in einer Klasse drei, das war aber auch die höchste Anzahl, ansonsten immer ein oder zwei Kinder. Das ist für die Kinder gut, weil sie sehr vielfältige Kontakte zu den Mitschülern haben und dabei die Sprachbarrieren überwunden werden müssen und auch werden.“

Das heißt, die Kinder sind mittendrin.
Heike Zilinski: „Genau, sie sind mittendrin. Sie haben zwar ihre tägliche Ration Deutschunterricht bekommen, in ganz kleinen Gruppen, aber ansonsten waren sie in ihrer Klasse. Sie haben mit ihren Klassenkameraden gespielt, gebastelt, gemalt, einfach mitgemacht. Das ist für die Integration extrem wertvoll.“

Ist es in dem Alter vielleicht noch leichter, sich auf etwas Neues einzulassen?
Heike Zilinski: „Ja, die Kinder haben auch nicht solche Hemmungen wie wir Erwachsenen. Sie gehen auf andere zu und wenn sie die Sprache nicht sprechen, dann behelfen sie sich mit Händen, Füßen, Tablet oder sonst was.“

Neue Schule, Zusammenwachsen, Corona, Krieg: Wie froh sind Sie, dass nach diesen großen und den vielen kleinen Herausforderungen des Alltags erstmal Pause ist?
Heike Zilinski: „Wir alle sind sehr froh und dankbar, dass nun die Ferien – oder wie es bei uns Lehrern heißt „unterrichtsfreie Zeit“ – beginnt. Aber wir alle werden das auch als Ferien genießen, zumindest einen Teil davon. Die Vorbereitung des neuen Schuljahres steht natürlich an, aber wir wollen alle vorher Kraft tanken, damit wir auch das nächste Schuljahr wuppen können.“

Was wünschen Sie sich für das nächste Schuljahr?
Heike Zilinski: „Ich wünsche mir, dass Kinder, Eltern, Kolleginnen und Kollegen die Chance haben, gut zusammenarbeiten zu können. Dass wir alle gesund bleiben oder, wenn es uns trifft, schnell wieder gesund werden, sodass es keine großen Brüche gibt auf allen Ebenen. Damit wir das, was wir uns für das neue Schuljahr vorgenommen haben, auch umsetzen können. Wir wollen ja weitermachen. Wir haben gerade in den letzten Wochen viel Energie reingesteckt, um Dinge zu machen, die Corona uns zuvor ein wenig vermiest hat. Das war ein Stück mehr Normalität, als wir es im vergangenen Schuljahr genießen konnten. Das wünschen wir uns: Dass wir viele von diesen schönen Aktionen, die auch außerhalb der Schule stattfinden, wieder umsetzen können. Dazu gehört eine gesunde, motivierte, zufriedene Schülerschaft, Lehrerschaft und Elternschaft – ohne die geht es nicht.“

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