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Geburtstagsfeier eskaliert: Polizei findet Drogen in Herscheid

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Von: Thomas Krumm

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Drogenlabor an der Hohle Straße: Im Oktober 2020 sicherten Zivilbeamten in einer Wohnung zahlreiche Beweismittel. Der Hinweisgeber stand nun vor Gericht.
Drogenlabor an der Hohle Straße: Im Oktober 2020 sicherten Zivilbeamten in einer Wohnung zahlreiche Beweismittel. Der Hinweisgeber stand nun vor Gericht. © Archivfoto: Klümper

Vor einem halben Jahr wurde ein 27-jähriger Herscheider wegen diverser Drogendelikte zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und vier Monaten verurteilt und in den forensischen Drogen-entzug geschickt. Nun wurde ein weiteres Kapitel in dieser aufschlussreichen Geschichte rund um die Produktion großer Mengen Amphetamin geschrieben.

Herscheid - Im Amtsgericht Altena musste sich ein 29-jähriger Herscheider verantworten, der die Ermittlungen maßgeblich vorangebracht hatte. Der Vorwurf: Beihilfe zum Handeltreiben mit einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel. Ihm wurde vorgeworfen, dass er für den zeitweilig obdachlosen 27-Jährigen 366 Gramm Amphetamin und diverses Zubehör eingelagert hatte.

Der 29-Jährige erzählte im Amtsgericht die Geschichte: Der 27-Jährige wollte Geburtstag feiern. „Mama war nicht da. Das Haus war frei“, erklärte der 29-Jährige. Wegen eines gesundheitlichen Problems kam kurz darauf medizinische Hilfe: „Ich habe die Rettungswagenbesatzung angegriffen, weil ich weg wollte“, erinnerte sich der Angeklagte. Die Auseinandersetzung führte dazu, dass nun auch die Polizei an dem Haus in Herscheid eintraf, wo den Beamten ein „Randalierer“ und „aggressiver Patient“ gemeldet worden war. Es fügte sich, dass die Beamten im Zuge weiterer Ermittlungen im Haus unter anderem 366 Gramm Amphetamin sicherstellten.

Der 29-Jährige packte aus, weil er offenbar Sorge hatte, dass er selbst mit den bei ihm gelagerten Drogen in Verbindung gebracht werden könnte. Und so erzählte er „alles“, was er wusste über den 27-Jährigen. Dazu gehörte auch der Hinweis auf eine zweite Wohnung an der Hohle Straße in Herscheid, wo der 27-Jährige große Mengen Amphetamin angerührt hatte.

Der Grundriss dieser Wohnung half einem Sondereinsatzkommando, das dort 17 Kilogramm der Droge sicherstellte. Die Amphetaminküche war mit dem schönen Wort „Produckzion“ gekennzeichnet.

Warum hatte sich der 29-Jährige die Einlagerung der Drogen im Haus seiner Mutter gefallen lassen? Im Amtsgericht sprach seine Verteidigerin Heike Michaelis von einer Mischung aus einem bisschen Naivität und dem Wunsch, dem 27-Jährigen einen Gefallen zu tun. Außerdem hatte der Angeklagte ein paar Gramm Amphetamin abbekommen.

Der Drogenkonsum hatte sich nach dem Schreck offenbar erledigt. Und mit seinen damaligen Kumpels wollte er auch nichts mehr zu tun haben: „Ich habe den Kontakt komplett abgebrochen. Die haben mir nicht gut getan.“

Der Besitz einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel ist ein Verbrechen mit einer Mindeststrafe von einem Jahr. Und so landete die Sache vor einem Schöffengericht. Doch es gab gleich mehrere rechtlich zwingend gebotene Gründe, die Strafe erheblich zu mindern: Es handelte sich nur um eine „Beihilfe“, darüber hinaus möglicherweise um einen minderschweren Fall, und der 29-Jährige hatte erheblich zur Aufklärung viel größerer Straftaten beigetragen.

Dass er die letztlich gegen ihn verhängte Strafe als ein Dankeschön empfunden hat, ist eher unwahrscheinlich. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 30 Euro, insgesamt also 2 700 Euro – ein Urteil, das nur eingeschränkt das Bild einer dankbaren Justitia zeichnete. Denn das war eine Riesensumme für einen gesundheitlich und mental nicht voll leistungsfähigen Menschen, der sich glücklicherweise in einen kleinen Job vorgekämpft hat.

Im Landgericht hatte ihn ein Polizist mit einer klaren Begründung für seine umfassende Aussage zitiert: „Ich möchte dafür nicht ins Gefängnis – ich sage umfassend aus.“ Wenigstens dieser Wunsch ging erwartungsgemäß in Erfüllung.

Mehr über das Herscheider Drogenlabor.

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