Für zwei Monate weilt die Lok Plettenberg bei der MME 

Geburtstagsbesuch auf der Schiene

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Benjamin Riedesel von der Märkischen Museumseisenbahn schaut sich andächtig in der Kastendampflok „Plettenberg“ um, die bis Mitte Oktober am Bahnhof Hüinghausen beheimatet ist und für Fahrten durchs Elsetal eingesetzt werden soll.

Herscheid - Sie ist zurück in ihrer Heimat: Die Kastendampflok Plettenberg ist wohlbehalten aus Bruchhausen-Vilsen am Bahnhof Hüinghausen angekommen. Ihr erster Einsatz am kommenden Sonntag ist denkbar.

Ursprünglich sollte die „Plettenberg“ dem Bahnhof Hüinghausen am Dienstagmorgen zugeführt werden, doch überraschend stand sie schon am Montagabend vor den Toren der Sauerländer Kleinbahn. Noch am selben Abend erfolgten das Abladen und die Unterbringung im Lokschuppen. Für den Transport stellte sich dieses Mal ein deutsches Unternehmen zur Verfügung, das für die Überführung der Dampflokomotive ein Fahrzeug mit dem passenden Bett besitzt; in der Vergangenheit hatten stets Spezialunternehmen aus den Niederlanden diese Aufgabe übernommen. „Wir haben uns bereit erklärt, die Instandhaltung der Maschine zu übernehmen, falls sie länger bleiben sollte. 

Da stehen Untersuchungen an und unser Team möchte Erfahrungen sammeln und diese Maschine aufarbeiten. Nur fehlen uns bis dato die Mittel für die Aufarbeitung, weil so eine Hauptuntersuchung immer zwischen 20 000 und 40 000 Euro kostet, je nach Schadensbild“, erklärt der Vorsitzende der MME, Udo Feldhaus. Aufgrund ihres Alters weist die „Plettenberg“ Verschleißerscheinungen auf: Durchgerostete Bleche, zu erneuernde Leitungen und Austausch von Armaturen gehören zur Instandhaltung. 

Hierfür sucht die Märkische Museumseisenbahn händeringend Menschen, die etwas spenden und denen die Industriekultur bzw. die Plettenberger Kleinbahn am Herzen liegen. Die Kastendampflok kehrt aus einem erfreulichen Grund zurück ins Sauerland: Sie kann in diesem Jahr 90. Geburtstag feiern. „Für eine Dampflok ist das ein ziemlich betagtes Alter und da lohnt es sich, das mal herauszustreichen und der Öffentlichkeit mitzuteilen. Denn die Technik funktioniert auch heute noch reibungslos“, betont Udo Feldhaus weiter. Ein paar Jahre älter ist übrigens die Dampflok Bieberlies, die vor vier Jahren ihren 90. Geburtstag feiern konnte. 

Die Technik der Plettenberg und der Bieberlies sind aus der gleichen Zeit, aber sie haben verschiedene Bauarten. Während die Kastendampfloks vorrangig im Straßenbahnbereich zur Anwendung kamen und im Straßenplanum Personen- und Güterzüge zogen, war die Bieberlies eine Lokomotive, die weite Strecken über Land gefahren ist und große Massen bewegen musste. 

So zeigt sich der Aufbau beider Dampflokomotiven unterschiedlich. Das Glück, ein Stück Plettenberger Geschichte wieder in der alten Heimat zu haben und die Eisenbahn allgemein noch heute zu leben, lässt sich in folgende Worte zusammenfassen, die Udo Feldhaus der Heimatzeitung übermittelt: „Plettenberg, Kreis Altenaer Eisenbahn, Hohenlimburger Eisenbahn und wie sie alle heißen – genau deswegen sind wir hier in unserem Verein tätig. Wir kennen diese Museumseisenbahnen, die Älteren zumindest, noch aus eigener Erfahrung, und verbinden sie mit der guten alten Zeit, den Annehmlichkeiten und Unannehmlichkeiten, die man damals hatte. Die jungen Leute interessieren sich für die alte Technik und wir interessieren uns für den alten Betrieb.“

Eineinhalb Stunden Wartezeit auf den Zug seien früher normal gewesen, heute rege man sich schon über zehn Minuten Verspätung auf. „Die Infrastruktur war früher anders. In jedem Bahnhof gab es einen Wartesaal erster und zweiter Klasse und man war darauf eingestellt. Das ist heute eben anders“, erinnert sich Udo Feldhaus noch gut. Das Fahrgefühl vergangener Zeiten soll nicht nur die Lok Plettenberg transportieren: Der MME ist es darüber hinaus gelungen, einen kompletten Lenz-Güterzug nach Hüinghausen zu holen; das 150-jährige Jubiläum der Firma Lenz war ausschlaggebend. 

Udo Feldhaus erklärt: „Das war das erste Eisenbahnunternehmen, das genormte Eisenbahnteile hergestellt hat und damit auch Eisenbahnen betrieben hat. Es gab besondere Kupplungsvorrichtungen, besondere Eigenschaften und Eigenheiten der Fahrzeuge, um das mal zu vergleichen mit den Fahrzeugen, wie sie heute hier bei uns stehen. Die sind natürlich wesentlich jünger, meistens erst 70 Jahre alt oder noch jünger. Da kann man schon einiges daran absehen und die Entwicklung der Technik beobachten.“ 

Ob die „Plettenberg“ bereits beim Fahrtag am kommenden Sonntag, 20. August, (siehe nebenstehender Text) eingesetzt werden kann, hängt nun davon ab, ob ein Lokführer zur Verfügung steht. „Das ist in den Sommermonaten immer etwas schwierig wegen der Urlaubszeit und nicht jeder kann diese Maschine fahren“, schildert Udo Feldhaus die besonderen Umstände. Es gebe jedoch einige Leute, die ihre Ausbildung auf solch einer Dampflokomotive absolviert haben oder die Berechtigung zum Führen besitzen. 

Die MME zeigt sich zuversichtlich auch in der Kürze der Zeit geschultes Personal zu finden. Ihre letzte Dampffahrt vollzog die Lokomotive übrigens im August in Bruchhausen-Vilsen; bis zur 41. Kalenderwoche (Anfang Oktober) wird sie nun bei der Sauerländer Kleinbahn im Betrieb sein. Danach folgt der Rücktransport zum Deutschen Eisenbahnverein (DEV). Besonders erwähnenswert: Die „Plettenberg“ wird am ersten Oktoberwochenende bei den Dampf- und Modellbahntagen in Hüinghausen eingesetzt, bei denen die Museumseisenbahn auch im Modell ihren Wiederklang findet und die Vergleichsmöglichkeiten besonders gut sind, meint Feldhaus.

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