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Gastronomen: „Mit 2G-Plus können wir den Laden schließen“

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Von: Ines Engelmann

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Wirtin Caro Vedder vom gleichnamigen Café-Restaurant ist mittlerweile corona-erprobt. Sie habe mittlerweile die Speisekarte verkleinert, um nicht zu viel wegwerfen zu müssen. Sie befürchtet, dass eine 2G-Plus-Regel in der Gastronomie ihrem Restaurant den Todesstoß´versetzen könnte.
Wirtin Caro Vedder vom gleichnamigen Café-Restaurant ist mittlerweile corona-erprobt. Sie habe mittlerweile die Speisekarte verkleinert, um nicht zu viel wegwerfen zu müssen. Sie befürchtet, dass eine 2G-Plus-Regel in der Gastronomie ihrem Restaurant den Todesstoß´versetzen könnte. © Dirk Grein

Viele Familien zieht es an den Feiertagen in Restaurants, um dort gemeinsam entspannte Stunden zu verbringen. Auch in Herscheid ist das so üblich. Doch auch an solch feierlichen Tagen spüren Gastronomen die Auswirkungen von Corona.

Herscheid – Im ältesten Gasthaus in Herscheid, in der Herscheider Mühle, lief es laut Geschäftsführerin Ursula Alberts recht gut: „Weihnachten war ziemlich gut für uns. Aber es gab wieder viele Absagen.“ Positiv stimme sie dennoch, dass viele Gäste sich im Vorfeld abgemeldet hätten. Gründe für Absagen seien häufig Krankheit oder Unsicherheiten aufgrund der Pandemie gewesen.

Anfragen habe es für die Feiertage jedoch viele gegeben. „Wir hätten es hier auch ganz voll haben können“, sagt Alberts voller Freude und äußert sich zufrieden mit dem Feiertagsgeschäft.

Ganz anders sah es Silvester aus: „Da hätten wir auch ganz zulassen können“, sagt Alberts. Zwar seien Gäste vorbeigekommen, aber die Kosten seien höher gewesen als der Nutzen. Alberts: „Es lohnte sich einfach nicht. Das war sehr schade.“

Auch A45-Sperrung ist spürbar

Im Vergleich zum Jahr 2019 – wo Corona noch keine Rolle gespielt hat – habe die Herscheider Mühle 2021 noch nicht einmal die Hälfte der Summe eingenommen. Neben Corona spielten auch das Hochwasser und die A45-Sperrung eine große Rolle. Bei den Übernachtungen laufe es derzeit „ziemlich mies“. Geschäftsleute kämen beispielsweise aufgrund von Corona und der A45-Sperrung kaum noch vorbei.

„Wir haben ordentlich zu knapsen, aber wir wollen auf hohem Niveau nicht klagen“, sagt Alberts und versucht, das Positive zu sehen. „Wir geben nicht auf und halten alles ziemlich kurz. Solange die Situation so ähnlich bleibt wie jetzt, können wir bestimmt in zwei Jahren unser 200-jähriges Bestehen feiern.“

Geschlossen wegen Renovierung

Vollkommen anders verliefen die Feiertage im Jagdhaus Weber. „Vom 18. Dezember bis zum 10. Januar haben wir aufgrund von Renovierungen geschlossen“, sagt Inhaber Harald Weber. So wurden die Eingangshalle und die Flure neu gestrichen. „Und das geht nicht, wenn Gästebetrieb ist“, so Weber. Mit insgesamt 13 Zimmern und 24 Betten sowie 25 Sitzplätzen im Restaurant sei dies ohne Schließung nicht möglich gewesen. „Die Renovierung konnten wir viel früher als geplant abschließen, sodass wir die restliche Zeit für die Familie nutzen und Kraft tanken können.“

2021 sei der Hotelbetrieb im Jagdhaus „bombastisch“ gelaufen. Das Hotel sei fast immer ausgebucht gewesen. „Damit sind wir sehr zufrieden“, sagt Weber. Im Restaurant hingegen sei es schlecht gelaufen. „Es war ziemlich mau und es hat sich fast nicht gelohnt, zu öffnen.“ Für die Hotelgäste sei der Service dennoch weiterhin angeboten worden.

Weber blickt trotzdem optimistisch ins Jahr 2022: „Wenn der Hotelbetrieb weiter so gut läuft, dann können wir uns nicht beschweren.“

Das Café-Restaurant Vedder in Niederholte hatte nur am zweiten Weihnachtsfeiertag geöffnet. „Die anderen Tage haben wir mit der Familie verbracht“, sagt Caroline Vedder, Wirtin des gleichnamigen Restaurants. Mittags und abends habe es viele Reservierungen gegeben. „Das war ziemlich ordentlich und wir können damit in Corona-Zeiten sehr zufrieden sein.“ Einige wenige Absagen habe es auch dort gegeben. Diese habe man jedoch zeitnah durch neue Reservierungen ausgleichen können. „Die Leute haben Angst und sind verunsichert“, erklärt Vedder die Absagen-Begründungen und äußert Verständnis.

Großer Umsatzeinbruch an Silvester

An Silvester habe es jedoch große Umsatzeinbußen gegeben. Rund 50 Prozent weniger Umsatz habe das Café verzeichnet. „Viele wussten einfach nicht, dass man sich in der Gastronomie mit mehr als zehn Leuten treffen durfte“, sagt Vedder und erklärt, wieso vor allem die größeren Gruppen weg blieben.

Neben dem Café-Restaurant gibt es bei Vedder auch die Möglichkeit, in einer Ferienwohnung oder einem Ferienhaus zu übernachten. Über die Feiertage seien holländische Gäste dort eingekehrt. Ein paar ältere Gäste hätten aufgrund der Corona-Lage abgesagt – und wollten im Jahr 2022 das Angebot wahrnehmen.

Haushalten: Kleinere Speisekarte

Als Gastronomin sei es in solchen Zeiten oft schwer, mit den Lebensmitteln vernünftig zu planen. Vedder: „Im Lockdown hatten wir zu. Nun müssen wir gut haushalten, um nicht zu viel wegzuschmeißen.“

Aus diesem Grund gibt es nun auch eine kleinere Speisekarte. Die Wirtin spürt diesbezüglich mittlerweile auch eine Veränderung an sich selbst: „Früher wäre es undenkbar gewesen, Gästen ein Gericht nicht mehr anzubieten, weil beispielsweise das Hähnchenschnitzel aus ist. Heute bin ich da etwas entspannter und biete den Gästen dann eine Alternative an, damit wir weniger wegschmeißen müssen.“ Die meisten Gäste äußerten laut Vedder diesbezüglich Verständnis.

Auch bei der 2G-Regel zeigten sich die Gäste verständnisvoll und hielten schon am Eingang Ausweis und Corona-Nachweise bereit. „Damit haben wir zum Glück gar kein Problem“, sagt Vedder und ist dankbar, dass ihr so teurer Ärger erspart bleibe.

Doch bei Vedder gebe es ein anderes Problem: Die Auswirkungen der A45-Sperrung sind stark. Vedder: „Wir haben auch Gäste aus dem Ruhrgebiet, die wohl kaum noch für einen Kaffee vorbei kommen werden. Sogar Gäste aus Lüdenscheid kommen nicht mehr, weil sie Angst vor dem Verkehr haben.“

Obwohl Vedder ebenfalls optimistisch ins Jahr 2022 blickt, äußert sie auch Sorgen bezüglich möglicher Corona-Einschränkungen: „Wenn wir irgendwann die 2G-plus-Regel in der Gastro bekommen, dann können wir unseren Laden komplett schließen.“ Denn viele Gäste kämen spontan nach Nieder Holte, ein Corona-Test würde dem im Wege stehen.

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