Nicht jeden Tag Erbsensuppe

Ganzjährig und Vielfalt – darauf achtet Burckhard Meyer bei der Vogelfütterung

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Der Herscheider Burckhard Meyer wünscht sich mehr Verständnis für den Umgang mit der heimischen Natur. Insbesondere setzt er sich für die ganzjährige Vögelfütterung ein.

HERSCHEID - Jetzt im Winter sieht man in Herscheid viele Vogelhäuschen. Doch Burckhard Meyer reicht das nicht aus: Er setzt sich mit voller Überzeugung gegen eine zeitliche Begrenzung und für die ganzjährige Zufütterung freilebender Vögel ein.

„Das empfinde ich als moralische Verpflichtung“, sagt der Hobby-Ornithologe. Fanden die Vögel früher noch in der Natur ausreichend Nahrung, so wird ihnen heutzutage das Überleben erschwert. Der Herscheider nennt die zunehmende Versiegelung der Flächen und den Einsatz von Düngemitteln auf landwirtschaftlich genutzten Flächen als entscheidende Gründe für diese Entwicklung. 

Wichtige Nahrungsquellen wie Würmer, Insekten oder Nachtfalter gebe es für die Vögel nicht mehr in ausreichendem Maße. Die Menschen seien daran schuld, deswegen müssten sie auch dafür sorgen, dass die Vögel auf andere Weise ihren Nahrungsbedarf decken können. Genau deswegen füttert Burckhard Meyer, der vor vier Jahren der Liebe wegen nach Herscheid gezogen ist, ganzjährig. Gegenüber seiner Wohnung an der Räriner Straße hat er eine Futterstelle eingerichtet; täglich füllt er die verschiedenen Behälter mit Mischfutter und anderen Leckereien auf. „Ich selbst esse auch nicht jeden Tag nur Erbsensuppe“, begründet er die Variation der Fütterung. 

Wohlwissend, dass nicht alle Nachbarn seine Vorgehensweise nachvollziehen können, lässt sich Burckhard Meyer nicht von seinem Weg abbringen. Die Vogelbeobachtung ist für ihn ein tägliches Ritual. Seine Fotos teilt er über die Facebook-Gruppe „Wildvögel im Garten“, wo er sich mit Gleichgesinnten austauscht. Vor drei Jahren trat er dieser Gruppe bei. Damals waren es rund 100 Mitglieder, inzwischen sind es fast 9 000. 

Allein dieser Fakt belegt: Die Vogelfütterung beschäftigt viele Menschen, doch nicht genug, meint der Herscheider: „Ich wünsche mir wieder mehr Verständnis für das Thema Natur im Allgemeinen.“ Er selbst hat sich über die Jahre durch entsprechende Fachliteratur immer mehr Wissen, speziell über Vögel, angeeignet. Ausschlaggebend dafür war ein Erlebnis in seiner Jugend: Auf einem Hof in seiner Heimatstadt Melle (bei Osnabrück) wurde er Zeuge, wie ein Mann mit einer Schrotflinte auf Spatzen anhielt. „Das hat mir so leid getan, dass ich die Tiere unbedingt schützen wollte“, erinnert sich Meyer. 

Das Engagement für seine gefiederten Freunde trägt Früchte: „Die Arten-Vielfalt hat mich wirklich überrascht“, sagt Ehefrau Heidemarie, die sich auch für das Hobby ihres Mannes begeistert. Gemeinsam betrachten die beiden Herscheider die Spatzen, Amseln oder Dompfaffen, erfreuen sich an dem Verhalten der Vögel und an dem emsigen Treiben an der heimischen Futterstelle. 

Die Herscheider hoffen, dass sich weitere Naturfreunde für die ganzjährige Vogelfütterung entscheiden, um somit langfristig einen Beitrag zur Erhaltung der Tiere beitragen zu können – damit die Welt eben doch nicht ausstirbt, wie es Burckhard Meyer in seinem nebenstehenden Gedicht befürchtet. Denn eines steht für den Herscheider fest: „Eine Welt ohne Vogelgezwitscher kann ich mir nicht vorstellen.“

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