Gärtnerhof beweist: Sauerländer Böden können mehr als „nur“ Grünfutter liefern

Grüne Vielfalt erhalten

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Ulrich Pieper (2. von links) und Sebastian Wolf (rechts) sind froh, dass der Gärtnerhof Kiesbert große Unterstützung erfährt – sowohl von den Stammkunden, aber auch von Personen, die als Erntehelfer bei der Landwirtschaft und der Ziegenkäseerzeugung mit anpacken.

HERSCHEID - Landesweit befürchten Bauern wegen der Hitzewelle massive Ernteausfälle. Nicht so auf dem Gärtnerhof Kiesbert: Ohne den Einsatz von Chemie und sogar ohne jegliches Bewässern wachsen auf den Feldern am Fuße des Ebbegebirges Gemüse und Obst in erstaunlicher Vielfalt.

Rote Beete, Mangold, Zucchinis, Kürbisse, Knoblauch, Grünkohl – der sonnenreiche Sommer wirkt sich positiv auf die Pflanzen aus. „Buschbohnen haben wir sogar so viele, dass wir sie kaum ernten können“, staunt auch Ulrich Pieper. Vor nunmehr 30 Jahren fasste er gemeinsam mit Gattin Bärbel einen weitreichenden Beschluss: Das Paar stellte sein Leben komplett um und entdeckte die ökologische Landwirtschaft für sich. Aus der Region für die Region lautet eines der Schlagwörter, welches sich seither bewährt. 

Die Sauerländer Böden erweisen sich als überaus fruchtbar. Kunstdünger braucht es nicht. Pieper setzt auf natürliche „Tricks“ wie die terrassenartige Ansiedlung der Flächen oder das Pflanzen von Obstbäumen und Hecken als Schattenspender. Der Hitze zum Trotz wird der Wasserhaushalt auf den Anbauflächen bestens reguliert – zusätzliches Wässern unnötig. 

Dieser gelebte Naturschutz lockte vor einigen Jahren auch Sebastian Wolf nach Kiesbert. Nach seinem Studium der ökologischen Agrarwissenschaft suchte er nach einer Möglichkeit, einen eigenen Hof zu bewirtschaften. Dieser Wunsch wurde dem heute 39-Jährigen aus der Nordeifel in Herscheid erfüllt: Vor vier Jahren pachtete er den Gärtnerhof. „Das ist eine Traumlage hier“, bescheinigt er Herscheid und dem Märkischen Kreis eine reizvolle Landschaft. 

Zwar könne er mit der Arbeit auf dem Biohof keine monetären Reichtümer anhäufen, dennoch sagt Wolf über sich selbst: „Ich bin reich.“ Was er damit meint? Durch die tägliche Arbeit auf dem Feld „erzeuge ich authentische Lebensmittel und das nicht für den Weltmarkt, sondern für die Menschen hier in meiner Heimat.“ Dass er sich damit von der Masse der Landwirte im Sauerland abhebt, ist dem 39-Jährigen bewusst. Nicht ohne Grund hat er sich seine Haare grün gefärbt – als Zeichen für die grüne Vielfalt, die er als Kontrast sieht zu den Monokulturen anderer Bauern. 

Die Besinnung auf Bioprodukte lässt sich indes nicht nur am gestiegenen Kaufinteresse der Kunden erkennen. Auch die Zahl derer, die sich eine Auszeit in dem Ferienhaus auf dem Gärtnerhof Kiesbert gönnen, ist konstant hoch. „Rund 200 Tage im Jahr ist das Haus ausgebucht“, sagt Ulrich Pieper. 

Dauergäste sind Dorothee Dragt und Bastiaan Visscher aus Arnheim. Seit 15 Jahren kennen die beiden Holländer den beschaulichen Hof. Aktuell nehmen die beiden eine einjährige Auszeit (Sabbatjahr) von dem Berufsleben in ihrer Heimat und engagieren sich als Erntehelfer in Kiesbert. „Hier wird mit viel Herz gearbeitet“, sagen die Holländer, die die Arbeit in der Natur lieben gelernt haben. 

Vor vier Monaten schloss sich zudem der Münsterländer Mauri dem Team aus Kiesbert an. Er selbst sagt, er sei auf der Wanderschaft und fühlt sich überall dort zuhause, wo sich Natur und Freunde befinden. Den Aufenthalt in Kiesbert wolle er nutzen, um die Vegetationsperioden auf dem Feld miterleben zu können. 

In dieser Hinsicht stellt das aktuelle Jahr eine Besonderheit dar, erklärt Ulrich Pieper: Bedingt durch die Hitze „wächst alles auf unseren Feldern in diesem Sommer schneller als sonst.“ Die Arbeit mit der Natur beinhalte zwar auch manch einen Rückschlag – davon gebe es in diesem sonnenreichen Sommer bislang aber nur sehr wenige, sagt Pieper.

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