Kreis-Veterinär zur Schweinepest: Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes

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Besorgte Blicke in Reihen des Herscheider Hegerings: Eine Schutzmaßnahme vor der Schweinepest ist die intensive Bejagung des Schwarzwilds. Aber das allein wird vermutlich nicht ausreichen, um den Virus aus den heimischen Wäldern fernzuhalten.

Herscheid - Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch. Wie kann sie aufgehalten werden? Und was würde passieren, wenn sie trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch in heimischen Wäldern ankommt?

Mehr als 30 Mitglieder hatten die Einladung des Herscheider Hegerings angenommen und folgten den Ausführungen von Kreis-Veterinär Dr. Jobst Trappe in Schürmanns Landgasthaus. Er riet dazu, nicht in Panik zu verfallen, sondern bewusst mit der Gefährdung umzugehen. 

Als Geschenk überbrachte er den Jägern Protokolle und Kanülen, verbunden mit der Bitte, ab sofort regelmäßig Blutproben von Wildschweinen aus den heimischen Revieren einzuschicken. Anfang Dezember sei in Meinerzhagen ein verendetes Tier in einem Sumpfbereich entdeckt worden; die Untersuchung der Blutprobe fiel jedoch negativ auf den Schweinepest-Virus aus. Derlei Beprobungen, vor allem von erkrankten und auffälligen Tieren, sei wichtigster Bausteine bei einer Früherkennung. 

Hauptbetroffene einer Seuchenausbreitung wären die Landwirte, die deswegen bereits jetzt zur Einhaltung der Biosicherheit aufgerufen sind. Dazu zählt unter anderem die ordnungsgemäße Kadaverlagerung, das Vorhandensein eines Zauns um den Betrieb und die Meldung von erhöhten Verlusten. Ebenso wichtig, das gilt auch für die Jäger, sei die Beachtung von Hygienemaßnahmen. 

Um die Ausbreitungsgefahr zu minimieren, soll die Schwarzwildpopulation verkleinert werden. Die Schonzeiten seien daher (mit Ausnahme von führenden Muttertieren) bereits aufgehoben worden. Dr. Trappe riet aufgrund der kleinstrukturierten Reviere vor Ort dazu, dass Jäger und Landwirte eine gemeinsame Strategie entwickeln sollten. Sinnvoll seien beispielsweise revierübergreifende Jagden. 

Herscheids Hegeringleiter Dr. Matthias Dunkel gab zu bedenken, dass derlei große Jagden zuletzt recht magere Strecken zum Ergebnis hatten. Die Herscheider Jäger würden dennoch akribisch auf Schwarzwildjagd gehen: oftmals sitzen nächtelang auf ihren Hochsitzen, um lediglich ein Tier zu erlegen – das sei mühsam. 

Ohnehin fühlen sich die Jäger alleingelassen: Dr. Dunkel appellierte in Richtung des Märkischen Kreises, endlich zentrale Sammelstellen für erlegte oder verunfallte Wildschweine einzurichten. Die Jäger würden ihrerseits alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um die Ausbreitungsgefahr zu senken, sofern dabei die Jagdethik nicht missachtet werde. 

Dies sah Dr. Jobst Trappe ähnlich: Sollte die Schweinepest nach Deutschland kommen, sei mit Schäden in Milliardenhöhe für die Volkswirtschaft zu rechnen. Im Bereich der Seuchenbekämpfung seien zwar der Einsatz von bewaffneten Drohen, des Militärs oder Vergiftungsaktionen denkbar. „Aus meiner Sicht wäre das ethisch aber nicht vertretbar“, sagte der Referent. 

Das Land NRW hat bereits erkennen lassen, im Fall eines Ausbruchs mit sogenannten „Hotspots“ zu reagieren. Ein Kernbereich von fünf mal fünf Kilometern soll eingezäunt werden. Aufgrund der Topografie sei dieses Vorhaben in der heimischen Region allerdings nur schwer umsetzbar. Eine Lösung für das Problem konnte der Kreis-Veterinär nicht präsentieren: „Ich habe nicht den Hauch eines Gedankens, wie man damit umgehen könnte.“ 

Bislang rücke die Schweinepest pro Jahr etwa 25 bis 50 Kilometer näher an Deutschland heran. Ein aktueller Infektionsherd wurde in Polen entdeckt, keine 400 Kilometer von der Grenze entfernt. „In acht Jahren könnte die Seuche auf normalem Weg also zu uns gelangen“, erklärte Trappe. Durch eine vektorielle Übertragung (mittels eines nicht erkrankten Wirtes) könnte dieser Prozess sogar beschleunigt werden. Viel Zeit zum Handeln bleibt also nicht mehr. Dr. Trappe spricht bereits jetzt von einer Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes.

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