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Was passiert im Freibad, falls der Gashahn abgedreht wird? 

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Von: Dirk Grein

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Die Blicke gehen nach unten: Die Mitglieder des Sportausschusses besichtigten das Freibad.
Die Blicke gehen nach unten: Die Mitglieder des Sportausschusses besichtigten das Freibad. © Dirk Grein

Erst die Corona-Pandemie, jetzt der Ukraine-Krieg: Der Betrieb des Freibades bedeutet für die Gemeinde Herscheid auch in dieser Saison große Unsicherheit. Völlig offen ist zum jetzigen Zeitpunkt die Energiefrage.

Herscheid - Wie sollte das Wasser in den Becken beheizt werden, falls kein Gas auf dem Markt zur Verfügung steht? „Bäder haben bei den Versorgern keine Priorität“, weiß Bürgermeister Uwe Schmalenbach. Sollte die Gaslieferung aus Russland (von welcher Seite auch immer) eingestellt und das Vorkommen eng werden, dann hätten Privatpersonen Vorrang.

Bliebe das Wasser in den Freibadbecken dann kalt? Oder wäre ein Saisonabbruch die Folge? Eine Einschätzung der Verwaltung gibt es bislang nicht, die sich indes mit diesem Szenario beschäftigen muss und wird.

Absorberanlage nach 20 Jahren kaputt

Fest steht jedenfalls, dass eine alternative Möglichkeit des Erwärmens, die sich in Herscheid bereits bewährt hat, ausgerechnet jetzt nicht besteht: die Nutzung der Sonnenenergie. Wie der Bürgermeister im Rahmen des Sportausschusses berichtete, ist die Solarabsorberanlage auf dem Dach des Betriebsgebäudes ein Totalausfall.

Nach 20 Jahren in Benutzung und entsprechendem Verschleiß sei der Zustand nicht mehr reparabel. „Sie löst sich von innen auf“, erklärte der Bürgermeister, dass die Gefahr der Wasserverschmutzung in den Becken bestehe und die Anlage daher ausrangiert werden müsse. Vor der Saison einen Neukauf zu tätigen, sei aus finanzieller Sicht schwierig. Ein bereits gestellter Förderantrag sei laut Bürgermeister abgelehnt worden.

Da im Herbst ohnehin der nächste Bauabschnitt der Freibad-Sanierung anstehe, soll die Ersatzbeschaffung verschoben werden. Zu überlegen sei dabei, ob auf dem Dach des Betriebsgebäudes neben einer neuen Absorberanlage (die für heißes Wasser sorgt) auch eine kleine Photovoltaikanlage installiert werden könnte. Damit könnte Strom für den Badbetrieb gewonnen werden.

Personelle Situation am Beckenrand und im Kiosk geklärt / An der Kasse fehlen noch Mitarbeiter

Betriebsleiterin Adelheid Schreiber geht in ihre zweite Saison, Urgestein Reiner Wittkamp ist ihr in Sachen Erfahrung im Herscheider Freibad um mehr als 30 Jahre voraus. Unterstützung erhalten die beiden Schwimmmeister wie im Vorjahr aus der Nachbarstadt: Die Gemeinde Herscheid kooperiert mit dem Bäderbetrieb Lüdenscheid. Adelheid Schreiber hatte während der Winterpause in der Gemeinde drei Monate lang im Bad am Nattenberg gearbeitet. Als Gegenleistung entsenden die Lüdenscheider nun eine Aushilfe für die Freibadsaison. Somit stehen zweieinhalb Stellen für den Herscheider Beckenrand zur Verfügung. Noch nicht komplett ist dort hingegen das Team an der Freibadkasse. Wie der Bürgermeister berichtet, habe man zwei Kräfte für diese wichtige Position gefunden. Um ein Schichtmodell aufrechterhalten zu können, sei man jedoch auf mindestens eine weitere oder auch mehr Personen angewiesen. Uwe Schmalenbach warb für diese Stelle, die unter anderem für Studenten oder Azubis nach dem Schulabschluss interessant sein könnte; aber auch Rentner seien angesprochen. Eine Lösung gefunden wurde hingegen für den Kiosk. Bereits Mitte der vorherigen Saison hatte sich die Gemeinde nach einem neuen Pächter umgesehen – dieser sei nun gefunden worden.

Doch auch der besagte Umbau bereitet Sorgen: Zwar liegt inzwischen eine Baugenehmigung für die Komplettsanierung des Betriebsgebäudes und die Umstrukturierung eines Teils des Parkplatzes vor. Allerdings „machen die allgemeinen Preissteigerungen das Vorhaben nicht einfacher“, gab Herscheids neuer Bauamtsleiter Jan Koopmann zu bedenken.

Bürgermeister Schmalenbach sprach in diesem Zusammenhang von einem „überhitzten Baumarkt“, auf dem selbst Pflastersteine zurzeit Mangelware seien. Angesichts von explodierenden Preisen etwa für Metall könne die Gemeinde froh sein, dass sie das Schwimmerbecken bereits letztes Jahr einweihen konnte und nicht jetzt tätig werden müsse.

Dennoch sei die Lage für die Gemeinde schwierig: Der Bürgermeister berichtete von ersten Baufirmen, die aus bestehenden Verträgen aussteigen möchten, weil sie die darin beschriebenen Bedingungen nicht mehr einhalten können. Nicht nur im Freibad, sondern auch bei den anderen Bauvorhaben der Gemeinde sei enormer Gesprächsbedarf zu erwarten.

Gas-Vertrag bereits abgeschlossen

Doch zurück zu der Schwimmsaison: Diese soll – Stand Dienstag – möglichst Mitte Mai beginnen, sobald die letzten Arbeiten am Schwallwasserbehälter abgeschlossen sind. Vorerst setzt die Gemeinde alles auf die Karte konventionelles Beheizen. Ein entsprechender Vertrag mit einem Gas-Anbieter sei abgeschlossen. Laut Bürgermeister habe man sich einen Festpreis gesichert, mit einer Erhöhung sei in diesem Bereich zumindest in den kommenden Monaten nicht zu rechnen – falls denn in den nächsten Wochen und Monaten auch ausreichend Gas zur Verfügung steht.

Hinsichtlich der für den Herbst anstehenden Baumaßnahme bestehe die Hoffnung, dass in der Baubranche wieder Normalität einkehre. Ansonsten gelte bei der Umsetzung die Devise: „Schritt für Schritt – und das Wichtigste zuerst.“

Mehr über das Herscheider Freibad und den Saisonbeginn.

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